Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1903)
- Date
- 1903-08-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprache, als das landesübliche Böhmisch, während das Deutsche sich im goldenen slavischen Mütterlein Prag überall breit machte." „Ich habe das auch schon von Anderen gehört." sagte der Doktor mit unmuthig gefalteter Stirne, „aber das soll und mutz anders werden." „Das werden nicht Sie jemals andern, noch Hunderte anderer, die gleich Ihnen für dieses Ziel kämpfen. Denn kein slavrscher Ausländer, der nach Prag kommt, sei es geschäftlich oder zum Vergnügen, kann sich hier mit Erfolg seiner Muttersprache bedienen. Er mutz deutsch oder czechisch sprechen. Ungefähr so würde es umgekehrt einem Czechen in Polen, Ruhland, Ungarn oder sonstwo ergehen, entweder die dortige Landessprache oder das vermittelnde Deutsch. Er müßte, wenn er der Landessprache nicht mächtig ist, das bischen Deutsch, das er etwa von der Schulzeit noch kennt, hervorsuchen und sich damit verständigen. Der Slave ist in Oesterreich in der Majorität, das ist wahr, aber seine Sprache ist keine einheitliche und detzwegen ist seine Kraft zersplittert." „Sie treten sehr warm für das Deutschthüm ein," sagte der Pole etwas pikirt, „mehr, als es sich für eine gute Böhmin ziemt." „Nur vom-praktischen Standpunkte aus, als Jüdin. Sie sind ein gebürtiger Pole, haben daher eine idealere Anschauung als ich." „Und verträgt sich Ihre praktische Anschauung mif der Hingabe zu Ihrer Nation?" „Bitte, Herr Doktor, nicht zu vergessen, daß ich in erster Reihe Jüdin bin, und mit einer fast leidenschaftlichen Liebe zu meinem Glauben und Volke hinneige." Dansky hatte sich bei den letzten Worten des Mädchens leicht verfärbt. „Sollte es wahr sein, was Manche behaupten wollen," sagte er, „daß die Juden Böhmens Stützen des Germanismus sind?" „Nein, sie sind es nicht, Herr Doktor, außer da. wo sie sich frei und offen zum Deutschthum bekennen, da dürften sie natürlich zu den Stützen desselben gezählt werden, so wie diejenigen eine Stütze des Slavismils sind, welche zu dieser Nationalität halten. Alles, was man dem einzelnen Juden zum Vorwurfe machen zu dürfen glaubt, macht man allen Juden zum Vorwurfe. Das eben ist das Unglück unseres Lebens. — Aber. Herr Doktor, es wird spät, ich muß an den Aufbruch denken. Ich habe der Großmama versprochen, mit den Kindern bald heimzukehren, und habe mich mit Ihnen verplauscht." „Es spricht sich so gut mit Ihnen, auch ich habe an Zeit und Ort vergessen, um mit Ihnen zu plaudern. Darf ich Sie in die Stadt begleiten?" „Warum denn nicht? Es wird mir ein Vergnügen sein. Zdinka, Ladislav," rief sie in der Richtung hin, wo die Kinder eben Erdbeeren sammelten. Die nationalen Namen klangen dem Ohre des jungen Enthusiasten wie Musik. Die Kinder kamen herangelaufen, nahmen ihre und des Fräuleins Umhänge und Schirme an sich, und schickten sich an. den Wald zu verlassen. „Und wie darf ich Sie nennen, Fräulein? Auch mit einem so süßen, vaterländischen Namen?" „Ach nein! In meiner Jugend war das noch nicht Mode. Damals entschied bei der Namensertheilung bei den orthodoxen Juden die Aehnlichkeit mit dem, dem Kinde beigelegten jüdischen Namen, oder bei den Modernen der Name der Helden eines Lieblings^ ronians oder klassischen Dramas. Bei mir war ersteres der Fall. Ich heiße Hedwig, und damit Sie meinen ganzen Namen kennen: Hedwig Müller. Also urgermanisch, wenn das nicht Ihr Ohr verletzt." „Ihr Name, von Ihren Lippen ausgesprochen, ist mir von bezauberndem Wohlklange!" (Fortsetzung folgt.) Der „Jtzraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Donnerstags, jedesmal, iu mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel vrrkehrk durch V. A SkeinaÄe r, Leipzig, Rastplatz jS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco emsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deS Jöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. 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