Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1903)
- Date
- 1903-08-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1500 WandSöek, 20. Aug. Ein seltenes Fest war es. das in dieser Woche in unserer Gemeinde begangen wurde, — das 100jährige Stiftungsfest des Kabbronimvereins. Daß ein Verein, der solch' heiligen Zwecken dient, diesen Tag nicht vorübergehen lassen wollte, ohne ein besonderes „gutes Werk" geübt zu haben, liegt klar. Und so ließ denn die Chevra eine neue Sefer-Thora schreiben, die als bleibende Erinnerung gelten sollte. Am Dienstag Nachmittag versammelten sich die Mitglieder der Vereinigung, um den Schluß des Sefers fertigzustellen. Herr Buchhändler Goldschmidt, der bewährte Sofer, war selbst anwesend, und so wurde in feierlicher Weise diese Mizwah erfüllt. Die Frauen der Gemeinde hatten ein Mäntelchen gestiftet, das Frau B e i t h unter entsprechender Anrede überreichte. Gleichzeitig überbrachte sie auch eine Schulchandecke. Der Vorsitzende des Vereins, Herr A Frank, dankte im Namen des Vereins, dabei den Wunsch aussprechend. daß stets in unserer Gemeinde auch die Frauen bereit sein mögen, die heilige Mizwah, wie sie der Verein stets ausführt, zu erfüllen. Danach erfolgte unter entsprechenden Worten die Uebergabe des Sefers an die Gemeinde zur Benutzung, derSynagogenvorsteher de Haas übernahm dieselbe. Inzwischen hatte sich die Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt, auch viele Hamburger waren anwesend, um Zeuge der herrlichen Feier zu sein. Von einer offiziellen Einladung hatte das Festkomitee Abstand genommen. Nachdem der Herr Rabbiner mit dem Vorstande des Vereins erschienen war, intonirte ein Synagogenchor Ma towu. Unter dem Absingen des Wajhi binsoa wurden alle Seforim aus dem Aroun hakoudesch genommen und dem neuen Sefer entgegengeführt. Aus dem Almemor begrüßte Herr Rabbiner Bamberger das neue Sefer mit einer Ansprache, die Thränen der Rührung bei manchen erzeugten. Indem er dem Sefer die verschiedenen Schmuckgegenstände umhing, knüpfte der beliebte Seelsorger der Gemeinde einige treffliche Ermahnungen an die Anwesenden und weihte damit das neue Sefer ein. Nach dem Umzuge, wie am Simchas Thora und dem Einheben der Thorarollen, hielt der Herr Rabbiner die eigentliche Festpredigt, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Dieser erreichte seinen Höhepunkt, als der Herr Rabbiner vor geöffneter Vundeslade „Maskir" war. Selbst viele Nichtjuden, die der Feier beiwohnten, konnten sich die Thränen nicht zurückhalten. Nachdem ein auf die ernste Weihe des Tages bezugnehmender Gesang beendet, fuhr der Herr Rabbiner in seiner Festpredigt fort. Wir versagen uns, dieselbe im Auszug mitzutheilen, da. wie wir hören, es der allseitige Wunsch war. dieselbe im Druck erscheinen zu lassen. Ein Chorgesang beschloß die Feier, die allen Theilnehmern stets im Gedächtniß bleiben wird. Am Mittwoch unternahmen die Dereinsmitglieder mit ihren Frauen eine Ausfahrt nach Travemünde, die. begünstigt vom schönsten Wetter, aufs Herrlichste verlief. Bei dem dort im Hotel Goldschmidt stattgefundenen Festmahl hielt der Vorsitzende, Herr I. F r a n k. die Begrüßungsrede, nach ihm sprach Herr Rabbiner Bamberger einige treffliche Worte und schloß mit einem Hoch auf den Kabbronimverein. So wechselten Tafellieder, Gesänge und Reden mit einander ab. Nach Versteigerung des Venschens und dem Vollzug desselben durch den Herrn Rabbiner unternahm man einige Spaziergänge, um Abends nach eingenommenen, Abendbrod die Rückfahrt anzutreten. Mögen die beiden herrlichen Tage ein ewiges Denkmal in der Geschichte des Kabbronimvereins bilden, auf daß die Mitglieder stets bereit sind, in gleich selbstloser Weise dem Verein ihre Dienste zu widmen, bis — wie es in einem von Herrn S. Goldschmidt -Hamburg gewidmeten Tafellied so herrlich heißt: „Bis einst der Tag erstand — Wo froh ihr aus der Hand — den Spaten stellt, dieweil die Todten auferstehen. —i— Gerolzhofen, 24. Aug. Vorigen Donnerstag Jom Kippur Katan, am Erew Rosch-Chodesch Elul, wurden hier von der Chebra Kadischa, welche gerade vollzählig versammelt war. die irdischen Ueberreste des Herrn S i m o n H i r s ch von Traustadt, der ein Alter von 87 Jahren erreicht hatte, zu Grabe getragen. Der Verlebte hatte seine letzten Ruhetage bei feinem Sohne, Herrn Lehrer Hirsch in Zeilitzheim, beschlossen. Obwohl seines Standes Kaufmann, bekleidete er doch ein Menschenalter hindurch das wichtige Amt der Schechita mit größter Gewissenhaftigkeit und rrxa fungirte er auch als Bal Tokea. Mit ihm ist ein seltener Schatz werthvoller Erfahrung begraben, eine Fülle lichtvoller Klugheit, ein Leben voll köstlichen Humors, verbunden mit eisernem Fleiße und Entsagung, die er sich selbst auflegte, so daß wir wie letzthin in unserem Wochenabschnitte sagen: n'»se ivre px Sein Erdreich, wo er sich sanft zur Ruhe gebettet, birgt Edelsteine des eisernen Fleißes, des eisernen Willens und der eisernen Thatkrast, »snn rvnnw rtww und aus seinem Grabeshügel leuchtet " funkelnde Metall des Verstandes und der Einsicht hervor! Unsere Weisen sagen: Lese nicht „Steine", sondern .tä ihre „Erbauer": das sind die Guten und Frommen, die den sittlichen Aufbau der Welt fördern ‘tcd m rr*mr und die sich gegenseitig schärfen, anfeuern und begeistern in allem Guten und Edelen. Am Grabe dankte des Verstorbenen Sohn. Herr Lehrer Hirsch, im Namen der Familie und nahm den letzten Abschied von seinem theuren Todten, während Herr Lehrer Kissinger. Frankenwinheim, schon im Sterbehause des Verblichenen ehrend gedachte. .1212b p'-oe L. G. Bnrgpreppach, 20. Aug. Mit heutigem Tage ging an hiesiger Talmud-Thoraschule (israel. Praparandenschule) die mit hoher Regierungsentschließung 3