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Der Israelit · 1903-08-31 · Heft 69 (31.8.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 69 (31.8.1903)
Date
1903-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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15.27 Zwei Jahre zu bewilligen. Die „provisorische" Plünderung der Karoblagelder. die schon seit 18 Jahren dauert, wird wohl erst mit der Aufhebung der gleichfalls „provisorischen" Maigesche ihr Ende nehmen. Es ist übrigens allgemein bekannt, das; ein grosser Thcil der .UieiDer Polizei zur Ausführung von zahllosen Judenrazzias verwendet wird. — (Langes Leben.) Vor wenigen Wochen verstarb in der Kiewer Vorstadt Nikolsli der Jude Rachuin Falkowitsch, der im Jahre 1772 in Minsk geboren würde. Der Greis, welcher demnach das hohe Alter von 181. Jahren erreicht hat. hat bis zu seinem 110. Lebensjahre auf gepachtetem Boden Landwirthschaft betrieben. Seit 20 Jahren war er jedoch nicht mehr arbeitsfähig und lebte in Kiew von Unterstützungen. Dennoch war er bis zum letzten Lebensjahre rüstig und tvohlauf. besas; ein gutes Auge und ein scharfes Gedächtnis;. Auch die Beine versagten den Dienst nicht, so das; Finlelowitsch säst täglich den langen Weg nach der Stadt zurückzulegen pflegte. Kischinew. Das Schicksal der jüdischen Kolonie Waljalniwold im Kreise Bjelzy (Gouvernement Bessarabicn) beweist, wie oft von der Laune eines einzigen elenden und untergeordneten antisemitischen Beamten das Wobl und Wehe von Hunderten von jüdischen Familien abhängt. In benannter Kolonie wohnen seit einem halben Jahrhundert über 30 jüdische Familien, die im Schweifte ihres Angesichts ihr kärgliches Brno uls Ackerbauer zu verdienen suchen. Plötzlich brach über diese friedliche Kolonie das Unglück in Gestalt eines neuen Jsproivnik (Landrath) herein. Dem neuen Herrn paftte es augenscheinlich nicht, das; in seinem Reiche sich Juden mit der Landwirthschast beschäftigen und so reichte er beirn Gouverneur einen jener in Rußland so sehr gefürchteten amtlichen Berichte ein, wonach die jüdischen Kolonisten alles Andere als Ackerbau trieben und daß die Kolonie in Folge dessen beseitigt werden,müftte. Vergebens bestritten die Kolonisten die falsche Beschuldigung des elenden Tschiuownik auf's Entschiedenste, vergebens baten sie auch um die Entsendung eines Speziallommissior., damit sich diese von ihrem Fleifte und ihrer Tüchtigkeit als Bauern überzeugen mochte. Es hals nichts. Gegen den offiziellen Bericht eines russischen Tschiuownik ist kein Kraut geivachlen. Die jüdische Kolonie wurde aufgehoben und im Jahre 1880 aus dem Register der Bauern gestrichen. Da passirte es eines Tages, das; der dainalige Gonvernur von Bessarabien, Konstantinoivitz, auf einer Inspektionsreise auch das Gebiet von Waljalniwold berührte und sich mit eigenen Augen überzeugen konnte, dass der Bericht des Jsproivnik falsch ivar und die Juden eigenhändig und fleiftig ihre Felder bearbeiten. Leider war durch diese Feststellung allein für die jüdischen Bauern ^noch tvenig gewonnen, da eine einmal getroffene Bestimmung eines Gouverneurs nur durch eine Senatsentscheidung wieder rückgängig gemacht werden kann. Es dauerte noch zwei loeitere Jahre, bis die armen Kolonisten nach 14jährigen Leiden durch eine Scnalsentscheidung vom Juni 1903 wieder in ihre Rechte eingesetzt wurden. ..' - MltlhkllnWN M im W. Armmreilles und |iir dlesklde«. (LLmmtNche tttd. Wanberbettelvereine tmp tfitncn für Durchreisende sind gebeten, unö Dttttheilungen über Erfahrungen die sie auf dem Gebiete ihrer TyLtigkeit machen, rukommen »N lassen.) Goinbin (Ruff.-Polen), iin Aug. Mein Schwiegersohn, Mose S e g o l o iv i tz aus Neuhof bei Warschau, ist vor drei Jahren nach Deutschland, ohne davon seiner Familie Mittheilung zu machen. Ich vermuthe, das; er nach Berlin als Kantor und Schochet gegangen ist. Er ist 28 Jahre alt, hager und hat ein schwarz bewachsenes Bärtchen. Er lies; seine bedauernswcrthe Frau und Kinder in der grössten Armnth und Roth zurück. Auskunft über seinen Aufenthalt erbittet L. M o t e l i n s k i, Kantor und Schochet, Gombin (Russ.-Polen) bei Warschau. vermischtes. Frankfurt a. M. Der berühmte Hisloriker Halevy befindet sich eben zur Kur in Kissingcn und wird noch eine Nachkur in Homburg gebrauchen. — Am 2. Celichothtage feiert Herr Rabbiner Dr. Horowitz sein 25>:jähngcS Jubiläum als Rabbiner in 'Frankfurt a. M. Das Festessen wird durch die bekannte Restauration Br au «schweig in Homburg für dreihundert Personen vorbereitet. Feuilleton. Murnckgefmiden. ^ToivUV von Babette Fried, Prag. ' 14 ' Hoch aufgcrichtet stand er' da, die Hand befehlend aue-gestreckt. Dem gebeugten, zerknirschten Sohne schien es nicht anders, als wäre es ein Patriarch, der da so eindringlich zu ihm sprach, und doch vermochte es dieser würdige Mann nicht, den Sinn seines Sohnes zu beugen. „Ich kann nicht!" sprach dieser, an; ganzen Körper bebend.

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