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Der Israelit · 1903-09-03 · Heft 70 (3.9.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 70 (3.9.1903)
Date
1903-09-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1548 ein jeder Kollege heutzutage darauf richten, daß das Fleischergewerbe wie ein Mann Front macht gegen die langsam aber sicher von Tag zu Tag größer werdende Tkeuerung der Schlachtthiere. Gerade dieser Umstand zeitigt eine Menschenquälerei schlimmster Art. Nicht voran kommt der Kollege mit geringerem Betriebe und weniger Kundschaft, sondern er muß langsam dahinsinken, geschäftlich absterben. Einige schwere Verluste bringen ihm im jedem Augenblicke eine derartige Fülle von Beängstigung, daß er keine Zeit hat, sich nach der angeblichen Beängstigung der Thiere beim Schächten resp. den Vorbereitungen dazu umzusehen. Doch auch dem geschäftlich besser gestellten Kollegen fehlt es nicht an großer Beängstigung und gleicher Beklemmung. Gerade in der Jetztzeit schwebt ihm manchmal die Frage vor: „Wirst du das mühsam Errungene auch aufrecht erhalten können?" Gerade die Ursachen dieser Theuerungen aufzusuchen und für Abhilfe Sorge zu tragen, das muß die Aufgabe eines jeden Kollegen sein. „Einigkeit" muß die Parole überall werden, und wer die Einigkeit durch Schlepperdienste für politische Drahtzieher zerstören will, kann nicht für Humanität streben, der macht aus derselben vielmehr eine Karrikatur. Zeitungsnachrichten unv Correspon-enzen. Deutschland. Berlin, 1. Sept. Hierselbst findet vor der Ersten Strafkammer des Landgericht I ein Anarchistenprozeß statt, in welchem der Redakteur der Zeitschrift „Neues Leben". G r u n w a l d, und der Eiseleur I m h o f - Mannheim, wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiien angeklagt sind. Grunwald wird außerdem Gotteslästerung sowie Beschimpfung der christlichen und jüdischen Religion zur Last gelegt. Frankfurt a. M., 1. Sept. Von dem bekannten Benedietus Levita ist in dem ersten Septemberheft der Zeitschrift das „Freie Wort"*) eine Arbeit: „Das Aemterbesetznngsrecht und die Juden" erschienen, in der er mit großem Scharfsinn den Nachweis zu erbringen sucht, daß die jetzige Gepflogenheit der deutschen Staaten, Juden von der Richter- und Offizierslaufbahn fcrnzuhalten, da sic nicht Gesetz ist, auch von der Verwaltung nicht auf dem Umwege der thatsächlichen Ucbung eingeführt werden darf. Levita schließt seinen sehr lesenswerthen Aufsatz mit den Worten: Und darin liegt die ungeheure grundsätzliche Bedeutung der Frage, hinter der vorläufig die Frage der Zweckmäßigkeit und selbst Gerechtigkeit des Verfahrens ') (Reiter Verlag. Franksurt a. M. zurücktritt: daß die Autorität des Gesetzes in Gefahr ist. Wie man auch zur politischen Frage stehe: für die Juden ist der Kampf augenblicklich ein Kampf um's Recht. Gibt es wirklich zwingende Gründe, ihnen den Zugang zum Staatsdienst zu verschränken, so kann dies nur geschehen im Wege der Verfassungsänderung. Wer den Muth hatte, die bisherige Verwaltungspraxis zu billigen, muß auch den Muth haben, für ein entsprechendes Gesetz zu stimmen. Frankfurt a. M., 2. Sept. Gestern Abend hat hier im Religionsschullokale am Hermesweg eine Versammlung von mehreren russischen, rumänischen und anderen Rabbinern der neu errichteten Misrachi- Gruppe, welche vom Zionistenkongreß zurückgekehrt, unter Anwesenheit von vielen hiesigen Gästen stattgefunden. An dieser Versammlung betheiligten sich auch Herr Jakob Posen von hier, der dem Zionistenkongresse in Basel als Gast beigewohnt hatte, sowie der Gründer des „Misrachi", Herr Rabbiner Jakob Reines aus Lida und Herr Rabbiner Nobel aus Leipzig, der direkt telegraphisch hierher berufen wurde. Nach einer längeren Debatte, an der sich auch der Vertreter der gegnerischen orthodoxen Partei, darunter Herr Loeb, betheiligte, wurde Herr Rabbiner Nobel mit der Ausarbeitung eines Programmes für das „Misrachi" betraut, welches sammt einem Aufrufe zum Beitritt, in Druck gelegt und verbreitet werden wird. Dem „Misrachi" sind bereits Herr Jakob Posen und Herr Dr. Heinemann beigetreten, und hat sich Herr Posen bereit erklärt, die Beitrittserklärungen entgegen zu nehmen. —r. Homburg v. d. .<>. Das vornehmste amerikanische Blatt „The R-'w-Pork Herold", das auch eine täglich in Paris erscheinende Ausgabe hat. bringt einen langen Artikel über unseren Badeort und erwähnt dabei auch voller Lob des jüdischen Hotel-Restaurants Brauns ch w e i g. Es schreibt, daß dieses Restaurant in keiner Beziehung den christlichen nachstehe und druckt sogar das Menu von Samstag Mittag ab. Es ist dies eine große Anerkennung für Herrn Braunschweig, der sich auf jede Weise bemüht, dem Geschmack seiner Kun den gerecht zu werden. und dessen Kaschrus sich als vollständig unanfechtbar erwiesen hat. O e st e r r e i ch. Wvgoda. 1. Sept. Der seit zehn Jahren hier bestehende Kranken - Unterstützungsverein „Agudas- Achim" (2'nrr - rras*,) der ein schönes Bethaus, sowie ein nach allen sanitären und religiösen Vorschriften eingerichtetes 'Dampfbad erbaut hat, hat es sich noch als weitere Aufgabe gestellt, eine religiös-jüdische Schule unter dem Namen „Talmud-Thora" zu errichten. Dieses Unternehmen ist dem Vereine trotz der lleinen Gemeinde von etwa 200 jüdischen Familien, nach Aufwand vieler Mühe, auch gelungen, so daß die

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