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Der Israelit · 1903-09-03 · Heft 70 (3.9.1903) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 70 (3.9.1903)
Date
1903-09-03
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1565 x klage und die jüdische Moral; Nr. 15: Gottesglaube und Unsterblichkeit; Nr. 21: Das moderne S ch m a J.i s r o e l; Nr. 22: Der Frauen-Fortschritt; Nr. 23: Bibel und Babel; Nr. 24: Glauben und Wissen u. a. m. Der Redner verfügt über eine klare, eindringliche, edel geformte und an den besten Mustern gebildete Sprache, die frei von Schwulst und Phrasengeklingel ist; es sind Predigten, die sich nicht nur gut anhören, sondern auch gelesen zu werden verdienen. Man merkt, der Redner wollte nicht durch äußerliche Mittel vorübergehende Erfolge erringen, denn in seinen Reden ist Kraft und Mark, sie packen und ergreifen den Leser, wie sie zweifellos auf die Hörer ihres Eindruckes nicht verfehlten. Besonders anmuthend wirkt es, wie er Midraschstellen, haggadische Auslegungen in feinsinniger Weise verwerthet, indem er sie in ein zeitgeschichtliches Gewand kleidet und die weisen Lehrer der alten Zeit eine Sprache reden läßt, die ein modernes, gebildetes Publikum fesselt und anregt. Die Haggada ist ein Zeit- Produkt und die Berechtigung, sie im Geschmacke unserer Zeit zu verwerthen, wird Niemand beanstanden wollen. Die alte Derascha und die moderne Predigt gehen hier die gleichen Wege. Es ist Sache des Taktes, daß der Redner seinem Texte keine fremden Gedanken unterschiebe, die sich nie und nimmer mit den Ansichten des Autors decken, und diesen feinfühligen Takt besitzt der Verfasser in hohem Maße, so daß wir fast nie die Empfindung haben, hier wird nicht aussondern untergelegt. Nur auf S. 93 ist uns eine Stelle aufgestoßen. wo er das niseo c*bnri rw: gewissermaßen tendenziös auslegt und die daran geknüpfte Auseinandersekung ist gewiß nicht im Sinne des 'rrrr p pro' der den schönen Ausspruch n-rva vb L" D'ncn n6'W x'.ro na ntt'a imt. (Jalkut Hoschea 6,6) gethan. Heber die Meinung Jbn Esras zu 2. B. M. 23,16, die der Redner als der traditionellen Auslegung widersprechend bezeichnet, bin ich mit ihm ebenfalls nicht einverstanden. Ich möchte mich darüber deutlicher aussprcchen. wenn es auch mit der Kritik dieser Reden nur in losem Zusammenhänge steht. Jbn Esra bringt zuerst die Ansicht der mnn ncn die als Frucht -- "ua erklären und die Stelle so erklären, daß ste sich an den Anfang des Verses anschließt: „die frühesten Erstlinge deines Erdbodens sollst du in das Haus deines Gottes bringen und nicht länger die Frucht durch den Saft des Baumes reifen lassen." Worauf er mit Recht entgegnet, daß niemals -ni n:e sei. daß der Soft "ichi aan und der Baum nicht arr heißen kann. Er bringt dann eine andere Ansicht, nach der es beißen soll: du sollst das Junge nicht zu lange bei der Muttermilch zurückhalten oder weilen lassen, sondern gleich am achten Tage sollst du es dem Priester bringen: es wäre demnach eine Ergänzung des Gebotes 2. B. M.. 22.29 und ebenfalls nur auf das männliche Erstgeborene zu beziehen. Auch dieser Auffassung, die sich auch im 'jipirig. St. findet, widerspricht er, erstens aus dem sachlichen Grunde, daß nicht einzusehen ist, warum dieses Gebot hier wiederholt wird, nachdem es bereits oben deutlich ausgesprochen wurde, und dann auf Grund der sprachlichen Bemerkung, daß tea nicht „verzögern" heißen kann, und daß der vermeintliche Beweis aus Joel 4,13 unrichtig ist. Er kommt dann auf seine eigene Erklärung, die mit der traditionellen im Wesentlichen übereinstimmt, nur daß er den bekannten Satz ’j?na ainan aan. daß die Schrift an thatsächliche Verhältnisse anzuknüpfen pflegt, zum Verständniß des Gebotes heranzieht. Mit besonderer Wärme wird in diesen Reden auf die große Wichtigkeit der religiösen Jugenderziehung hingewiesen. Wie der Redner mit unverhohlener Begeisterung von der großen Vergangenheit des Judenthums spricht, so blickt er mit banger Sorge auf die Heranwachsende Jugend, die die Zukunft des Judenthums bildet. Ohne monoton zu werden, ist dieser Punkt, gleichsam das cstarum censeo seiner Predigten, bei dem er die wärmsten Herzenstöne Und die ergreifendsten Accorde anzuschlagen weiß. Wo gäbe es aber auch ein wichtigeres Thema für die Predigt der Jetztzeit?! " — p— Jüdische Wissenschaft. „Im Lande deS einstigen Paradieses." Ein Vortrag von Friedrich Delitzsch. Mit 46 Abbildungen und sieben Karten und Plänen. Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. 1903. Diesen Vortrag hat der durch die Controverse über „Babel und Bibel" so berühmt gewordene Assyriologe am 17. April 1903 in der Berliner Singakademie im Beisein des deutschen Kaiserpaares vor der Deutschen Orient-Gesellschaft gehalten. Er war ein halbes Jahr vorher von seiner babylonischen Reise zurückgekebrt. Eine bewegte Diskussion, wie diejenige über „Babel und Bibel", an der sich sogar der deutsche Kaiser persönlich betheiligte, wird dieser Vortrag nicht zur Folge haben, denn er streift die großen Ueberlieferungsprobleme der Menschheit und ihrer Religionen nur mittelbar, indem er die Entstehung und Entzifferung der Keilvorschriften in seinen Kreis zieht. Aber in hohem Maße interessant und spannend ist diese lebensvolle, mitunter humoristisch gefärbte 'Reiseschilderung des Gelehrten, der von seiner Fahrt so selbstbewußt die Fahne der „Wissenschaft des Spaten" vor der gelehrten und ungelehrten Welt aufgepflanzt hat. Selbstverständlich ist , es keine Reiseschilderung im gewöhnlichen Sinne;! überall kommen die großen Gesichtspunkte der Ge- I schichte, der Politik, der Kultur zu ihrer Geltung und wir - sind objektiv genug, den Verfasser von „Bibel und Babel" auch hier nur loben zu können. Und hübsche, guigewählte Illustrationen helfen der 1 j

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