Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1903)
- Date
- 1903-08-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1452 bald* des größten Zuspruches erfreute und auch bald von Angehörigen der anderen Richtung stark frequentirt wurde. Die Ez-Chajim-Gemeinde selbst gelangte unter seiner Führung zum Blühen und Gedeihen, und als ihm vom Konsistorium die Stelle in Quatzenheim übertragen wurde, wußte er, daß er die Straßburger Separat-Gemeinde mit Ruhe ihrer Weiterentwicklung überlassen durfte. Von Quatzenheim wurde der Herr Rabbiner nach Oberehnheim, dem Geburtsorte Rabbi Joselmanns berufen und von da nach Zabern, wo er seit einer Reihe von Jahren überaus segensreich wirkt. Da vergeht nicht ein Lag, an dem nicht so und so viele Schiurim abgehalten werden mit großen und kleinen Schülern, da wird Mikrah, Mischna und Gemorah gelernt und gar viele Schüler, die er aufgestellt hat, sind heute eine Zierde für das wahre Judenthum. Auch schriftstellerisch hat sich der Herr Rabbiner vielfach bewährt, und der „Israelit" genießt den Vorzug, daß dessen beste Arbeiten in demselben zum Abdruck gelangten, meistens allerdings ohne daß die Leser von der Person des Verfassers Kenntniß hatten, denn in seiner Bescheidenheit benutzte der Herr Rabbi angenommene Namen wie Sta, Maurice Macon etc. So manche hervorragende wissenschaftliche Arbeit, aus den elsässischen Landes - Archiven zusammengestellt, ruht, wie wir wohl verrathen dürfen, noch im Pulte des Jubilars. und wenn wir hier einen Wunsch äussprechen so ist es der, daß der verehrte Herr Rabbiner diese Arbeiten nicht zu lange mehr der Allgemeinheit vorenthalten möge. Don dem vielen Guten, was der Herr Dr. auf dem Gebiete der Zedakah und der Errichtung und Erhaltung der altjüdischen Institutionen geleistet und noch leistet, wollen wir schweigen. Mikzas fchwochau befonof: und. so wünschen wir ihm und seiner werthen Familie, daß ihm der Allgütige den Beistand verleihen möge, bis in's späteste Alter in dieser Weise fortzuwirken in Gesundheit und Glück. S'char Mizwoh, Mizwoh. M. F. Schwerz. Basel, 18. 2lug. Dieser Tage verschied nach kurzer Krankheit Herr Salomon L ä m m l e. der ein Menschenalter hindurch in Mühlhausen als Gemeindediener ihätig gewesen und der die letzten wohlverdient ten Jahre der Ruhe im Hause seiner hier lebenden Tochter zugebracht hattet Mit der Beerdigung des Herrn Lämmle wurde nun der neue israelitische Friedhof in Basel eingeweiht. Die Herren Rabbiner Dr. Cohn und Oberkantor D r u j a n waren aus der Sommerfrische herbeigeeilt, um die Feier würdig zu gestalten. Während die Beerdigung um 10 Uhr Vormittags stattfand, versammelten sich schon in aller Frühe die in Basel anwesenden Kohanim. um dem alten, heiligen Brauche gemäß das erste Grab graben zu helfen. Um 10 Uhr setzte sich vom Sterbehause aus das imposante Leichengefolge in Bewegung, zum ersten Male unter Begleitung der staatlichen Beamten. Nach zirka 40 Minuten war der israelitische Friedhof, der an der Grenze Basels gegen Burgfelden hin gelegen ist und der mit seiner musterhaften Einrichtung einen vortrefflichen Eindruck macht, erreicht. Nach einigen Worten des Herrn Rabbiner Dr. Cohn öffnete Herr S. Günzburger-Hirsch, als Vize-Präsident der Gemeinde, das Thor, und das Leichengefolge betrat den Friedhof. Hier ordnete sich sogleich der Zug, und die Anwesenden umschritten den ganzen Friedhof, indem Herr Qberkantor D r u j a n mit seiner wohllautenden Stimme Psalmen rezitirte, während der Chor der Andächtigen laut einfiel. Dann sang Herr Drujan ein stimmungsvolles Solo D' 1M2 vurr, und nunmehr hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn nach Verrichtung der üblichen Gebete dem Verstorbenen den ehrenden Nachruf und die Weiherede. Er erinnerte daran, daß vor ca. 500 Jahren die damalige israelitische Gemeinde einen Friedhof in Basel besessen,' der bei der Vertreibung der Juden ein Opfer der Volkswuth geworden, und pries Gott cvwn rwe, der die Zeiten ändert, der die Völker begreifen ließ, daß sie uns die Menschen- und Bürgerrechte nicht vorenthalten dürfen, und der durch eine weise und gerechte Regierung den sehnlichen Wunsch der israelitischen Gemeinde nach Errichtung eines eigenen Friedhofes erfüllen ließ. Er schilderte hierauf die Bedeutung des Friedhofes, der zunächst „der gute Ort" sei. an dem der Erdenpilger nach den Leiden und Kämpfen des Lebens sankt ausruht. Dann aber zeigte der Redner an der Hand einer sinnigen talmudischen Erklärung, daß der Friedhof seinem Namen c^y nu „Haus der Ewigkeit" entsprechend die Pforte sei zu einer andern Welt, für die dieses Leben nur eine Vorbereitung sei. Endlich knüpfte der Redner an den Ausspruch eines Weisen an, der auch von einem modernen Dichter verwerthet worden ist: „Man fragte ihn, warum lebst Du?" und ec antwortete: „weil ich gestorben bin." um den dritten Namen des Friedhofes D*rn ro „Haus des Lebens" dahin zu erklären, daß dieser Platz uns lebrt, wie wir leben sollen; daß wir nicht leben sollen allein für das. was vergänglich ist. sondern daß wir Thaten schaffen, die. wenn einst unser Körper stirbt, leben und unsere Fürsprecher sein sollen am Throne Gottes. Am Ende feiner Rede bat der Rabbiner die Gemeinde mit zu Herzen gehenden Worten, dem jüdischen Friedhof seinen Schmuck, das ist die Schmucklosigkeit der Gräber, und damit das jüdische Prinzip der-Gleichheit Aller im Tode, zu erhalten. Mit den herzlichsten Segensworten für die Gemeinde schloß er die erhebende Feier, die allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Die Chewra Kadischa war unter Führung des Herrn Eisenmann vollzählig erschienen und das greise Mitglied derselben, Herr S. Dreyfus-Neumanr^, der Ebrenprä-