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Der Israelit · 1903-08-24 · Heft 67 (24.8.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 67 (24.8.1903)
Date
1903-08-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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sprechen, wie die Kinder, welche das ABC lernen. Ich bin bei dem ©elWegoliü nicht zugegen gewesen, freute mich aber, wie ich hörte, daß wir aus der Noth geholfen. ..und, ging , deßhalb sämmtliche abgeredete couilitioiies willig ein. Ich kann mir nicht anders vorstellen, als, der Jude Behrens wird beim Ausleihen der Gelder andere Absichten gehabt haben, als um 4 Prozent, und erinnere ich mich, daß ich hörte, er wolle mit 4 pCt. zufrieden sein, wenn er das Schüsler'sche Haus auf seinen Namen schreiben lassen könnte; war es damalen woll eine Zeit, Gelder zu 4 pCt. zu bekommen? Müßte man nicht glauben, der Jude wäre ein Narr gewesen?" ... Hatte Luther auf diese Weise eine Bresche in die Festung der von kleinlichen Anschauungen beherrschten Rathsherren gelegt, so erfolgte der Hauptschlag durch den Bürgermeister Hansing. Er tritt mit Gründen und Thatsachen auf den Plan, vor denen die Naths- Herren die Waffen strecken müssen. Gerechtigkeit und Billigkeit, Menschlichkeit und Borurtheilslosigkeit. das sind die Strahlen, die er in das Dunkel jener Zeit entsendet, das sind Forderungen, die er auch den Juden gegenüber zur Geltung gebracht wissen will. Während noch die Meinungen aufeinanderplatzen, erscheint sein Memorial, das auch für die heutige Zeit noch von ebenso großer Bedeutung ist. Dabei erscheint es ihm vollkommen nebensächlich, ob der Jude Behrens demnächst, ein Haus besitzen wird, der Sache im allgemeinen will er dienen. Daher gibt es für ihn nur eine Frage: Ob es nicht besser wäre, wenn alle Juden ansässig gemacht würden. Am 21. April erscheint Hansings Memorial, dem wir das Wesentliche entnehmen. Nach einer kurzen- Einleitung, betr. die Besetzung der Stadt und des Schlosses durch die Franzosen, kommt er zur Hauptsache. Er schreibt: „Eben nicht die Absicht des Juden Behrens,' sondern meinen Kollegen die wahre Beschaffenheit der Sache vor Augen zu legen und sie zu überzeugen, daß man sich damals nicht geirret, will ich kurzer Hand den Satz durchgehen, „Daß, wo die Juden in einem Lande geduldet werden, es das Zuträglichste und nothwendigste fey, sie durch Eigentum und unbewegliche Gllther mit dem Staate zu verbinden." Ueberhaupt ist es unbillig, nach eintzelnen Gliedern von einem gantzen Volke, von einem gantzen Stande oder Gemeinde zu urtheilen, und wir nüchterne Deutsche empfinden es sehr, wenn wir sämmtlich des Lasters der Trunkenheit beschuldigt werden. Unbillig ist es also, wenn wir die Juden überhaupt des Wuchers und dergl. beschuldigen. Das interesse eines Juden, der große Handlung treiben will, erfordert es so gut. als das eines Christen, ein ehrlicher Mann zu sehn, und man findet in großen Handlungs Orthen viele, mit welchen die Christen gern zu schaffen haben.", . - . Tritt er einerseits der unsinnigen Verallgemeinerung scharf entgegen, betont er andererseits, daß etwaige Auswüchse im geschäftlichen Leben nicht den Juden beizumessen seien, sondern vielmehr der vernachlässigten Beobachtung der Gesetze. Und an die Geschichte mit dem Splitter und Balken denkend, rust er aus: „Und, wo diese gar nicht geduldet werden, da frage ich, ob allda nicht die Christen eben dergleichen Gewerbe treiben?" „Wenn wir den Juden ferner, unter denen Spezial-Anschuldigungen als eine vorzüglich große vorwerfen, daß sie das gute Geld aus dem Lande schöpseten, mit geringhaltigen Müntzen solches dagegen überschwemmet u. s. w., so bleibet demnach . immer die Frage übrig, ob die Schuld denen Juden an und vor üch selbst oder der Beschaffenheit der Gesetze beyzumessen, und ob wir nicht Exempel wissen, daß Christen sich diese Stunde mit gleichem Gewerbe abgeben." Im weiteren macht Hansing seinen Kollegen eine Konzession, indem er meint, „daß die Juden aus einem ganz anderen Grunde einem Staate höchst nachtheilig sey. wo nicht diesem Grunde begegnet und die gleich anzuführende Ursache abgeholfen werden soll und kann." Er sieht nämlich in den Juden Fremdlinge, die ihren Wohnort je nach Lage der Verhältnisse wechseln und somit auch den Handel mitnehmen; „so wird es um das aommereinm des Landes geschehen seyn. Um diese Zustände zu beseitigen, fordert er: „Es ist also eine Notwendigkeit hoher Landesregierungen, alle eommerciuntan täglich enger und besser an das Land zu verknüpfen, daß man sie (die Juden) mit ohnbeweglichen Güthern seßhaft mache und mit dem Lande auf alle Arth verbinde. Hierdurch würde ihnen gleichsam ein Vaterland gewachst; hierdurch würde man ihnen Liebe und Zuneigung gegen das Land beibringen... . Ist der Jude ein Bürger eines Staates, so ist ihm auch daran gelegen, nichts wider die Wohlfahrt desselben zu unternehmen, vielmehr solche auf alle weise zu befördern." „Ist diesem nach der Satz richtig, daß, wo die Juden in einem Staate geduldet werden und bey den cmnmorcionzugelassen sind, es zuträglich und n o t b i g sen. selbige seßhaft zu machen: So muß dieses auch in gegenwärtigem Falle bey dem Juden Behrens mit Ankauffung eines Hauses seine Anwendüng haben." Hansing hatte durch diese Ausführungen Eindruck auf seine Kollegen gemacht. Die Folgerungen waren zu sehr überzeugend, als daß sich der „Rat" denselben noch verschließen konnte. Vebrens erhielt das geforderte Attest; aber erst am 12. April 1764 traf die Entscheidung von Hanno-

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