Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 71 (7.9.1903)
- Date
- 1903-09-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1574 nossen gegenüber. Da sollen wir die weitgehendste Toleranz üben, wie sich, dies aus dem Satze ergibt: Umaus ho'aulom jesch etc. Juden gegenüber, die sich nicht entschließen können, ihr Leben nach den Anforderungen der Thauroh zu führen, hat der Rabbiner eine erste Aufgabe zu erfüllen, und die heißt awr. zu mahnen, nur immer wieder zu mahnen. Wenn jedoch, wie bei Herrn Dr. Horovitz, in seinen Predigten vorzugsweise nur allgemein menschliche Dinge zur Sprache kommen, wenn er spezifisch jüdische Pflichten, wie Schabbos und Speisegesetze, nur sehr selten, viele andere, wie issur hauzooh, niemals berührt, ist es ein Wunder, wenn unsere Frankfurter nichtfrommen Juden sich schließlich in dem Wahne befinden, ob fromm oder nicht fromm, darauf komme es nicht an. wenn man nur recht laut sich zum „Judenthum bekenne." sein „jüdisches Herz" bei irgend einer Sammlung bethätige, dies genüge, um als Jude zu gelten!? Wir bekennen es offen, dieses Schweigsystem, das leider auch viele andere Rabbiner beobachten, halten wir für ein großes Hemmniß in der Entwicklung des Judenthums, und bedauern es spez. für Frankfurt a. M.» daß Herr Dr. Horovitz, ein offenbar befähigter Mann, der an einem so hervorragenden Posten stehend, so unendlich segensreich für den Ausbau der wahrhaften Frömmigkeit wirken könnte, nur falsche Friedensliebe bethätigt. Hat ja dieses Horovitz'sche System des Schweigens zu den Verirrungen der Zeit, auch die Stellungen der außerhalb Frankfurts wirkenden Rabbiner erschwert, da solche bei jedem Versuch, die bessernde Hand an die Schäden in ihrer Gemeinde zn legen, auf Horovitz verwiesen werden, „der doch auch fromm sei und die Leute gehen lasse." Kein Wunder daher, wenn die pflichtvergessenen Juden einen solchen Rabbiner hegen und pflegen, einen Rabbiner, der seine Hände über sie hielt, und von dem sie wissen, daß er ihren unjüdischen Lebenswandel, obwohl er selbst streng orthodox, nicht stört. In der Ehrung seiner Person ehren sie sein System, und die Jubelhymnen, die bei jeder Gelegenheit von den Nichtfrommen auf ihn angestimmt werden, würden bald verstummen, wenn Horovitz einmal deutlich ihnen sagen würde, daß wer nicht auf dem Boden des Religionsgesetzes stehe, die Forderungen des Judentums ver- . leugne. Unter den mannigfaltigen Ehrungen, die dem Jubilar in diesen Tagen zu Theil werden, werden die jenigen der Neologen einen bedeutenden Platz einnehmen. Diese Thatsache ist es aber auch, die so Manchen zurückhalten wird, dem Manne an seinem Ehrentage huldigend zu nahen, Manchen, der gern seiner Arbeitsfreudigkeit, seinem liebenswürdigen Wesen, seinem Wirken aus humanitärem- Gebiete den Kranz der Dankbarkeit und Anerkennung winden möchte. Und aus dem Fernbleiben dieser Juden — es sind sicher nicht die schlechtesten Geister in Israel — wird Herr Dr. Horovitz die Erkenntniß schöpfen, daß das System, das .er eingeschlagen, ihm nicht die Sympathie derer eingebracht hat, die Herrn Dr. Horovitz gern in der Reihe der wahren Kämpfer für das alte, überlieferte Judenthum sehen würden, im Sinne der Worte unserer Weisen: nun n'vr cVijd nnrntr sruu cVwa nrrän ate nw jcia Wolf Lamm lein. Zeitungsnachrichten und Corresporrvsnzen. Deutschland. München, Z. Sept. Verflossenen Freitag, 5. Elul, Vormittags, wurden die beiden Söhne des Kaufmanns Herrn Weimersheim er beerdigt, welche bei einer Bergpartie ihren Tod gefunden haben. Der eine. 23 Jahre alt, war als Kaufmann bei seinem Vater thätig, der ihn an Kindesstatt angenommen, und der andere, 16 Jahre alt, besuchte eine höhere Schule, da er geistig sehr gut veranlagt war, und berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Beide wurden mit gleicher Liebe und Sorgfalt von den Eltern erzogen. Beide waren im Leben wie im Tode unzertrennlich, und nun liegen sie zur ewigen Ruhe gebettet nebeneinander. Die Theilnahme war eine so überaus große, daß die Leichenhalle die Menschenmenge nicht fassen konnte und die Leidtragenden sich im Friedhofe aufstellen mußten. 'Ans Bayern. Die Vorstandschast des Jsr. Lehrervereins für das Königreich Bayern erläßt an die Mitglieder derselben folgenden Aufruf: In kurzer Zeit wird unser Verein sein 25jähriges Jubiläum feiern. Aus den Reihen der Mitglieder wurde vielfach der Gedanke ausgesprochen, aus Anlaß der Feier ein Lotterie-Unternehmen durchzufühcen. Bei der diesjährigen Generalversammlung in Gunzenhausen erhielt dieser Gedanke greifbare Form, indem ein Plan in Vorschlag gebracht wurde. Es ist beabsichtigt, 50.000 Loose zu je 60 Pfg. auszugeben. Für die Gewinne soll die Hälfte der Einnahmen, ca. 12,000 Mark, bestimmt werden. Der Preis von 60 Pfg. wurde deßhalb angenommen, weil bei solchen Lotterien leichter die bedeutende Steuer erlassen.werden kann. Die Gewinnchancen sind sehr günstig, so daß auf vollen Absatz der Loose leicht zn rechnen ist, zumal für den Vertrieb ein ganzes Jahr in Aussicht genommen ist. Der Plan fand bei der Versammlung begeisterte Zustimmung und es wurden von den Anwesenden sofort 11,000 Loose für feste Rechnung gezeichnet. Bei un-