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Der Israelit · 1903-08-27 · Heft 68 (27.8.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 68 (27.8.1903)
Date
1903-08-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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erst kürzlich zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, weil er das Serum gegen Tuberkulose erfunden, und andere Zionisten wurden zur Thora aufgerufen. In seiner Predigt begrüßte Herr Rabbiner Dr. C o h n die zahlreich erschienenen Gäste, besonders die hervorragenden Rabbiner aufs Herzlichste und sprach den Wunsch aus, daß die zionistische'Bewegung dahin führen möge, zurückzuführen „das Herz der Kinder zu ihrem himmlischen Vater", und daß die Verheißung Herzl's sich bewahrheiten möge, daß der Zionismus werde „die Rückkehr zum Judenthum vor der Rückkehr in's I u d e n l a n d." Hierauf erklärte der Rabbiner die Hafthora nonr H niyo n'A. Anders, wie andere Völker, so führte er zum Schluß aus. ist das jüdische. Das Land macht sonst ein Volk zum Volk, geht das Land verloren, so hört das Volk auf zu existiren. Ganz anders wir Israeliten: »2 im z'zvn bzc. Uns hat Gott erwählt von allen Völkern, wir sind die Träger seiner Thora. Wir sind ein Volk geworden ohne Land, in der Wüste, als wir noch keinen Fußbreit Landes unser eigen nannten, nm am ,bu-is" pow raon cyb r".~: merke auf und höre Israel „heute bist Du zum Volk geworden dem Ewigen, Deinem Gotte." Und darum sind wir ein Volk geblieben, weil wir die Thora mit uns nahmen, als das Land uns verloren ging. Was für den Körper die Seele ist, dasselbe ist für das Judenthum die Thora. Entflieht die Seele dem Körper, so zerfällt er unaufhaltsam, und könnte Israel sich von seiner Thora loslösen, wäre es auch reif für die Gruft. Das aber wird nie geschehen. Wir jedoch müssen dafür sorgen, daß die Thora „nicht weiche aus unserem Munde, dem Munde unserer Kinder, Enkel und Urenkel in Ewigkeit." Wir freuen uns, daß Zion und Jerusalem, die man vor noch nicht so langer Zeit aus unseren Gebeten streichen wollte, wieder die begeisternden Ideale für Tausende und Abertausende geworden sind. Aber wbz ivrr xb abwr ivirrn wir dürfen Jerusalem nicht nur im Munde führen, sondern muffen die Lehre Zions im Leben betbätigen und Zion und Jerusalem, die Stätten unserer tausendjährigen Sehnsucht, sollen uns nicht vor Augen schweben als Orte des brandenden Weltverkehrs, als Brennpunkt für Kunst und Wissenschaft, sondern als Erfüllung der göttlichen Verheißung min xxn p'rro w Ist es Zufall oder ist's sein Wille? Dieser Tage wurde in Berlin ein Drama von Herzl aufgeführt, in dem er zeigt, daß selbst die höchste Idee, wenn sie zur Verwirklichung gelangt, oft nicht das hält, was sie versprochen oder was man von ihr erwartet hatte. Von einem Manne erzählt er. Eukosmos. der an den Hof des Lydierkönigs Krösos kam und ihm seine Erfindung anbot, die größte, die je einem Menschen gelungen: Mehl in ungemessenen Mengen auf künstlichem Wege mühelos zu bereiten. Nicht mehr sollte der Acker Dornen und Disteln tragen, der Noth der darbenden Menschheit war das Ende gefetzt. Solon aber, der als Gast bei Krösos weilt, sagt zu dem König: „Tödte den Mann!" Und Solon soll Recht behalten. Das künstliche Mehl wird hergestellt und unter -die Massen vertheilt. Nun tragen die Aecker nur noch Dornen und Disteln, das Volk verweichlicht, Unzufriedenheit erhebt ihr Haupt, Aufstände bedrohen das Leben des Königs. Und die Empörer fordern das Blut dessen, der in ihren Augen alles verschuldet, der die Mehlvertheilungen geleitet, das Haupt ihres Wohlthäters, Eukosmos. Krösos selbst muß einsehen, daß das große Geschenk nur Unheil gebracht hat; Solon reicht dem Eukosmos auf seinen Befehl den Giftbecher, und mit dem Erfinder stirbt das unselige Geheimniß. Vielleicht kommt Herrn Herzl. wenn er an sein Märchen denkt, manchmal der Gedanke, daß. wenn das große Werk gelungen, dann doch nicht ein Rltneuland erstanden ist, daß, wenn man mit der größten Mühe den Gipfel des Berges erstiegen hat, man ebenso rasch auf der anderen Seite wieder hinunter muß. da es eben kein Stillstand gibt, daß die Schale nur deshalb zerbrochen wurde, damit der Kern sich desto mächtiger entfalte, und daß dieser Kern sich nicht gewaltsam wieder in die Schale drängen läßt, wenigstens nicht auf natürlichem Wege. ZeLLimg§«schriHLen und Correspondenzen. De u t f ch l a n d. Tarinstadt, 26. Aug. Auf eine Eingabe an das General-Kommando des zehnten Armeekorps, betr. Befreiung der jüdischen Soldaten an den Herbstfeiertagen vom Dienst, erhielt Herr Gr. Prov.-Rabbiner Dr. Marx-Darmstadt den folgenden Bescheid: „Auf das Gesuch vom 18. d. Mts. theilt das General-Kommando ergebenst mit, daß der Einüellungstag für Einjährig-Freiwillige jüdischen Glaubens für dieses Jahr auf den 3. Oktober festgesetzt ist. Die Truppentheile etc. sind ein für alle Mal mit Anweisung versehen, jüdische Mannschaften an ihren Feiertagen vom Dienste zu befreien, falls keine dienstlichen Bedenken vorliegen. ' Der kommand. General gez. v. L i n d e q u i st." Kassel, 24. Aug. (Bericht über die 36. Jahres-Bersammlung der israelit. Lehrerkonferenz Hessens.) Am 21. Mai 0. I. fand dabier die 36. Jahres-Verfammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens statt. Eine stattliche Anzahl von Vereinsmitgliedern, wie wir sie seit einer Reihe von Jahren zu sehen -nicht gewohnt waren, hatte sich zur diesjährigen Versammlung eingefunden, was zweifellos auf die wichtige und reichhaltige Tagesordnung zurückzuführen ist. Auch maesanoBB&ss^

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