Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1903)
- Date
- 1903-09-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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berufer des Kongresses die Absicht hätten, sich mit Reformen, die das religiöse Leben Israels stark tangiren, zu befassen. Diese Kreise haben auch von der Betheiligung am Kongresse entschieden abgerathen. Die Rabbiner von Galizien waren auch in auffallend geringer Anzahl vertreten. Gegen solche Mißverständnisse hatten 'sich die Leiter der Bewegung nicht vorgesehen. Run, von religiösen Reformen war auf diesem Kongresse keine Rede. Es müßte einer geflissentlich die Unwahrheit sagen wollen, wenn er mit solchen Unterstellungen käme. Viele Rabbiner bedauerten es auch lebhaft, daß sie durch unnützer Weise hervorgerufene Mißverständnisse verhindert waren, an einer Versammlung von Rabbinen theilzunehmen, wo sämmtliche Mitglieder, von edelstem Eifer beseelt, die Hebung des Thoraglanzes, die wahrhafte Wiederbelebung des religiösen Lebens, tri:«» sich zur Aufgabe gestellt haben. Die Eidesleistung in der Synagoge, die feierliche Verwahrung gegen die Vlutlüge, war allerdings der vornehmste Akt des Kongresses und übte allenthalben eine mächtige Wirkung aus. Ursprünglich wollte man von der Förmlichkeit eines wirklichen Eides absehen und blos mit einer energischen Protestkundgebung auftreten. Hervorragende russische Rabbiner sandten aber eine dringende Botschaft an die Versammlung und forderten kategorisch eine feierliche Eidesleistung vor der größten Dessen t l i ch k e i t. Auch der greise, hochwürdigc Chacham Pascha bestand auf energischer Protestation nur in Verbindung mit einem Thoraeide. Was die meritorische Wirksamkeit des Kongresses betrifft, kann sich dieselbe freilich nicht in Erfolgen kundgeben, die in kurzer Zeit zur äußeren Erscheinung kommen. Es ist aber unter göttlicher Hilfe Manches angeregt, viel Heilsames besprochen und Manches beschlossen worden, was, wie wir hoffen dürfen, in Kreisen, wo Väterglauben und Väterbrauch noch nicht überwundene Standpunkte sind, Beachtung und Beherzigung finden wird. Vielfach vermerkt wurde auch die passive Haltung der ungarischen und deutschen Rabbiner. Das bat aber seinen Grund in den eigenen heimathlichen jüdischen Verhältnissen. Deutschland z. V. hat schon seinen „Allgemienen deutschen Rabbinerverband," der die konservativen Verufsgenossen in zwei Laaer theilte. Jeder Kenner der dortigen Verhältnisse wird sich selbst darüber ein Urtheil bilden, warum die richtunggebenden Persönlichkeiten aus dem Westen nicht erschienen waren. Ihre Sympathien für den Kongreß haben doch mehrere angesehene Rabbiner in warmen Zuschriften kundgegeben. Was Ungarn betrifft, so ist es charakteristisch, was mir einer unserer hervorragendsten rabvinischen Capacitäten auf die Frage, ob er zum Kongresse fahren werde, geantwortet hat: „Sie kennen unsere Verhältnisse, wir müssen eine abwartende Stellung einnehmen." Indessen waren recht zahlreiche Zustimmungsbriefe der angesehensten Gelehrten eingelaufen und mehrere achtbare Rabbiner haben sich persönlich eingefunden. Die Anzahl der Theilnehmer am Kongresse war übrigens auch keine so geringe, wie von mancher Seite mit Unrecht behauptet wurde. Einundsünfzig Rabbiner waren in der offiziellen Liste mit Namen eingetragen. Im Laufe der Woche sind aber mehrere Rabbiner hinzugekommen, deren Namen gar nicht verzeichnet wurden. Einige Mitglieder waren auch in Vertretung zahlreicher Amtsgenossen aus dem Heimathslande erschienen und präsentirten legale Beglaubigungsbriefe. Mit diesen Mandanten zusammen kann die Zahl der Kongreßmitglieder wohl auf hundertachtzig Rabbiner geschätzt werden. Und wenn man in Erwägung zieht, daß vor Eröffnung des Kongresses und im Verlaufe desselben nahezu fünfhundert Zustimmungsbriefe und Telegramme eingelaufen sind, so verdient diese ansehnliche Versammlung mit vollem Rechte das Creditiv und den Ehrennamen eines „Welt-Rabbiner- . Kongresses". „Was den „Allgemeinen Rabbinerverband" betrifft, so dürfte derselbe in absehbarer Zeit wohl schwerlich zu Stande kommen. Aber einen organisirten, alljährlich stattfindenden Kongreß glaubenstreuer Rabbiner wünschen selbst die Gegner eines allgemeinen Rabbinerverbandes. Sicherem Vernehmen nach soll in Rußland schon demnächst eine zweite große Rabbinerversammlung stattfinden. Aber auch sonst wird der aufbauende, wahrhaft religiöse Geist, der auf dem „Ersten allgemeinen Rabbiner-Kongreß" geherrscht, in alle Lande getragen werden und er kann nicht früher aus dem Gedächtniß der glaubenstreuen Juden schwinden, als bis ihn in Wort und That der Zweite überholt Hai. (Fortsetzung folgt.) ZettimgsttachrichLerr urw CorrcspsAven^ii. Deutschland. Mainz, 1. Sept. In Nr. 36 unseres Blattes befand sich eine Einsendung unter der Spitzmarke: „Aus Süddeutschland". Wir werden gebeten, mitzuthcilen. daß der Artikel sich nicht auf die Gasthausbesitzerin Frau Emilie Fröhlich in Aufhausen. Amtsgerichisbezirk Neresheim, bezieht. Berlin, 1. Sept. (Christliche Aerzte in öffentlichen Anstalten.) Der Leiter der von der Landesversicherungsanstalt der Provinz Brandenburg errichteten Lungenheilstätte in Kalkwitz bei Kottbus, Dr. Landelier, hatte in medizinischen Fach-