Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1903)
- Date
- 1903-08-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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„Unb der Herr war so freundlich gegen uns/ ergänzte Zdenka, „und er kömmt Abends zum Wasserihurm, wo das Fräulein auf ihn warten soll/ Hedwig war todtenbleich geworden, als sie die Wirkung sah, welche diese Worte auf die alte Frau ausübten. Diese 'stemmte die Hände in die Seiten und eine Fluth von Vorwüufen ergoß sich aus das arme junge Mädchen. Hedwig wagte keine Entgegnung. Sie fühlte sich schuldig, ließ daher Alles über sich ergehen, auch das Verbot, Abends auszugehen. Es schien ihr nicht anders, als drehe sich das Zimmer mit ihr im Kreise herum. Sie wußte, daß die Kündigung ihres Postens bevorstehe, selbst wenn sie sich in das an sie ergangene Verbot fügte, und für einen Moment kam ihr die Idee, dem Verbote zu trotzen und ihr dem Fremden gegebenes Wort einzulösen. Was konnte ihr in diesem Falle anderes bevorstehen, als Entlassung, die ohnehin unvermeidlich war? Sie hatte ja so harmlos geplaudert, meist von Politik, nicht e i n Wort war zwischen ihnen gefallen, das die strengste Sittenrichterin nicht hätte hören können, sie sprachen ja meist über Sprachenverhältnisse und über die Zustände in den slavischen Ländern. Aber etwas war in der Stimme dieses jungen Fremden, in allen seinen Bewegungen, überhaupt in seinem ganzen Wesen, was sie so seltsam vertraut anmuthete. Sie, die bisher unverstanden durch's Leben ging, Niemanden hatte, mit dem sie ein vernünftiges Wort aufrichtig sprechen konnte, sie fand in diesem interessanten Fremdling eine ihr verwandte Seele. Und dennoch sträubte sich ihr innerstes Gefühl dagegen, eine Handlung zu begehen, welche böswillige Menschen als Anlaß nehmen würden, auf ihre weibliche Ehre einen Schatten zu werfen. Unter heimlich vergossenen Thränen entschloß sie sich, auf die verabredete Zusammenkunft zu verzichten. „Lebe wohl, Doria. Du schöner Stern! Du bist an dem trüben Himmel meines einsamen Lebens für Der „I 8 raelit" erscheint wüctaeHtlicb zweimal, Mositnga irad IDonnei’ßlaga, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. y. Skrinackrr, Veip?ig, Rotzpltch jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francomsendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen öst-rr.. für') Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3332. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhallen. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich fiir 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Aus Wunsch stunde» wir die Zahlung deS JnfertionöbetragS an außer Stelle Befiudlkche bis nach Erlangung einer solchen. einen Moment aufgetaucht, um auf Nimmerwiedersehen unter dem schwarzen Gewölke, welches mein Leben umgibt, zu verschwinden/ — --— Doktor Dansky hatte sich zum Orte des Stelldicheins von einem Knaben geleiten lassen, weil er sich Abends in der ihm fremden Stadt nicht zurechtfinden konnte. In regelmäßigen Schritten, wie eine Schildwache, schritt er die Front vor dem Wasserthurme. ab: neun Uhr, die verabredete Stunde, war schon längst vorüber, es schlug von dem Thurme herab Zehn, es schlug Halbelf. es schlug elf Uhr. Die Lichter in den Fenstern verlöschten allmählich, die Transparente und Bilder wurden aus den Ladenthüren entfernt, und letztere geräuschvoll geschlossen; nur die spärlichen Straßenlaternen beleuchteten wie allabendlich die schlechtgepslasterten Seitengassen. Fröstelnd zog Dansky den Mantel fester zusammen und rüstete sich, seine Wohnung aufzusuchen, welche ein polnischer Student, der in Tabor die landwirthschaftliche Hochschule besuchte, seinen Landsleuten zur Verfügung gestellt hatte. Von der prächtigen Illumination hatte er blos die wenigen Kerzen gesehen, die in den Fenstern der niedrigen Häuser in der Nähe des Wasserthurms flackerten. „Wieder eine Enttäuschung/ sagte er sich mit einem Seufzer. „Unseliges Tabor, o hätte ich schon Deine Mauern hinter mir. in denen ich nichts anderes gefunden, als Kränkung und Enttäuschung/ _(Fortsetzung folgt.)_ Wschen-Uslenöer. Freitag, 28. IHiiguft, 5. Eiul. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 6 Uhr 45 Min Samstag, 29. August. 6. Elul. L'uss Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 8 Udr 05 Min. — Berlin 7 Uhr 49 Min. — München 7 Uhr 41 Mn. — Hannöver 7 Uhr 59 Min. — Stuttgart? Uhr 53 Min. —Drag 7 Uhr 35 Min. — Straßburg 8 Uhr — Min. — Posen 7 Uhr 37 Mi". - Stettin 7 Uhr 48 Mn. — Zeltungsnack,ri.btcn und Correfpondenzen: Drn«rchland: Berlin. Salzbrunn arn: Stampfen. Engiaild: London. Amerika: Neivpork. Afrika: Algier. — Feuilleton: Inhalt (Hauptblatt): Bibelkrttik. (Schluß.) Oesterreich: Wien.^Damboritz (Mähren). Agram. Ungarn: ^"^"^^'nhaltiv//Bttta^g«: Etiva3 aus der Geschichte der Juden zu Harburg. — Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Oesterreich: Wien. Dänemark: Kopenhagen. Canada: Montreal. — Sprechsaal. — Mnthestungen aus den ind. Armenoereinen und für dieselben BelUtristUchr Beilage: Der Jude. (Fortsetzung.) Blätter für lüsilche Geschichte «ns Literatur. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz- — Expedition des .Israelit". Schottstrabe Nr. L Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckecei Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.