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Der Israelit · 1903-09-07 · Heft 71 (7.9.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 71 (7.9.1903)
Date
1903-09-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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konnte es sein, daß diese sich von ihr loslösten. Es ist ein Beweis ihrer unverwüstlichen Lebenskraft, ein Beweis für die Werbekraft, die wahrhaft jüdisches Streben stets auf Geist und Gemuth ausübt, daß die Religionsgesellschaft trotz der Berufung Horovitz' nicht nur nicht geschwächt, sondern zu immer größerer Blüthe, zu immer wachsendem Ansehen gelangt ist. Es muß jedoch unumwunden ausgesprochen werden, daß Herr Dr. Horovitz dadurch, daß er dem Rufe nach Frankfurt a. M, Folge geleistet, eine nicht geringe Verantwortung auf sich geladen. Mag auch das Streben Horovitz', orthodoxe Institutionen zu errichten. und für die Verbreitung des überlieferten Judenihums zu arbeiten, an sich nur rühmenswerth gewesen sein: an einem Platze wie Frankfurt a. M., wo die Vertretung der heiligen Gottessache in so bewährten Händen lag. wo alle Institutionen, deren ein gewissenhafter Jude bedarf, in glänzender Weise vorhanden waren, wo in der Religionsgesellschaft ein Gemeinwesen bestand, das als mustergiltig einen Weltruf hatte, in Frankfurt, meinen wir, konnte zur damaligen Zeit, da die jüdische Bevölkerung nicht übermäßig groß war, ein orthodoxer Rabbiner nur Erfolge durch eine Schwächung der Religionsgesellschaft erringen. So gewiß Jeder das Gute zu allen Zeiten und an allen Orten üben darf und soll, so ist es ihm doch nicht erlaubt, durch seine Bestrebungen das bereits Bestehende, das Bewährte in Gefahr zu bringen. Eine solche Gefahr barg aber das Streben Horovitz' in sich, und wer weiß, wenn nicht die Entwicklung Frankfurts zu einer Großstadt, und das dadurch bedingte Anwachsen der jüo. Bevölkerung erfolgt wäre, ob die Religionsgesellschaft auf die Dauer durch dieses nicht gefährdet worden wäre. Thatsächlich hat letztere trotz des an sich begreiflichen Strebens der Gegenseite, fromme Juden anzuziehen, von Jahr zu Jahr zugenommen, und haben bei der im Jahre 1898 erfolgen Neuregelung der Frankfurter Gemeindeverhältnisse 806 Mitglieder der Religionsgesellschaft die amtliche Erklärung abgegeben, daß sie nicht gesonnen seien, der Jsr. Gemeinde anzugehören. Diese Zahl der sog. Ausgetretenen dürfte inzwischen auf ca. 600 angewachsen sein. n. Haben wir im Vorausgegangenen darzulegen versucht. wie das Verhältniß der beiden in Frankfurt befindlichen Gemeinden durch die Berufung Horovitz' sich gestaltete, so liegt es uns nunmehr ob, die Wirksamkeit dieses Mannes innerhalb seiner Gemeinde zu beleuchten. Die Aufgabe, die sich Horovitz stellte, und die gewiß, wenn man sich einmal mit seiner Berufung nach Frankfurt a. M. versöhnt hat, nur den wärmsten Beifall aller wahrhaft Gottesfürchtigen finden durste, bestand darin, die religiösen Institutionen innerhalb der Gemeinde auf gesetzestreuer Grundlage aufzurichten, und weitere Kreise der Gemeinde wieder dem gesetzestreuen Judenthum zuzuführen. Was die erste Seite — die Errichtung gesetzestreuer Institutionen — anbelangt, so wurde Horovitz die Erreichung dieses Zieles seitens der Gemeindeverwaltung recht leicht gemacht. War es ja dieser, nachdem das Austrittsgesetz wie ein Damoklesschwert über der Gemeinde hing, nur darum zu thun, ein Abschwenken der frommeren Elemente nach der Religionsgesellschaft hin zu verhüten, und in größter Eile schuf man Mikwoh. Synagoge, Religionsschule, errichtete Bäckereien und Metzgereien, und unterstellte alle Anstalten dem neu erwählten Rabbiner. Diese Anstalten sind in den ersten Jahren ihres Bestehens für die Religionsgesellschaft von außerordentlich großem finanziellen Nachtheile gewesen, und wenn auch durch das Anwachsen der Stadt die gleichartigen Institutionen der Religionsgesellschaft wieder zu ihrer früheren Blüthe gelangt sind, so darf, wenn man unparteiisch die Geschichte der 25jährigen Thätigkeit Horovitz' niederschreibt, ihm der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß er mitgewirkt hat, bewußt oder unbewußt, den Einfluß der Religionsgesellschaft zu schwächen und ihre finanzielle Leistungsftihigkeit herabzudrucken. Die Horovitz'schen Institutionen, dies mag zugegeben werden, stehen denen der Religionsgesellschaft an Vortrefflichkeit und religiöser Sorgfalt nicht weit nach, und darf Herr Dr.Horovitz sich der Einrichtungen innerhalb seiner Gemeinde — mit Ausnahme des Friedhofes — auf den wir weiter noch znrückkommen — mit vollem Rechte rühmen. Wir kommen nunmehr zur Beantwortung der Frage: Ist Horovitz im Stande gewesen, die Frömmigkeit innerbalb seiner Gemeinde zu heben, und sich weitere Kreise zu einem gesetzestreuen Lebenswandel heran zu erziehen? Als etufl der unvergeßliche Meister des Judenthums. Samson Raphael Hirsch s. A.. sein 25jähriges Jubiläum als Rabbiner der Jsr. Religionsgesellschaft zu begehen in der Lage war, und man in begeisterten Worten seine erfolgreiche Tbätigkeit feierte, sprach er u. a. das berühmte Wort aus: „Ein Jubiläum ist's nicht für mich, sondern für meine Gemeinde; mit elf gesetzestreuen Mitgliedern habe ich meine Gemeinde gegründet, und nach einem Zeiträume von 25 Jahren zählt sie 500 auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums stehende Freunde.* — Nun. wenn Herr Dr. Horovitz heute das Fazit seiner Erfolge zieht, wenn er heute die Zahl der Gemeindemitglieder mustert, die von sich und ihren Angehörigen sagen können, daß sie ihr Leben einzig und allein nach dem Diktate unserer Thauro hakdauscho führen, wenn er die 30.000 Juden,*) die die Frankfurter Gemeinde . -.""Frankfurt im letzten Jahren ziemlich stock gewordene rumsch-oolmscheColome. die im großen Ganzen ihre eigenen Wege geht und eine Gemeinde in der Gemeinde bildet, haben wir der unserer Darlegung außer Berechnung gelassen.

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