Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1903)
- Date
- 1903-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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beneit Verbrechen nachgewiesen werden konnten, wie das jenes Negers, der in Delaware verbrannt wurde. Das Lynchen wird von.den gesetzachtenden Männern auf das schärfste verutheilt, und die Theilnahme ohne weiteres mit dem Tode bestraft; darum aber können die russischen Mörder in Kischinew, die fast straffrei ausgehen, noch lange nicht zu den Amerikanern sprechen: „Gerade wie Du!" Im übrigen sind solche Mörder, die die Straßen von Kischinew mit Menschenblut besudelt, wohl die geeignetsten Objekte, um in Amerika gelyncht zu werden; darum schicket sie zu uns, und wir werden bemüht sein, dem beleidigten Menschenthum Genugthuung zu Verschaffen." Weiter schreibt dieselbe Zeitung: „Anläßlich der Schandverbrechen in Kischinew hielt Dr. Robert S. McArthur in der Calvary-Baptistenkirche eine Predigt, wo er unter anderem noch Folgendes sagte: „Es ist eine unleugbare Thatsache, daß der russische Gesandte in Newyork ein Geheimtribunal eingesetzt hat, um die Religion der amerikanischen Bürger herauszufinden, die ihn um sein Visum ihrer Auslandspässe ersuchen, und wenn er entdeckt, daß es Juden sind, dann entehrt er die amerikanischen Regierungsdokumente ihres Bürgerrechts, und legt auch nicht den geringsten Werth auf einen Paß, von dem amerikanischen Minister des Aeußeren ausgestellt, sobald er in der Hand eines Juden sich befindet. Wenn beispielsweise morgen eine Versamnrlung der weltberühmten Musiker in Rußland stattfinden sollte, so könnten wohl Beethoven und Wagner einziehen, doch bei Leibe nicht Meyerbeer und Mendelssohn. Ware es eine Versammlung der Staatsmänner, so könnten nur Bismarck und Gladstone auf freien Zutritt rechnen, nicht aber Disraeli und Ottolenghi. Würde es sich um eine philantropische Versammlung handeln, so würde man nur Peabody Einlaß gewähren, nicht aber Moses Montefiore. Bei einer Zusammenkunft der Finanzgrößen kämen nur Morgan, Rockfeller und Carnegie in Betracht, nicht aber Rothschild, Seligmann und Schiff. Bei einer Versammlung amerikanischer Staatsmänner würde diese zweifelhafte Ehre nur Roosevelt und Gdell zu Theil werden, nicht aber Simon in Oregon und dem edlen Oscar Strauß, der uns so würdig als Gesandter bei der Türkei vertreten hat. Wahrlich, Rußland wird sich schwer zu verantworten haben an der Pforte der Civilisation, des Christenthums, der Menschlichkeit und der Göttlichkeit, und es wird dort nur dem Hohn begegnen, den es selbst bisher über Humanität und Liberalismus ausgeschüttet hat!" Afrika. Algier. (Bestrafte Morde r.) Drei Soldaten der französischen Fremdenlegion in Algier sind in vergangener Woche in Oran hingerichtet worden. Sie hatten ein jüdisches Ehepaar und dessen Diener in Saida ermordet. Die Moder waren Deutsche. Eine letzte Botschaft an ihre Angehörigen in Deutschland zu schicken, hatten sie abgelehnt. F e u i I l t t o m mückgefunden UoveHe von Vabette Fried, Prag. 12 Die beiden jungen Leute schritten so nebeneinander einher, als wären sie jahrelang bekannt gewesen, und ein Fremder, der ihnen begegnet wäre, hätte anuehmen können, daß ein zärtliches Liebesverhaltniß ihre Aufmerksamkeit derart in Anspruch nahm, daß sie alles um sich her vergaßen. Und doch war es nur die leidige Politik, oder eigentlich die Sprachenfrage, welche den Gesprächsstoff bildete. „Herr Doktor," sagte Hedwig ganz unvermittelt, „das Schicksal der deutschen Sprache scheint mir eine Aehnlichkeit mit dem des jüdischen Volkes zu besitzen. Die Unduldsamkeit jedes Volkes richtet sich seltener gegen ein anderes Volk, als gegen das jüdische, gegen eine andereSprache, als die deutsche. In allen slavischen Ländern, ferner in Ungarn, Frankreich, Italien, überall gönnt man jeder fremden Sprache das Gastrecht, sie darf frank und frei in jeder Gesellschaft, in jedem öffentlichen Lokale gesprochen werden, nur die deutsche Sprache ist verhaßt, sowie der Jude in allen Landen der Verfolgung ausgesetzt-ist, wo man sonst gegen Fremdlinge zuvorkommend ist. Und die Ursache ist auch dieselbe. Man erkennt die Bedeutung des Juden im Weltverkehr an, die geistigen und moralischen Vorzüge, die er besitzt — ohne sie eingestehen zu wollen, und verfolgt den Juden.um ihn nicht aufkommen zu lassen; man erkennt unwillkürlich die Bedeutung der deutschen Sprache im Völkerverkehr an, ohne sie eingestehen zu wollen, und verfolgt sie, um ihre Bedeutung herabzusetzen. Die deutsche Sprache findet Sympathien und Würdigung blos in deutschen Landen, trotzdem man sie in anderen kaum entbehren kann — der Jude nur mitten unter seinen Glaubensgenossen. Ausnahmen — gestehe ich — gibt es auch da, aber diese dürften meine Ansicht kaum entkräften." . Der junge Mann, ein vielgewandter Redner, betrachtete mit Blicken der höchsten Bewunderung das anscheinend so einfache Mädchen, welches einen solch gewagten, aber nichtsdestoweniger zutreffenden Vergleich anstimmte. Er mußte ihr in jedem Punkte Recht geben. Die eine Entgegnung, die ihm auf den Lippen schwebte, unterdrückte er aus einem natürlichen Gefühle von Hochachtung gegen die furchtlose Sprecherin — daß bei