Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1903)
- Date
- 1903-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1543 Frankreich. Paris, 25. Aug. (Der Jude! zp?' ’fiteeitf immer de.r Sündenbock.) Einige gewiffenlose und leichtfertige Politiker wagen'es jetzt, die Humbertaffaire. die Waldeck-Rousseau noch vor einigen Jahren sehr treffend als Ja plus jrraime escroguerie du sMe“ bezeichnet hatte, zu einer neuen Hetze gegen das Judenthum zu benutzen! Wie? Ist denn nicht Frau Humbert eine Vollblutarierin? Fließt denn nicht in ihren Adern und in den Adern ' aller der Männer, die sie bei ihren Riesenschwindeleien mit Rath und That unterstützt haben, reinstes gallisches Blut? Weil aber ein Gläubiger der Frau Humbert. Herr Cattaui, Jude ist, finden diese Herren diese Gelegenheit gut genug, von jüdischer Korruption und jüdischem Wucher zu sprechen. Welch' eine scheußliche Bande bilden doch diese elenden Skribenten! Es ist vielleicht möglich — ich weiß es nicht! — daß Herr Cattaui zu einem etwas höheren Zinsfuß Geld geliehen hat. Ich behaupte aber, daß Herr Cattaui sich ein großes Verdienst dadurch erworben hatte, daß er der Erste war, der gegen die saubere Familie eine Klage wegen Betrugs und Urkundenfälschung eingercicht hatte. Sonst hätten diese Jndustrieritter ihre Ausbeutungen und ihre Schwindeleien ruhig fortsehen können. Pi. Dänemark. Kopenhagen, 31. Aug. Die bange Ahnung, die uns am Freitag erfüllte, ist zur traurigen Gewißheit geworden; unser allverehrter Rabbiner, Herr Dr. G o i t e i n, ist im Alter von nur 39 Jahren in ein besseres Jenseits hinübergegangen, tiefbetrauert von den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde, die alle eine gleich große Verehrung für ihn hegten. Diesem Manne kann man nachsagen, daß er sich während seines ganzen Lebens und besonders während seiner hiesigen leider so kurzen Wirksamkeit nur Freunde, aber leine Feinde erworben hatte. Mit Recht möaen sic ibn beweinen, denen es vergönnt war. in seiner Nähe stetig zu weilen, mit Recht aber auch die, die weit weg von seiner Stadt wohnend, sein segensreiches Wirken nicht geschaut; denn er. der wahrheitsuchende und wahrheitverbreitende Mann, er. der selbstlose, opferfreudige, der schlichte und bescheidene Mensch, der aottbegnadete, glänzende Redner, der auf allen Gebieten der indischen Wissenschaft bewanderte Rabbiner, Iveilt nichr mehr unter den Lebenden. Er gewann sich die Herzen seiner Freunde und Mitarbeiter durch eine nie versiegende Hilfsbereitschaft, durch seine Arbeitslust und _ seinen Fleiß. Er durfte sich einer steigenden Beliebtheit, sowohl von Seiten der Gemeinde, als auch von Seiten des damaligen Qberrabbiners Prof. Siw-msen rühmen. Sein besonderes Augenmerk richtete der Verstorbene auf die Ausbildung der Jugend. Durch privaten Unterricht sowohl, als auch durch solchen in den Religionsschulen suchte er die Frömmigkeit unter dem Heranwachsenden Geschlechte zu verbreiten. Zu demselben Zwecke richtete er auch wöchentliche Kurse für die reifere Jugend ein. Es hätte unserer Gemeinde zum größten Nutzen gereicht, würde Herr Dr. Goitein noch länger in deren Mitte geweilt haben. So aber zehrte eine tückische Krankheit an seiner Gesundheit, persönliche Enttäuschungen und eine nimmerrastende Thätigkcit gaben der Krankheit Stoff zum Entwickeln, und gegen seinen Willen sah er sich genöthigt. vor Kurzem auf einer Badereise Genesung zu suchen. Vergebens war jedoch all' sein Bemühen, die zerrütteten Körperkräfte wiederherzusiellen. Er fühlte seinen Zustand schlechter werden, und mit innigem Bedauern mußten seine Freunde sein kränkliches Aussehen wahrnehmen. Und so kam cs denn, daß er nach einer eben vorgenommenen Trauung einen Schlaganfall erlitt, von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Nach mehreren Tagen bewußtlosen Licgens auf dem Krankenbette verschied er. Sein Name jedoch wird in unvergänglichem Glanze weiter fortleben, und möge seine trauernde Wittwe, sowie seine alte Mutter — sein Vater starb vor ungefähr Jahresfrist in Nachod — einen kleinen Trost finden in unseren Thränen und der Theilnohme derer, die dem Verstorbenen nahe standen. — Auch der ehemalige Rabbiner in F a a b o r g, Herr Wallach, ist in diesen Tagen im Alter von 70 Jahren gestorben. Seine letzten Jahre lebte er bier in Kopenhagen bei seinem Sohne und seiner Schwiegertochter im glücklichen Familienkreise. Seine Leiche wird nach Faaborg überführt, woselbst Herr Professor Simonsen bei der Beerdigung amtiren wird. Ph. E. Italien. Nom, 1. Sept. Neue Dokumente zu dein Verhalten der Päpste gegen die Juden veröffentlicht aus dem vatikanischen Archiv- P. K. Eubel in der letzten ..Römischen Quartalschrift für christliche Alterthumslunde und für Kirchengeschichte": Clemens Vll. läßt am 10. Juli 1-381 mit Rücksicht auf den Grafen Amadeus von Savoven Strafgelder, welche dem Juden Psaac von Toledo in Petzalata von der apostolischen Kammer abaenommen worden waren, dem Juden Siuron von Nantuas in Castillione restituiren. da die konsiszirten Gelder diesem gehören sollen. Derselbe Papst befiehlt am 19. April 1387, daß wuchernde Juden in Arles. Avignon, Maguelone. Uzes und Nimes erhobene Wucherzinsen zuriickzahlen müssen, bei Vermeidung der Ausschließung vom Verkehr mit Christen. Der gleiche Avignon-Papst verbietet gleich vielen seiner Vorgänger, daß ein Jude unfreiwillig zum Empfang der Taufe angehaltcn werden dürfe. Vonifaz IX. nimmt am 5. August 1391 den in Rieti wohnenden Juden Manuel 3