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Der Israelit · 1903-08-20 · Heft 66 (20.8.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 66 (20.8.1903)
Date
1903-08-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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[' 44. Jahrgang. L .! ■ Rabbiner-Aongreß in Krakau. f Mittwoch, 12. August. Eine Depesche des Kaisers! Am Eröffnungstage seiner Verhandlungen sandte der Rabbiner-Kongreß ein Huldigungs-Telegramm an unseren Kaiser. Heute lief eine Antwort-Depesche aus der kaiserlichen Kanzlei zu Ischl, gerichtet an den Vorsitzenden des Kongreffes. Herrn Rabbiner H o r o - witz, ein. den kaiserlichen Dank enthaltend. Vor Eintritt zur Tagesordnung wurde vor Allem die Rededauer begrenzt unb bestimmt, daß jeder Redner höchstens fünf Minuten sprechen darf. Dann 'begann die Diskussion über den Antrag des Dr. Jung, dessen Inhalt wir bereits mittheilten. Die russischen Rabbiner erklärten durch Rabbiner Rabinowitz aus Poltawa, daß sie an dieser Diskussion, die ihrer Meinung nach gegenstandslos sei und überhaupt für Rußland ohne Bedeutung ist, nicht theilt nehmen werden. Bei dieser Gelegenheit erlaubte sich Herr Rabinowitz strenge Worte gegen die Eltern, die ihre Kinder in öffentliche Schulen schicken. Während das Resultat der Abstimmung verkündet wurde, traten in den Saal sieben neu angekommene galizische Rabbiner, mit dem Rabbiner aus Tarnow an der Spitze. Letzterer hörte einige Minuten ben Verathungen zu und meldete sich dann zum Worte. In seiner Ausführung tadelte er die Art des Führens der Verathungen, die dazu führen wird, daß der Kongreß ohne wirkliche Beschlüsse zerschellen würde; er verlangt wiederholte Diskussionen aller vorgenommenen Beschlüsse. Seine Worte riefen unter den Versammelten ungeheure Entrüstung hervor, und die drohende Haltung steigerte sich fortwährend. Vergebens ermahnte der Vorsitzende die Versammelten zur Ruhe und unterbrach schließlich die Sitzung auf zehn Minuten. Nach Wiederaufnahme, der Verhandlungen nahm der Rabbiner aus Tarnow, veranlaßt durch seine Kollegen, seine vorher gesprochenen Worte zurück und drückte sein Bedauern aus, daß er, ohne es zu ahnen, die Versammlungsmitglieder beleidigte. Es wurde dann einstimmig beschlossen, daß man als Religionslehrer in den Schulen nur Herren zulassen soll, deren Religiosität und Frömmigkeit über allen Zweifel erhaben ist. Nachher iheilien sich die versammelten Rabbiner in den einzelnen Ländern entsprechende Gruppen und jede derselben hat Ln der Folge ihre Wünsche und Beobachtungen, entsprechend dem Programme des Kongresses, in den künftigen Sitzungen vorzubringen. Nach diesem Beschlüsse endeten die Verathungen, die, außer einer dreistündigen Unterbrechung, von 10 Uhr früh bis 8 Uhr abends dauerten. Donnerstag, 13. August. _ ' Die Verathungen des Kongresses nahten sich gestern ihrem Ziele. Die Verhandlungen waren bedeutend ruhiger und stellte sich bei den Versammelten mehr Interesse ein. Im Saale befanden sich auch neue verspätet eingetroffene Theilnehmer. Darunter die Rabbiner aus Oswicin, Chrzanow und Jaslowietz. Als ersten Punkt der Tagesordnung verlas Rabbiner H o r o w i tz eine durch das gewählte Komitee ausgearbeitete Erklärung, betreffend die Stellung des Kongresses zu den revolutionären Umtrieben. Diese Erklärung, redigirt in hebräischer Sprache, lautet wörtlich: „Wir, Rabbiner verschiedener Länder, gegenwärtig in Krakau versammelt, erklären hiermit öffentlich, daß seit Verlassen unseres Vaterlandes und seit unserer Zerstreuung über alle Länder der Welt es unsere heiligste Pflicht ist, entsprechend den Vorschriften unserer Thora alle Gesetze und Vorschriften jedweder Reiche, Länder und Regierungen, unter deren Obhut wir uns befinden, in Ehren zu halten. Jedem Israeliten ist es daher strengstens verboten, sich an irgend welchen revolutionären und anarchistischen Umtrieben .und den bestehenden Gesetzen widersprechenden und diesen feindlich gesinnten Vereinigungen anzuschließen. Wir erklären, daß es Pflicht eines jeden glaubensireuen Juden ist. gehorsam zu sein, die Gesetze des Landes bezw. Reiches, dem er angehört, zu ehren im Sinne der Ueberzeugung, die unser großer und weiser König Salomon äußerte: „Fürchte Gott und den Kör nig." Sich auf die göttlichen Vorschriften der Thora stützend, protestirt der Kongreß gegen die bestehenden und zukünftigen anarchistischen und revolutionären Umtriebe und Strömungen." Der Versammelten erklärten sich mit Obigem in ganzem Umfange einstimmig einverstanden und beschlossen, den Inhalt desselben ihren Glaubensgenossen zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Hierauf erklärte Rabbiner K o h e n aus Kairo, daß sich bei ihm eine Frauendeputation mit dem Er- . suchen meldete, daß sich der Kongreß mit der Versor- J gung der sechzig Findlinge, die sich in einem Findel- , Hause unweit Krakau befinden, befassen soll. Dann , stellte Rabbiner Schir aus Tarnow den Antrag der galizischen Sektion betreffs Gründung eines inter-

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