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Der Israelit · 1903-08-24 · Heft 67 (24.8.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 67 (24.8.1903)
Date
1903-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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j i i ■! f beiden, bei der deutschen Sprache sowohl, als bei dem jüdischen Volke. Ueberhebung im Spiele, was Anlaß zu der gegen beide in anderen Ländern herrschenden Antipathie gibt. Unter eifrigem Gespräche waren sie den damals noch ungeebneten Weg durch die Gärberei-Vorstadt bis hinauf zu den Festungswerken, die heute schon einer ebenen, guten Straße Platz gemacht haben, gekommen, und als sie das alterthümliche Stadttheater erreich: hatten, blieben sie stehen, um sich hier voneinander zu verabschieden. „Fräulein!" sagte der Doktor, „sollen wir so voncinandergehen, ohne uns während meiner Anwesenheit nicht noch zu begegnen?" „Auch mir wäre dies sehr leid, Herr Doktor, jedoch wüßte ich nicht, wie eine Zusammenkunft zu er-" möglichen wäre." „Denken Sie darüber nach, Fräulein, vielleicht ließe sich eine solche doch bewerkstelligen. Gehen Sie heute Abend in's Theater zur Festvorstellung?" „Wo denken Sie hin? Der enge Raum unseres Theaters faßt kaum einen Theil der hier weilenden fremden Gäste, da konnten an die Einheimischen ja keine Eintrittskarten, vielweniger noch auch Sitzplätze verabfolgt werden. Dafür wird bei Eintritt der Dunkelheit die ganze Stadt illuminirt werden, natürlich mit Ausnahme der Wohnungen von Lehrern. Geistlichen und staatlich besoldeten Beamten, denn die Feier hat einen antiklerikalen und antidynastischen Charakter." „Nicht so, Fräulein, sie hat einen rein nationalen Charakter. Wenn aber Staat und Clerus Hindernisse in ven Weg gelegt haben, so tragen sie allein die Verantwortung, nicht wir. Aber lassen wir die.Politik ruhen und sinnen Sie lieber nach, auf welche Weise eine Zusammenkunft möglich zu machen ist." „Wie lange bleiben Sie hier, Herr Doktor?" „Wenn es auf meinen eigenen Willen ankäme, so bliebe ich länger hier, immer," sagte er mit einein zärtlichen Blicke auf seine Begleiterin. „Aber ich'muß wich der Verabredung mit meinen Reisegefährten fügen. Morgen Abend besuchen wir den Festball, bleiben einige Stunden dort und fahren dann mit dem Zuge, der nach Mitternacht nach Wien abgeht, fort. Sie besuchen doch auch den Ball?" „Auch dieses ist mir versagt. Die alten Leute, bei denen ich zu Gaste bin, dürften kaum geladen sein, auch könnte ich mir die Auslagen nicht gestatten, welche der Besuch eines so glanzvollen Festes im Gefolae hat." „Und doch müssen wir uns noch einmal sprechen," sagte der Doktor entschieden. „Ich bringe die Kinder, welche von dem heutigen Ausfluge ermüdet sind, zeitig zu Bette und benütze die mir bereits gewährte Erlaubniß, einen Gang durch die Stadt zu machen, um die Illumination anzuschauen. Können Sie das stille Gäßchen, welches vom Theater, zum Wafferthurm führt? Dort in der Nähe desselben werde ich Sie um 9 Uhr Abends erwarten." ■ „Den altertümlichen Wafferthurm habe ich heute früh besichtigt, da mich mein Führer, der mir die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte, darauf aufmerksam gemacht hat. Dort treffen wir uns also. Sollte die Vorstellung bis 9 Uhr nicht beendet sein, so verlasse ich vor Schluß derselben das Theater, um Sie nicht auf mich warten zu lassen. Aber werden Sie auch sicher kommen? Kann ich auf Ihr Wort bauen?" „So fest, wie auf den ehernen Zizka, der morgen hier enthüllt wird," betheuerte Hedwig. „Das läßt sich hören." sagte der Doktor lachend, indem er in die ihm dargebotene Hand einschlug. „Also auf Wiedersehen, heute Abend!" Hedwig war mit den ihrer Obhut anvertrauten Kindern heimgekonimen, wo sie von der ihres langen Ausbleibens wegen besorgten Großmutter mit einem. Freudenschrei begrüßt wurden. „Wo blieben Sie so lange, Fräulein?" sagte die alte Frau vorwurfsvoll, „ich hatte große Sorge um die Kinder." , ....... „Wir waren in dem Wald, es ist so hübsch kühl dort und die Kinder haben Blumen gepflückt." „In einer so unruhigen Zeit hätten Sie sich mit den Kindern nicht so weit wagen sollen, besonders in einen Wald. Wenn Ihnen was zugestoßen wäre? Ich wage gar nicht daran zu denken." „Was sollte uns gerade heute zustoßen?" „Es ist zur Feier so viel fremdes Volk hier. Wenn Ihr angefallen worden wäret! Ich hatte solche Angst." „Aber was denkst Du, Großmama? Ich hätte das Fräulein und die Zdenka schon beschützt, ich ließe sie von Niemanden überfallen und beleidigen!" sagte der kleine Ladislaw voll Selbstgefühl. „Ja und der Herr auch, der mit uns war," fügte Klein Zdenka hinzu. „Was für ein Herr denn?" fragte die Großmutter neugierig. Hedwig wurde bei diesen Worten des vorlauten Kindes fcuerroth. Sie hatte es ihrem Stolze nicht abringen können, die Kinder zu bitten, ihre Begegnung mit dem Polen zu verschweigen; jetzt war sie verrathen, und ihr blieb nichts anders übrig, als die Wahrheit einzugestehen. „Wir begegneten einem Herrn, der mit einer Deputation aus Krakau angekommcn war. und der mich , auf den Weg fragte. Wir gingen dann mitsammen bis zur Pfortea. Es ist dies ein sehr feiner Herr, ein Doktor der Philosophie und Professor der slavischen Sprachen." \-

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