Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1903)
- Date
- 1903-09-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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3549 Schule am 1. November 1902 eröffnet und im ersten Semester 20 Kindern in derselben der hebräische Unterricht erlheilt werden konnte. Schon im zweiten Semester hatte der Verein das Unternehmen vergrößert; es wurden zwei weitere Lehrer angestellt, die 36 armen Kindern den jüdischen Unterricht in einer Einthcilung von vier Klassen, angefangen vom Alef-Vet. dann die Bibel, die heiligen Schriften. Talmud etc., ertheilten. Am 9. August veranstaltete der Verein eine öffentliche Jahresprüfung, zu der viele Gäste eingeladen wurden. Diese gaben nach vorgcnommener Prüfung jedes einzelnen Schülers, ihrem Erstaunen und ihrer Freude darüber Ausdruck, daß sämmtliche Kinder in so vorzüglicher Weise ausgebildet worden. Vor Eröffnung der Prüfung hielt der Vereins- Präses, Herr Sigmund Korngut, an die Anwesenden eine zu Herzen gehende Begrüßungsrede, an die sich ein Appell um weitere Unterstützung dieses humanen Werkes schloß. Nachdem er noch für die dein Vereine bis zu diesem Zeitpunkte zu Theil gewordene Unterstützung herzlichst gedankt hatte, nahinen die Herren Schulinspektoren Abraham und Benzion Schorr, sowie der Vereinssekretär, Herr Hermann Schwarz, die Prüfung in Gegenwart des Herrn Oberrabbiners Zabel Moschkowicz aus Gliniany, der hier gegenwärtig aus Sommerfrische weilt, und des Herrn Stern aus Stryj, eine auf humanem Gebiete allbekannte Persönlichkeit, das Wort, um dem Vereine für seine ersprießliche Thätigkeit den Dank aller Menschenfreunde in bewegten Worten auszusprechen. Die Versammlung blieb noch lange beisammen, und da die Theilnehmer derselben erfuhren, wie schwer und mit welcher Mühe, ja fast ohne jedweden Fonds der Verein diese Schule erhält, veranstalten die Anwesenden unter sich, obwohl sie aus selbst zumeist armen Leuten bestanden, eine Sammlung, die den Betrag von über 70 Kronen ergab. Die Anmeldungen für das zweite Schuljahr, dir am selben Tage bereits begonnen haben, sind so stark, daß bis heute schon ca. 50 Kinder vorgemerkt sind, welchem Ansturm der Verein jedoch nicht Stand halten kann. da. wie bereits erwähnt, absolut keine Mittel für eine derartige Ausdehnung vorhanden sind. Diesein Hebel könnte nur dadurch abgeholfcn werden, daß edelfühlende Mcnscksen dieses humane Werk unterstützten wollen, um was lvir hiermit ergebenst ersuchen. Lcrnbcrg, 29. Aug. Wegen der Kischineivcr Vorfälle finden, einem Petersburger Bericht zufolge, anfangs Dezember zwei Prozesse statt. Der eine wird in Tiraspol, einer kleinen Stadt bei Kischincw, stattfinden. Die Vertreter der geschädigten Kaufleute haben die Negierung auf eine Entschädigung von fast drei Millionen Rubel geklagt, weil sie es an dem nvthwendigen Schutze fehlen ließ. Der Anklageakt umfaßt bei J000 Bogen. — Der eigentliche Strafprozeß findet in Kischinew selbst statt. Ungarn. Budapest, 1. Scpt. In Budakeß, einer kleinen Gemeinde in der Nähe der Hauptstadt, wo seit 800 Jahren keine Juden wohnen dürfen, wurde vor einigen Tagen die Gründung eines „Heiligen Vereins" beschlossen, dessen Aufgabe es sein wird, einen jüdischen Friedhof zu errichten, und beim Gemeinde-Richter zu erwirken, daß sich Juden nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter dort aufhalten und stabil niederlassen dürfen. Der Tetenyer Rabbiner. Herr Ungar, sowie der Vorsteher dieser Knltusgcmeinde, Herr Samuel Vreyer, wurden in das Exekutivkomitee entsendet. Die Statuten werden in einigen Tagen dem Minister des Innern unterbreitet. Joseph Spitzer. England. London, 29. Aug. Die angebliche Absicht des auswärtigen Amts, jüdische Auswanderer in Vritisch- Ostasrita längs der Uganda-Eisenbahn zwischen Nairobi und den Nau-Hügeln unter selbstständiger jüdischer Verwaltung anzusiedeln, wird in der Kolonie selbst nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Mombaso allgemein vernrtheilt. Nachdrückliche Proteste an das Auswärtige Amt sind bereits nach London unterwegs. Das erwähnte Gebiet ist das beste der ganzen Kolonie. Personalien. Frankfurt a. M., 2. Sept. Der rühmlichst bekannte und allseitig beliebte Philanthrop. Rechtsanwalt P l o t k e. ist leider schwer erkrankt. Die Wünsche für seine baldige Genesung sind allgemein. Flörsheim a. M. Einen schweren Verlust hat unsere Gemeinde zu beklagen. Am Mitwoch e~:2 v'' verschied unser allverehrter Lehrer Herr K a h n s. A. in gesegnetem Alter, nach kurzem Kranksein. Er hatte nach 34jahriger Wirlsamleit vor einem Jahre sein Amt niedergelegt, und hatte ihm die kleine Gemeinde — das sei zu ihrer Ehre gesagt — ein Ruhegehalt bewilligt. Mit Recht kann dem Heimgegangenen nachgerühmt nierden: vre:: nr.-n ras mvi die wahre Lehre war in seinem Munde "y s:wj »S n*?T. Unrecht nicht auf seinen Livven, in Frieden und Geradheit wandelte er und hielt viele vor Fehlern zurück. -.raen pa ’ncir '2 r.‘E2 rrora rjn Seinem priesterlichen Ahnen gleich hüteten seine Lippen Erkenntniß, und Thora hörte man gern aus. seinem Munde. Obgleich Autodidakt, verfügte er über ein großes Wissen, seine Schule zählte stets zu den besten; ja, von vielen Kollegen wurden seine