Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1903)
- Date
- 1903-08-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WÄ 1487 ver ein; sie enthielt den Bescheid, daß Behrens das bislang von ihm bewohnte Haus eigentümlich erwerben darf. So war Behrens der erste, der als Schuhiude ein Haus in Harburg besaß. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Oe st erreich. Wien, im Aug. (Die Juden in Rußland und Amerika.) Der „Cas" schreibt (Eine Zuschrift eines russischen Tschechen als Antwort auf die „Narodni Listy"): Die russischen Juden wurden aus Rußland nicht „ausgewiesen", sondern die Polizei hat sie gezwungen, aus den Ortschaften, wo sie nicht das Ansiedlungsrecht hatten, in die Orte zurückzutehren, wo sie eingeschrieben waren. Indem wir vorläufig davon schweigen, daß diese Art der Erfüllung der Vorschriften bezüglich der Juden ein beliebtes Mittel zur Bereicherung der russischen Bureaukratie bildet, berichtigen wir bloß, daß den Juden die Auswanderung durch Verweigerung der Pässe sogar erschwert wurde. Uebrigens ist der Preis eines Passes für einen russischen Unterthan, für einen armen Teufel (und das waren insgesammt die jüdischen Auswanderer) ein großes Hinderniß. Denn es kostet ein solcher Reifenachweis für ein halbes Jahr — und blos für eine einzige Grenzüberfahrt giltig — 17 Rubel 40 Kopeken ohne die (üblichen) Nebenausgaben für ..caj“ an die Polizei, Porto und vergeudete Zeit und Mühe. Der gewöhnliche Preis eines solchen Passes mit den Nebenausgaben ist also in österreichischer Währung ungefähr 60 Kronen (51 Mark), und ohne Paß kommt man in Rußland nicht weiter. In dieser Vehandlungsweise der Juden wurde das wiederholt, was die Egypter mit ihnen zu Moses Zeiten thaten: zuerst zeigten sie ihnen die Thür und dann jagte hinter ihnen Pharao mit seinem Heere. Uebrigens wurde auch so mit den in Wolin ansässigen Tschechen verfahren. Diese waren in den Jahren 1884 und 1894 auf verschiedene Weise bedrückt und gereizt worden, damit sie aus Rußland auswandern, und schließlich wurde ihnen angezeigt, daß jeder Tscheche, selbst wenn er russischer Unterthan wäre, sofort einen Paß erhalte. Wer sich aber gemeldet hat, hat ihn nicht nur nicht erhalten. sondern wurde als Aufrührer in Untersuchung gezogen. Darüber ist wohl kein Streit, daß die armseligen Massen der jüdischen Auswanderer aus Rußland für Amerika keine erträgnißreiche Requisition bilden konnten. Ihnen selbst war der Aufenthalt in Amerika keine Quelle der Wohlfahrt; denn mit der landwirthschaftlichen Taglöhnerei haben sie sich nicht abgegeben, zu Unternehmungen hatten sie kein Geld und wegen Unkenntniß der Sprache, der Verhältnisse und der ungünstigen Eignung' für den fortgeschrittenen amerikanischen Handel konnten Viele in der Reuen Äelt nicht Wurzel fassen. Das war der negative Antrieb zur Rückkehr nach Rußland, wohin sie nach dem amerikanischen Mißerfolge keinesfalls das „mustergiltige .und edle" Regime eines Pobednoszew-Sypjagin lockte, sondern die Hoffnung, daß sie in einer bekannten Gegend unter unkultivierten Leuten sich eher durchschlagen werden. Es möge der „russische Tscheche" die Berechtigung der Bezeichnung (der Juden) als „kulturelles Element" bestreiten, aber gerade mit seinem Hinweise auf die westlichen Kreise Rußlands schlägt er sich selbst, denn jeder, welcher das Leben dort kennt, wird zügeben, daß die Juden in jener Gegend ein weit größeres kulturelles Element bilden, als ihre Muzikumgebung (Muzik iss der russische Kleinbauer), nicht einmal' die Popen und die ländliche Beamtenschaft angenommen. Denn es können die Juden insgesammt lesen, schreiben und gut rechnen und stehen immer m der Spitze der Unternehmungen. Die Thatsache, daß die Juden in Rußland vieler Rechte beraubt sind, welche sie aber durch Annahme der Taufe erlangen, führte offenbar zum Uebertritt zum orthodoxen Glauben, und diesem (dem Uebertritte) sollte dadurch, ganz im Sinne jener Pharaonischen Politik, begegnet werden, daß die allerheiligste Synode vor der Dessen tlichkeit mit ihrer Gleichgültigkeit gegenüber der Sehnsucht der jüdischen Masse für die Annahme der Orthodoxie prunkte. So lange uns daher die kompetenten russischen Sachverständigen nicht eines Besseren belehren, sind wir nicht in der Lage, die Aussprüche des „russischen Tschechen" als Autorität hinzunehmen und dieses umsoweniger. wenn wir weiter lesen, daß ..in Rußland eine Intoleranz Niemand fühle; eine Arbeiterfrage es dort nicht gebe!.'!" (Siehe Kiew: Arbeiters! rike und Excesse mit 60 Tobten und tausenden Verwundeten!) Hat denn der Schreiber jener Sähe die Begebenheiten der letzten Jahre verschlafen? Iss ihm denn gar nichts bekannt von dem Zwange der tschechischen Kolonisten zum Uebertritt zur Orthodoxie; weiß er nichts von der Bedrückung der Polen als Katholiken; hat er ganz aus dem Gehöre verloren die Nachrichten von der Bedrückung der Duchoborzen. Mololanen etc.? Ist ihm gar nichts bekannt von den Arbeiterunruhen in den fsabriken der russischen Zentralen, welche sich mehrmals im Jahre wiederholen und kleine Schlackten^ mit, einer ordentlichen Anzahl von Tobten und Verwundeten aüaeben? Diese Unruhen entstehen aus. der „«'roßen Sorgfalt" für das Wohl der Arbeiter? Kann sich der „russische Tscheche" nicht die Gründe herausdenken, warum dieses furchtsame Element, wie es die russischen Juden sind, sich an.Straßendemonstrationen betheiligt