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Der Israelit · 1903-09-03 · Heft 70 (3.9.1903) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 70 (3.9.1903)
Date
1903-09-03
Page
– (sequence 29)
Language
German
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' - 1567 sten," daß daher das immer noch landläufige Vorurtheil, das nicht nur von Ungebildeten, sondern selbst von einem Treitschke getheili wurde, als wäre der Jargon „eine abscheulich verhunzte Sprache", nur die Unwissenheit als Entschuldigung für sich anzuführen vermag. Ueber einzelne hier erwähnte Punkte, so z. B. über die Frage, ob die Juden schon im Mittelalter den Willen der Zugehörigkeit zur deutschen Nation gehabt haben oder auch nur haben konnten, wird wohl auch eine andere Auffassung möglich sein, den Kern und Grundgedanken dieser Abhandlung aber wird selbst der kritischeste Leser und Nachprüfer als berechtigt anerkennen müssen. Ebenso wird er. vorausgesetzt daß er ein einigermaßen entwickeltes fprachhistorisches Verständniß hat, in ihrem vollen Umfange die Schlußworte des Verfassers gelten lassen, die das Ergebniß der vorliegenden Untersuchung bilden: ..Der Jargon hat seine Rolle noch nicht ausgespielt und wird ernste Würdigung finden, trotz der armseligen Spötter, die verhöhnen, was sie nicht verstehen, und die nicht wissen, daß sie, sich selbst zur Schande, im Jargon die eigene Vergangenheit schmähen. Wir deutschen Juden wollen an dem Frevel solchen Spottes keinen Theil haben. Dazu ist in uns historischer Sinn zu lebendig. Wir haben auch keine Ursache, uns etwa des Jargons zu schämen. Wir dürfen im Gegentheil auf ihn als auf ein stolzes Zeugniß einer Vaterlandstrene Hinweisen, die ohne Gleichen ist und in ihrer stillen, rührenden Zähigkeit sittlich weit hinausragt über jeden lohnhungrigen und lärmenden Chauvinismus." Das Urtheil Klausncr's über den „Zionismus" ist, wie bei ihm nicht anders zu erwarten, ein scharfes, abweisendes. Wie leicht auch der überzeugte Zionist einen großen Theil der vorgebrachten Einwände wird widerlegen können, so wird doch auch er zugestehen, daß dem Verfasser nicht der Haß gegen den Zionismus diese scharfen Worte eingegeben, sondern die aufrichtige Liebe zum Judenthum, zu den Stammesbrüdern, daß ferner der Zionismus nur wenig Gegner besitze, die mit soviel Klugheit, Erfahrung und Weltkenntniß gegen ihn kämpfen, mit so scharfer Beobachtungsgabe seine Fehler und Schwächen entdecken, wie es hier geschieht. Haben wir die eben genannten ersten zwei Artikel trotz aller Anerkennung nicht ohne gewisse Einschränkung gelten lassen können, so sind wir in der angenehmen Lage, die Ausführungen der letzten beiden „Hie Babel — hie Bibel" und „Impressionen" voll und ganz zu akzeptircn. Was sie behandeln, sagen die Titel selbst. Welcher Tendenz sie dienen, kann nicht zweifelhaft sein. Der erstgenannte bekämpft die Delitzsch'sche vielbesprochene, abenteuerliche Hypothese von der Abhängigkeit der Bibel von Babel, doch geschieht dies so packend und schlagend, daß wir dieser Kritik, trotzdem das Interesse für diese Frage allmählich erkaltet ist, immer noch viele, recht viele Leser wünschen. Die „Impressionen" wenden sich gegen die bekannten Rathenau'schen Schmähungen des deutschen Judenthums und zeigen, daß Rathenau zur Charakteristik des Judenthums, das er mit dem geblendeten Auge eines modekranken jüdischen Antisemitlings sieht, nichts, zur Selbstcharakteristik dagegen, die in einem erstaunlichen Mangel an Bildung, Erziehung, Religion und Gefühl besteht, das meiste beigetragen hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß den ziemlich konfusen. kindischen Anklagen Rathenau's mit den zahlreichen Widerlegungen viel zu viel Ehre angethan worden ist, dennoch wird man Klausner aus dem Wiederabdruck seiner geistvollen Widerlegung, die als si^num temxoiis beachtet zu werden verdient, keinen Vorwurf machen. Die vorliegende Sammlung darf mit Recht als ein dankenswerther Beitrag zur Zeitgeschichte bezeichnet werden. D. Holzer. Tr. Bernhard Ziemlich. „Der Kampf um die Bibel und ihren Gottesbegriff." Nürnberg, Korn. Auf witzige Weise leitet Dr. Ziemlich seine Vertheidigung der religiösen Ansprüche des Judenthums ein. Durch die Professoren Harnack und Delitzsch, schreibt er, ist das Judenthum in eine eigentümliche Lage gekommen. Der erstere nimmt einen Theil der biblischen Grundlehren für das viel jüngere Christenthum, der letztere einen anderen Theil für das viel ältere Babylonierthum in Anspruch. Da ergeht es Israel wie jenem Manne, von welchem der Talmud erzählt, daß er zwei Frauen hatte, eine alte und eine junge Frau. Die alte wollte nicht, daß ihr Gatte jünger als sie erscheine, und sie riß ihm liebevoll die schwarzen Haare aus, das Gleiche that die junge aus entgegengesetztem Grunde mit seinen grauen Haaren. Schmerzvoll rief der von zwei Seiten Gerupfte aus: „Jetzt bin ich vollständig kahl geworden!" Im Uebrigen stehen seine weiteren interessanten Ausführungen durchaus auf orthodoxer Basis. Der Ertrag der apologetischen Schrift ist für die Opfer von Kischinew bestimmt. I. Biographisches. Norde», Tr. Js., Rabbiner in Myslowitz. „David Deutsch (1810—73), Rabbiner in Myslowitz und Sohrau Q.-S." Ein Lebensbild, herausgegeben vom „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" in Myslowitz. 1902. Selbstverlag des Vereins. 45 S. 8°. Der gegenwärtige Rabbiner der Myslowitzer Gemeinde und der dortige Litteraturverein haben durch Abfassung bezw. Herausgabe der vorgenannten Schrift dem in der Ueberschrift bezeichnten, verehrten Manne

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