Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1903)
- Date
- 1903-08-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kcntrak-Hrgan für das orthodoxe IudenLstum. Begründet von 44» Jahrgang. i>r. IMjmgntn in M«inz. Donnerstag, den Vorn Zionismus. Basel, 26. August. Die große Mehrheit der gesetzestreuen Glaubensgenossen in Deutschland kümmert sich das ganze Jahr hindurch nicht viel um den Zionismus. Was innerhalb der zionistischen Kreise zu kongreßlosen Zeiten vorgeht, ist ja auch im Allgemeinen nicht dazu angethan, daß es die Aufnierksamkeit Außenstehender erregen dürfte. Ob man irgendwo eine -Ortsgruppe gegründet oder ob ‘ ein Tanzkränzchen von zionistischen Schriftstellersgattinnen stattgefunden, kann das Interesse nichtzionistischer, namentlich ernster Leute nicht gut wächrufeu. Auch die große Mehrheit der russischen Frommen nimmt dem Zionismus gegenüber eine durchaus ablehnende Haltung ein, sie feiern immer noch lieber ihr Chanuka, wie das Makkab'äersest, wenn sie auch aus Neugierde sich Eintrittskarten zu diesem Feste erwerben, sie schmucken sich noch immer lieber mit Tephillin, wie mit zionistischen Krawattennadeln. Dies wird sich auch kaum ändern, so lange die erste rabbinische Autorität Rußlands, Rabbi Chajim Meisel in Lodz und seine hervorragendsten Kollegen so sehr Gegner aller zionistischer Bestrebungen sind. Run ist allerdings das Bedeutsamste des diesjährigen Zionisten-Kongresses das erstmalige Erscheinen des „Msrachi", der orthodoxen Partei, die sich unter den Anhängern des Zionismus gebildet hat. Obwohl der „Misrachi" erst vor wenigen Monaten von Reb Jakob Reines von Lida, einem bedeutenden Rabbiner Rußlands, begründet worden ist, zählt er bereits die stattliche Menge von 140 Delegirten, die meistens mit bedecktem Haupte den Verhandlungen beiwohnen und ein besonderes Abzeichen mit der Aufschrift „Misrach" tragen. Aber — wir vermissen bis zu der Stunde, in der wir diese Zeilen schreiben, eine öffentlich programmatische. Erklärung des „Misr ... t - 4» ClUl 5 6 0 3 2 7. August 1903. rachi", die wir für sehr nothwendig und die Situation klärend halten würden. Schon in Anbetracht der die jlld. Religion so sehr verhöhnenden Rede Zangwill's halten wir eine derartige Erklärung für besonders nothwendig. Zangwill sagte u. A. — dem Sinne nach, nicht wörtlich — das neue Zion solle die Gottesleugner mit gleicher Liebe umfassen, wie die anderen Brüder. (Vergleiche „Die Welt" vom 26. August.) Unter den Mitgliedern des „Misrachi" befinden sich 20— 30 streng orthodoxe Rabbiner. DaS ist, wenn man bedenkt, ' daß Rußland allein einige Tausend Rabbiner zählt, eine verschwindend kleine Zahl. Von orthodoxen Rabbinern gehören dem Misrachi an der Gast unseres Rabbiners, Reb Abbe Werner, Rabbiner der mn 'pnno in London, ferner Rabb. Roth, Papa, Rabb. Dr. Nobel, Leipzig, Rabb. Dr. D. Fink, Wien, Rabbiner Dr. Staripolski, Zabern; erwähnt sei auch Rabbiner Dr. Margolies, Florenz und viele Andere. Von bekannten deutschen Orthodoxen seien nur die Herren Dr: med. Adler-Lübeck, Dr. med. Frank-Altona genannt. Wie man sieht, haben sich die deutschen orthodoxen Rabbiner bis auf zweider Bewegung nicht angeschlossen. und einer davon hat seine Mitgliedschaft von bis jetzt noch nicht erfüllten Bedingungen abhängig gemacht. Aber während der Kongreßtage blicken auch die Nichtzionisten nach Basel, und deshalb tritt auch die jüdische Presse anderer Richtung ein wenig aus ihrer Reserve heraus. Da kommen die Herren und Damen! aus aller Welt zusammen und sprechen sich offen, oft | nur zu offen, über die Bewegung aus. Da erfährt man.! was sie wollen und was sie nicht wollen, was sie geleistet und was sie nicht geleistet, da ereignet sich manches Interessante. und da muß man ausführlich über Gang und Stand der Sache referiren. Am Sabbat war die große Synagoge von Zionisten überfüllt. Dr. Th. Herzl, Dr. Marmorek, der