Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1903)
- Date
- 1903-08-27
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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1522 indem er hauptsächlich betonte, daß er nichts ohne die Zustimmung des Aktionskomitees gethan habe. Zwischen die erregten Erörterungen über den Geschäftsbericht fiel am Montag Vormittag ein Vortrag von Dr. Max Vorbau, Paris, über die politische Haltung des Zionismus. Auch dieser Redner wurde wie Herz! mit stürmischem Jubel begrüßt. Rede Dr. Nordaus. Geehrte Versammlung, verzeihen Sie, daß ich Sie zunächst mit einigen persönlichen Bemerkungen behellige. Mein Name ist irrthümlich auf die Kongreß- Tagesordnung gesetzt worden. Ich bin mit der festen Absicht nach Basel gekommen, hier das Wort nur zu verlangen, wenn ich dies in Folge des Ganges der Erörterung als meine unabweisliche Pflicht eines Vertreters mehrerer Wählergruppen empfinden würde. Ohne solche sachliche Nöthigung wollte ich auf meinem Platze eines achtungsvollen Zuhörers, Schweigers und Mitstimmers in Reih und Glied verharren. Wohlwollende Kritiker haben in den letzten Jahren liebenswürdig unterstellt, daß ich mir einbilde, ich sei so etwas wie der Tenor des Kongresses, dessen Rolle es sei, zu kommen, eine Heldenarie zu singen, Applaus einzuheimsen und mit Bücklingen nach allen Seiten abzutreten. Ich war entschlossen, auch den Anschein zu vermeiden, als wäre etwas an dieser von so augenscheinlicher Gerechtigkeit und Nächstenliebe eingegebenen Darstellung meiner Kongreß-Thätigkeit. Ich bin mir zwar bewußt, hier niemals eitle Schönrednerei getrieben zu haben, gebe indeß zu, daß schildernde Betrachtung der Vergangenheit und Gegenwart des jüdischen Volkes dem rein akademisch scheinen mochte, der nicht begriff, daß wir unsere Argonautenfahrt mit der Aufnahme des Mittagspunktes beginnen mußten. Diese unerläßliche Arbeit des Schiffers ist nun gethan. Jetzt haben wir uns mit dem Kurs zu beschäftigen. Weniger als je darf dieser Kongreß eine Akademie sein. Bloße Rhetorik, die Kunst für die Kunst, hat hier keine Stätte. Hier sollten nur nüchterne, kühl verständige Geschäftsreden gehalten werden. Zu einer solchen habe ich. mir eben das Wort erbeten. Unser Präsident hat uns gestern zwei Thatsachen mitgetheilt, die über den vor uns liegenden Weg bisher ungekannte Helligkeiten verbreiten. Er hat uns eröffnet, daß die britische Negierung bereit ist, dem jüdischen Volke eine Landkonzession zu gewähren, nicht unter den Formen, in denen derartige Konzessionen gewöhnlich ertheilt werden, nicht zum Zwecke finanzieller Spekulation und geschäftlicher Ausbeutung, sondern mit ausdrücklicher Betonung des Wunsches der britischen Regierung, dem jüdischen Volke Sympathie zu bezeugen und ihm bei seinen Bemühungen zu gründlicher Selbsthilfe beizustehen. Der Vorsitzende hat uns ferner mitgetheilt, daß die russische Regierung ihm amtlich bedeutet habe, daß Rußland geneigt sei, unsere Bemühungen zur jüdischen Besiedelung Palästinas zu fördern. Das ist nun die diplomatische Lage, vor der die zionistische Bewegung steht. Vier Mächte, mit die größten, die sich in die Herrschaft über den Erdball theilen, haben, wenn nicht für das jüdische Volk, doch für den Zionismus freundliche Gesinnungen geäußert. S. M. der deutsche Kaiser hat unserer Bewegung bei ihrem Ursprung sein Wohlwollen ausgedrückt. Die Britische Negierung ist bereit, ihre Sympathie in Begleitung von köstlichen Imponderabilien in einer sehr greifbaren und praktischen Form, in Form einer Landverleihung zu bethätigen. Die Russische Regierung hat ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen, unsere Pläne, soweit sie die jüdische Besiedelung Palästinas betreffen, zu fördern. Die Vereinigten Staaten von Nord- Amerika haben in der letzten Zeit zwei diplomatische Schritte gethan. welche die Hoffnung rechtfertigen, daß wir uns in einem gegebenen Augenblicke nicht vergebens an ihre Sympathien wenden würden. (Rauschender Applaus.) Der vierte Punkt des Basler Programms, an dessen granitener Fügung die Nörgler und Nager sich die Zähne ausbrechen werden (tosender Beifall), spricht in seinem nothwendigen und gewollten Lakonismus, der kein breitspuriges Eingehen auf Einzelheiten und keine Entwickelung der darin elliptisch ausgedrückten Gedanken gestattet, von „Schritten zur Erlangung der Regierungs-Zustimmungen, die nöthig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen." Dieser vierte Absatz hat von jeher das Glück gehabt, von den Widersachern des Zionismus als besonders spitzer Dorn im Auge empfunden zu werden. An diesem vierten Absätze hat sich der Witz unserer Widersacher immer am meisten geübt. „Diese Regierungs-Zustimmungen" wurde uns immer spöttisch wiederholt, „werdet Ihr nie und nimmer erlangen. Der Sultan will und kann Euch Palästina niemals öffnen, denn selbst wenn er dazu geneigt wäre — was ja nie sein wird — würde er auf den Widerspruch Rußlands stoßen, und Euren schönen Augen zu Liebe wird der Sultan sich wohl niemals mit seinem mächtigsten Nachbar Überwerfen. Rußland aber wird nie und nimmer zugeben, daß der Boden, über den der Fuß des Stifters der christlichen Kirchen hingeschriiten ist, jemals jüdisch werde . . .." Unsere Kritiker haben wieder einmal die Richtigkeit und Weisheit der englischen Redensart erprobt, daß man nicht prophezeihen solle, es wäre denn, man wüßte es! (Beifall.) Rußland, in dem wir das unüberwindliche Hindernitz auf unserem Wege erkennen und fürchten sollten. Rußland erklärt uns freundlich, daß es gar nichts gegen die Besitznahme palästinensischen Bodens durch Juden einzuwenden habe. (Beifall.)