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Der Israelit · 1903-08-27 · Heft 68 (27.8.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 68 (27.8.1903)
Date
1903-08-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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149g ' ..-' r:"'::w die Vorsteherämter zu Kassel und Marburg hatten!hr . Interesse an den Bestrebungen der Hess. jüd. Lehrerschaft dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie, wie bisher, so auch diesmal, ihre Vertreter zu den Verhandlungen entsandten. Als Vertreter des Vorstehrramtes zu Kassel waren die Herren Landrabbiner Dr. Prager und Bankier Blumenthal, als Vertreter des Vorsteheramtes zu Marburg Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk erschienen. Ferner waren als Gaste anwesend: Herr Gemeindeältester Karl Plaut-Kassel und Herr Lehrer Brede-Kassel als Vertreter des Hessischen Völksschullehrervereins. Um 10 Uhr morgens wurde die Versammlung durch einen Eröffnungschoral eingeleitet, worauf der Vorsitzende, Herr A m r a m - Borken, die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßte. Er ermahnte zu treuem Festhalten am Vereinswesen, da es gelte, mühsam Errungenes zu erhalten, sowie Nothwendiges und Wünschenswerthes auch weiterhin anzustreben. Hierauf entboten die Herren Dr. Prager, Dr. Munk und Plaut- Cassel der Versammlung ihre Grüße und wünschten gedeihlichen Erfolg der Verhandlungen. Bei der nun folgenden Konstituirung des Bureaus wurden Oppenheim-Treysa zum stellvertretenden Vorsitzenden und die Unterzeichneten zu Schriftführern ernannt. In dem zur Verlesung kommenden Jahresberichte gab der Vorsitzende dem Gefühle der Erbitterung in der'jüdischen Lehrerschaft Hessens über das bei der Besetzung der Lehrerstellen geübte Verfahren Ausdruck. Es müsse im höchsten Grade verstimmend wirken, wenn, wie das so oft geschieht, junge Bewerber, die nicht einmal im diesseitigen Regierungsbezirke im Volksschuldienste gestanden, älteren, im Amte bewährten Lehrern des Bezirks vorgezogen werden. Der Ausschuß habe sich deßhalb veranlaßt gesehen, in einer Eingabe an die König!. Regierung auf diese betrübende Thatsache hinzuweisen. Die Bemühungen des Ausschusses um Herbeiführung einer Besoldung des Vorbeterdienstes hatten leider nicht den erwünschten Erfolg, indem sowohl der Herr Kultusminister, als auch der Landtag ablehnenden Bescheid ertheilten. Ein günstigerer Erfolg scheint in der Angelegenheit des Einjährig-Freiwill. Dienstes in Aussicht zu stehen, da die bezügliche Petition vom Reichstage dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen worden ist. Anläßlich des 70. Geburtstages des verdienten Vorsitzenden der Achawah, Herrn Konsul Adolf Bär-Goldschmidt, Frankfurt a. M., hatte der Ausschuß ein Glückwunschschreiben übersandt, das der Herr Jubilar mit einem warmempfundenen Dankschreiben erwiderte. Den aus dem Leben geschiedenen Kollegen Katzenstein-Langendiebach, Goldschmidt-Frankenberg, Rothschild-Ziegenhain und Engelbert-Eschwege, wie auch dem unvergeßlichen Freunde der jüdischen Volksschule, Ministerialdirektor Dr. Kügler, widmete der Vorsitzende Worte ehrender Erinnerung. Die Versammlung gab ihre Theilnahme durch Erheben von den Sitzen zu erkennen. Das Referat für die Versammlung hatte in dankcnswerther Weise Kollege Oppenbeim-Treysa übernommen. Das Thema lautete: „Der Unterricht der jüdischen Geschichte in Verbindung mit demjenigen in Weltgeschichte und Geographie." Die gediegene Arbeit fand den ungetheilten Beifall der Versammlung und wurden sämmtliche Leitsätze auf Antrag des Seminarlehrers Katz-Kassel einstimmig angenommen. Da die Arbeit demnächst zur Veröffentlichung gelangt, so erübrigt es sich, in eine ausführliche Besprechung derselben einzugehen. Nach einer kleinen Frühstückspause schritt die Versammlung zur Verathung der erngegangenen Anträge. Herr Brandes- Oberaula beantragt: 1) Der Ausschuß wolle Erhebungen über den Umfang-der Accidentien der Vorsänger anstellen, um auf Grund derselben eine gesetzliche Festsetzung der Gebühren für dieselben in die Wege zu leiten; 2) der Ausschuß wolle bei Kgl. Regierung dahin vorstellig werden, daß jeder endgiltig bestellte jüdische Lehrer im Bez. Kassel zum Mitglied« des Schulvorstandes für seine Schule ernannt wird. Beide Anträge wurden angenommen, ebenso der von Herrn Lotheim-Falkenberg und Rapp-Merzhausen gestellte Antrag auf Wegfall des Probegottesdienstes, wie auch der des Ausschusses um Ermächtigung zur Einleitung weiterer Schritte in der Besoldung des Vorsängerdienstes. Damit war die reichhaltige Tagesordnung erschöpft. Von besonderer Bedeutung war auch eine Mitiheilung des Kollegen Strauß- Gelnhausen, nach welcher auch den nicht staatlich angestellten Lehrern Aussicht auf ein Ruhegehalt und Versorgung der Hinterbliebenen eröffnet wird durch die Begründung einer Pensionskaffe für Kommunalbeamte im Reg.-Bezirk Kassel. Die nächste Jahresversammlung, für welche Kollege Oppenheim-Wehrda das Referat: „Die Ver- Wendung der Pirke Aboth beim Religionsunterricht", und Kollege Braunschweiger-Erdmannroda das Korreferat übernommen haben, soll in Hanau stattfinden. Nachdem durch Zuruf der bisherige Ausschuß wiedergcwählt worden war. schloß der Vorsitzende mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser die Sitzung, deren Theilnehmer sichtlich befriedigt ob des schönen Verlaufs der Verhandlung auseinanderging. Herr Kollege Plaut- Grebenstein hatte vorher dem Vorsitzenden für seine erfolgreiche Leitung den Dank der Konferenz ausgesprochen. Ein gemeinschaftliches Mahl vereinigte viele Lehrer und Ehrengäste im Saale des Hotel Meier, woselbst man sich, dank der heiteren Stimmung, der guten Speisen und Getränke, recht behaglich fühlte. Ernste und heitere Toaste würzten das Mahl. Nur zu bald schlug die Scheidestunde, der ein frohes Wiedersehen in Hanau folgen möge. Spiro- Fulda. Rosen st ein - Rotenburg.

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