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Der Israelit · 1903-08-20 · Heft 66 (20.8.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 66 (20.8.1903)
Date
1903-08-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1454 mig, zurückgewiesen. Die Schaffung der verbotenen Rayons werde in ihrer äußersten Konsequenz .zum Wiederaufrichten der niedergeriffenen Ghettos führen, da jedes Stadtviertel aus dem einen oder dem anderen Grunde bestrebt sein wird, als verbotenes Rayon erllärt zu werden, wodurch das Beisammenwohnen der fremden Juden nur noch mehr gefördert werden dürfte. . Auch im Schoße der Kommission selbst haben diese harten Vorschläge lebhaften Widerspruch gefunden. Die Kommissionsmitglieder Sir Kenelm Digby und Lord Rothschild widersprachen den Kommissionsbeschlüssen und begründeten ihre abweichende Meinung in besonderen Denkschriften. Das Memorandum Sir Digby's, dieses gewiegten UnterstaatssekretärZ des Ministeriums des Innern, werden wir demnächst in ausführlichem Auszug wiedergeben. Lord Rothschild schloß sich den Ausführungen seines Gesinnungsgenossen vollinhaltlich an und fügte noch seinerseits hinzu, daß die Errichtung der verbotenen Rayons eine über das Ziel weit hinausgehende Wirkung haben und u. a. die Lösung der Wohnungsfrage auf kommunalgesetzlichem Wege hemmen wird. Nachdem Lord Rothschild das in dem Bericht der Kommission kritisirte Resultat der Volkszählung pro 1901 in Bezug auf Ostlondon demnach vollkommen richtig hingestellt hat. wandte er sich gegen die Ausweisung der Undesir ables, indem er darauf hinwies, daß von dieser Bestimmung gerade die schwerarbeiienden Elemente unter den Einwanderern am ehesten getroffen werden dürften. Diese Immigranten haben zwar wenig oder gar keine Baarmittel, sind aber dennoch wohlgeeignet, durch schwere Arbeit sich eine ehrliche Existenz zu begründen. Die in gewissen Stadttheilen Londons zweifellos vorhandene Wohnungsnoth läßt sich auch durch weit weniger drastische Mittel beseitigen. London, 17. Aug. Der Bericht des britischen Generalkonsuls zu Odessa über die Kischinew-Affäre wird offen als mit Hilfe der jetzigen russischen Beamten zu Stande gekommen erklärt. Trotzdem ist der Kon-- sul in der Lage, die Ausschreitungen schlechtweg der Unthätigkeit des abgegangenen Gouverneurs zuzuschreiben. Der Bericht stellt fest, daß die Soldaten passive, ja sympathisirende Zuschauer waren und daß der Gouverneur zu Hause blieb und telephonische Ordres gab, die nicht berücksichtigt wurden. Erst am Montag Abend wagte er die Truppen zur Thätigkeit zu veranlassen. Die Mordthaten hörten damit automatisch auf und die Soldaten hatten daher keine Veranlassung. thätlich mit der Waffe vorzugehen. Wenn die Behörden rechtzeitig energisch eingegriffen hätten, so würden die Ausschreitungen im frühesten Stadium aufgehört haben. Es wird vielfach augcnvmmen, daß die Banden, die gleichzeitig an weit entfernten Orten arbeiteten, wohl organisirt waren. Es heißt, sie seien in numerirte Kompagnien emgetheilt gewesen. Authentische Beweise hierüber sind jedoch nicht mehr verfiigbar. Blätter, wie „Times" und „Morning Post", beurtheilen den sehr objektiven und diskreten Bericht als vernichtende Anklage gegen die russische Bureaukratie und glauben nicht an den Ernst der Regierung, angemessene Strafen zu verhängen. Feuilleton. urückgefunden Wovelre von Babette Fried, Prag. 12 „Sie können doch Deutsch mit den Gasten sprechen." sagte Dansky im Tone der tiefsten Verbitterung. . „Deutsch? Sie scherzen wohl, Herr Doktor! Die ganze Manifestation, wie sie hier aus Anlaß der Denkmalsenthüllung veranstaltet wird, ist doch eine deutschfeindliche und hat eine panslavische Vereinigung zum Zwecke." „Ja, so sagte man auch mir zu Hause, als ich zu dieser Reise ausersehen wurde; aber die Wirklichkeit spottet jedes politischen Uebereinkommens. Mutter Slavia hat alle ihre getreuen Söhne zusammenberufen, urn hier einen festen Bund gegen ihren Unterdrücker, den Deutschen, zu schließen. Das Herz voll von diesem Ideale habe ich meine Heimath verlassen, dem auch an mich ergangenen Ruse Slavias zu folgen, bereitete mich vor, um mit begeisterten Worten für die große, erhabene Idee eines verbündeten, mächtigen Slavenreiches zu wirken. Vertreter der slavischen Nation sind gekommen aus meiner Heimath. dem Polenlande, sind erschienen aus Rußland, Ungarn, sie weilen hier im bunten Durcheinander mit Ruthenen. Kroaten, Serben. Slovenen, Slovaken. Wir kamen heute Vormittag zu einer Besprechung im Theatersaale zusammen. Der Bürgermeister der. Stadt, Sabor, eröffnete diese mit einer kurzen aber schwungvollen Begrüßungsrede in seiner Muttersprache. Wahrend dieser Rede beobachtete ich die fremden Herren,"welche sich im gedrängt vollen Saale befanden und bemerkte an vielen, und gerade den bedeutendsten, den Ausdruck von Gleichgiltigkeit. wenn nicht gar Gelangweiltheit im Gesichte, was einzig und allein dem Umstand entsprang, daß sie die Begrüßungsrede gar nicht verstanden hatten. Als der Bürgermeister geendet hatte, erscholl ein hundertstimmiges „Slava"- (Hoch-) Rufen. Das Wort Slava dürfte das einzige czechische Wort sein, welches sie fehlerfrei aussprechen konnten. Diese Herren, gewiß feurige Patrioten, und für die heilige Sache, die wir jifap yj juwqeyyjftju Jiijl jy |f ■ gg

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