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Der Israelit · 1903-09-03 · Heft 70 (3.9.1903) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 70 (3.9.1903)
Date
1903-09-03
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Phantasie des Lesers, mit der nothwendigen Empfänglichkeit und dem wünschenswerthen Verständnisse, dem Schilderet zu folgen, der zugleich unterhalten und belehren, aber auch einen Wegweiser für die Kultur aufstellen will, damit sie sich des uralten Kulturlandes, des „Paradieses", wieder bemächtige. Rabb. Tr. PorgeS, „Bibelkunde und Babe l f u n d e." Eine kritische Besprechung von Friedrich Delitzsch's „Babel und Bibel". L e i p z i a, M. W. Kaufmann 1903. 108 S. 8". Eine Reihe von Vorträgen, die der Rabbiner der Leipziger Synagogemeinde, Dr. Porges, in der dortigen Loge über den Bibelstreit gehalten hat, hat er, einem Wunsche seiner Hörer folgend, zu einer zusammenhängenden kritischen Besprechung der Delitzfchschen Vorträge umgearbeitet. Diese erhebt nicht den Anspruch, dem Fachgelehrten oder dem Vibelkundigen viel Neues zu bieten, aber die „populär gehaltene Beleuchtung bezw. Widerlegung der Behauptungen und Vermuthungen Delitzsch's hofft — und, das nach unserer Meinung, mit Recht — dem Laien einen willkommenen Dienst zu leisten. „Die Sprache ist vornehin und hält sich von jeder unnöthig scharfen Polemik fern, ohne daß sie auf die Entschiedenheit und Deutlichkeit verzichtete, welche die Gerechtigkeit der vertretenen Sache fordern muß. Der erste Theil gibt in gedrängter Kürze zugleich einen Ueberblick über den ganzen Streit, der den Leser über die z. %. höchst eigenartigen Vorgänge ausreichend orientirt. Ohne in allen einzelnen Punkten — namentlich im religionsgesetzlichen Theil der Abhandlung — mit dem Verfasser llbereinzustimmen, können wir seine Schrift als eine der ruhigsten und klarsten im Delitzsch-Streit empfehlen. B. Prof. D. 3. Ccttti, „Das Gesetz Hammurabi's . und die Thora Israels." Eine religions- und rechtsgeschichtliche Parallele. Leipzig, A. Deichert'sche Verlagsbucbhandlung Nachf. 1903. 88 S. 8°. Prof. Hubert Grimme, „Das Gesetz Chammurabisund Mos es." Eine Skizze. Köln. I. P. B a ch e m. 1903. 45 S. 8». Der Kodex des durch Delitzsch so schnell zu allerdings sehr spätem Ruhme gelangten Hammurabi ist noch nicht endgültig und unzweifelhaft entziffert und gedeutet; nichtsdestoweniger ist schon viel über sein Verhältniß zur Bibel gesprochen und geschrieben worden. Die Leser dieser Blätter sind über die Stellung des traditionellen Judenthums zu dieser Frage durch die Rosenthal'schen Aufsätze ziemlich orientirt. Wer von ihnen sich noch weiter über das Wesen des Hammurabi-Gesetzes aus Büchern, die seinen Inhalt sachlich gruppiren und beleuchten, belehren lassen will, der lese die Schriften der Professoren Oettli-Greifswald oder Grimm-Freiburg, die beide Vergleiche zwischen dem Gesetze Hammurabis und der Thora anstellen, aber zu fast diametral entgegengesetzten Resultaten gelangen. Grimm erkennt die Götilichkeii der Thora und damit ihre Unabhängigkeit von Hammurabi an, wahrend Oettli an der These babylonischen Einflusses auf das israelitische Gesetz festhält. Für uns sind die Darlegungen und Schlußfolgerungen beider Gelehrten nicht beweiskräftig, vielmehr von vornherein unannehmbar, da beide bei der Betrachtung und Beurteilung der Thora von kritischen Voraussetzungen ausgehen, die mit unserer Ueberlieferung in Widerspruch stehen. B. Klausner, M. 2l. „Lehr und Wehr." Jüdische Zeitfragen. Berlin. S. Cal Vary & Comp. 1903. In vier prächtigen Essays, die ebenso voll lebendiger Aktualität sind, weil sie aus den gegenwärtigen Zeitverhältnissen hervorgegangen und durch sie veranlaßt worden sind, wie sie sich andererseits ein dauerndes Interesse bewahren werden dank der vortrefflichen Gliederung des reichhaltigen feindurchdachten Stoffes, hat der Verfasser „Sprache und Nationalität", den „Zionismus", die „Babel- und Bibel-Frage" und Rathenau's „Impressionen" kritisch geprüft und beleuchtet. Klausner zählt als Publizist mit Recht zu den geistvollsten jüdischen Schriftstellern und hat durch die hier gesammelten, auch stilistisch hervorragenden Aufsätze den Beweis für die Richtigkeit dieser Werthschätzung auf's neue glänzend erbracht. Mit tiefdringendem kritischen Blick, mit einschneidender scharfer Logik, bald mit den spitzen Pfeilen der Satyre. bald mit dem bestechenden Gold echten Humors, fuhrt er den Kampf gegen die vielen Vorurtheile, die konventionellen Worte, Entstellungen und Mißverständnisse, mit denen unsere Feinde draußen bewußt, die denkfaulen Schwätzer und Nachbeter in unserer eigenen Mitte unbewußt unsere Glaubensgemeinschaft zu verunglimpfen und herabzuwürdigen bemüht sind. „Sprache und Nationalität" behandelt die von dem Rezensenten vor einiger Zeit in der wissenschaftlichen Beilage dieser Zeitung gestreifte Frage nach dem Sprachwerth und der Sprachgeschichte, nach Wesen und Bedeutung des Jüdisch-Deutschen, des sogenannten Jargons. Hier führt der Verfasser in wissenschaftlich wohlbegründeter. treffender und überzeugender Weise den Nachweis, daß wir den Jargon nicht etwa blos „als einen vollberechtigten deutschen Dialekt" anzusehen haben, sondern geradezu „als den verbreitetsten und zugleich interessantesten und ausgezeichnet- I ->V". gg wgwyp 0

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