Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-08-27 · Heft 68 (27.8.1903) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 68 (27.8.1903)
Date
1903-08-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449954--58929-2523370
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wörtlich: py ,nxun *>a*n py nnrr -ry Dp' iA nirceA xn cp bcx cp u’xi xn «n#i ScVi. Aber selbst angenommen — aber durchaus nicht zugegeben — daß die famose eidesstattliche Versicherung auf Wahrheit beruhe, so darf der betreffende Kohen diesethalben doch nicht vom „Ducha n" verdrängt werden. Auch war dort noch ein anderer Kohen, und auch dieser verließ wegen der Demonstration den Tempel. Auch war Herr Adler zn jener Zeit kein funktionirender Mitvorsteher. Er war Vorstandsmitglied und durfte beim grünen Tisch mitberathen und beschließen. Im Tempel selbst pflegt nur der Kultusvorsteher oder dessen Stellvertreter und Gäbet Anordnungen zu treffen. Herr Adler war keines von Beiden. Seine Einmischung war daher ebenso unberufen, wie gesetzwidrig. Das alles ist der Aufmerksamkeit des Herrn Wreschner entgangen oder er hat aus Unkenntniß der religionsgesetzlichen Tragweite dieses Gegenstandes, die Sache nicht richtig beurtheilt. .Nach alldem wird aber wohl Herr Wreschner selbst darauf verzichten, daß seine persönliche Gutstehung für' die orthodoxe Küchenführung des Herrn Adler als ernster Beweis betrachtet werde. Weil er aber so ganz unvermittelt auch Herrn Spiegl — dessen rituellen Werth oder Unwerth ich ja garnicht berührte — apostrophirte, wäre meine Meinung, daß wir die rituelle Verläßlichkeit eines Speisehauses in einem Weltkurorte nicht auf den orthodoxen Nimbus eines Schwiegervaters stützen sollen. Es handelt sich auch nicht um das allein, ob das Fleisch in der Küche korrekt ausgesalzen wird, sondern zu allerer st^ ob das Fleisch, Fett ete. ausschließlich von gesetzestreuer Schechita stammen. Und wenn Herr Adler oder Herr Wreschner nicht eidesstattlich — religiöse Juden bieten keine Eide an — sondern ehrenwörtlich erklären, daß der „eidesstattlich e" Schachet, nicht in Maschgiachdiensten der Budapester Reformgemeinde auch in diesem Jahre gestanden und daß in dieses Speisehaus auch nur diesen Sommer keineFleischsendungen von der nichts weniger als orthodoxen Schechita in der kleinen Reformgemeinde Schüttenhofen, hineinkamen, dann werde icki öffentlich Abbitte leisten und zugeben, daß das „Hotel Adler" das „einzig streng rituelle" Restaurant in Franzensbad ist. Wenn aber nicht, wird jeder wahrheitsliebende Jehudi von selbst die Wahrheit des Schristwortes erkennen: „Es irrt, der helfen wollte, und es fällt der Hilfesuchende." Lasten wir die Preßprozesse und die lächerlichen Drohungen mit denselben. Streuen wir nicht Sand in die Augen des ohnehin allzu vertrauensseligen Publikums. Ersor,ch-u wir die Wahrheit auf jüdischem Wege und lassen wir die religionsgesetzlichen Bestimmungen über nny ."wn und jcxj in ihre Rechte kommen. (Wir haben zu diesen Ausführungen blos soviel hinzuzufügen, daß unsere Nachbemerkung zur Mittheilung des Herrn Wreschner weder eine Stellungnahme für Herrn Adler, noch aber irgendwelchen Angriff gegen Herrn Spiegl bedeutete. Wir sind nicht in der Lage, die angeführten Uebelstände unmittelbar aus ihre Wahrheit zu prüfen und werden eventuelle Einwendungen, insofern diese sachlich gehalten sein werden, nur mit der gegnerischen ebenfalls sachlichen Meinungsäußerung veröffentlichen. Red. d. „Jsr.") Feuilleton. <5*23 Moverre von Babette Fried, .Prag. Doktor Dansky war als Jude geboren. In einem Dorfe, in welchem seine Familie die einzige jüdische war, und von dem Erträgnisse einer kleinen Krema') lebten, war er unter den christlichen Kindern ausgewachsen, hatte mit ihnen die Volksschule besucht und nur von seinem Vater, der in seiner Jugend einmal Bachur-) gewesen, den nothwendigen Religionsunterricht genossen. Sonst war er ganz auf den Verkehr mit seinen Altersgenossen, mit denen er die Schule besuchte, angewiesen. Nicht nur durch Kleidung und Physiognomie unterschied er sich auffallend von diesen, sondern auch durch einen höheren Grad von Intelligenz, durch einen Lerneifer und eine Ausdauer, welche den Dorskindern gänzlich abging. Bei einer Jnsvizirung der Schule war der katholische Seelsorger des Ortes auf den kleinen Judenknaben aufmerksam geworden und fragte ihn scherzend, was er werden wollte. „Ein Doktor," antwortete keck der Knabe. „Ei, da willst Du ja hoch hinaus. Junget Was für ein Doktor willst Du denn werden?" „Ein solcher, was den Leuten die Finger abschneidet," war die Antwort. Einen anderen Ausdruck und einen anderen Begriff hatte Josef Dan von einem Mediziner nicht. „Also ein Mediziner willst Du werden? Ist so übel nicht," meinte gut gelaunt der freundliche Herr, „aber dazu muß man Latein kennen. Kannst Du es. Bub?" „Ich werde es lernen." „Eine gescheite Antwort das, aber wo willst Du es lernen?" 1) Wirthshaus.7— 2) Talmudbeslissener. hier Hauslehrer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.