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Der Israelit · 1903-08-20 · Heft 66 (20.8.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 66 (20.8.1903)
Date
1903-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ganda machen, daneben auch einen starken ideellen und niateriellen Stützpunkt für die angeschlossenen Vereine bieten. Köln, 12. Aug. Auf einer Geschäftsreise kam ich gegen Ende voriger Woche nach Köln und beschloß, den Sabbat dort zuzubringen. Aus den Blättern hatte ich erfahren, daß der Nestor der deutschen Rabbiner, der emeritirte Seminardirektor Herr Dr. H. Plato am Freitag -sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum gefeiert; ich brachte dem längst hochverehrten Manne daher nachträglich meine wärmsten Glückwünsche dar. Freudig überrascht war ich über die seltene Geistesfrische des nunmehr Einundachtzigjährigen, um die ihn manch' Jüngerer beneiden dürfte. Ich war nicht ohne Vorurtheil nach Köln gekommen; in meiner Heimath hatte man erzählt, daß Herr Dr. Plato, obgleich nicht mehr im Stande, die Geschäfte seines Amtes zu versehen, dennoch die Anstellung eines Nachfolgers um jeden Preis zu hintertreiben wisse. Von zuverlässiger Seite habe ich jedoch die Versicherung erhalten, daß dieses Gerede der Wahrheit geradezu in's Antlitz schlägt. Allerdings findet Herr Dr. Plato als Fachmann dieetwa pädagogischen Mängel eines Kandidaten rascher als andere, und fühlt sich selbstverständlich verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen. Dennoch hat er wiederholt erklärt, daß er jedem vom Kuratorium Gewählten, falls demselben noch eine Stimme fehlen sollte, sein? Stimme' geben würde. Zwei Kandidaten hat er selbst in Vorschlag gebracht und ist für den einen, den er persönlich kennt, mit vollster Wärme eingetreten. Doch wurde derselbe, wie überhaupt alle, die vom Kuratorium aufgefordert wurden, sich um den vakanten Posten zu bewerben, von in Köln wohlbekannter Seite veranlaßt, seine Bewerbung zurückzuziehen. . — Es ist allerdings sehr zu beklagen, daß dieser wichtige Posten so lange unbesetzt bleibt, doch liegt die Schuld keineswegs an Herrn Dr. Plato, der selten eine Gelegenheit vorübergehen läßt, ohne auf die Nachtheile hinzudeuten, die ein längeres Interregnum, wie er sich scherzhaft ausdrückt, nach sich ziehen könnte. Gebe der Himmel, daß für diesen so hochwichtigen Posten der richtige Mann nicht nur recht bald gefunden, sondern auch recht bald angestellt werde. Czarnikan, 16. Aug. Nachdem bereits alle hiesigen Hausbesitzer, sowie Bahnhof, Post u. s. w. Gasbeleuchtung hatten, fehlte dieses nur noch in unserem Gotteshause. Die Gemeindevertreter hatten vorläufig noch davon Abstand genommen, weil die vorhandenen Petroleumkronen und Lampen noch sehr gut erhalten waren. Vor einigen Wochen waren die Kaufleute Gebr. S e e l i g e r aus Berlin, welche geborene Czarnikauer sind, zur Jahrzeit ihres Vaters hier. Bei ihrer Anwesenheit in der Synagoge fiel ihnen auf, daß das Gotteshaus noch nicht Gasbeleuchtung hatte. -Noch im Laufe desselben Tages beschlossen sie, im Einverstandniß mit ihrer Mutter, auf ihre Kosten eine Gasbeleuchtung für unsere Synagoge zu beschaffen und beauftragten den praktischen Arzt Dr. Michelsohn, den Korporationsvorstand davon in Kenntnih zu setzen, auch übergaben sie Herrn Michelsohn die Leitung und Führung zur Beschaffung und Ausführung der Gasbeleuchtung. Dank der schnellen und sauberen Ausführung des hiesigen Gasmeisters konnte schon Freitag Abend die Einweihung des Sabbats in unserem Gotteshause bei der schönen und herrlichen Gasglühlichtbeleuchtung stattfinden. Es brannten im Ganzen 84 Flammen, die Synagoge war tageshell erleuchtet. Anwesend waren auch sehr viele christliche Mitbürger, so unter anderen der Bürgermeister Zages, von den Stadtverordneten waren folgende Herren anwesend: Kaufmann Maske, Kreissparkassen-Rendant Schwantos, Apotheker Dr. Selle, Maurermeister Döbeling und noch viele andere mehr. Dr. Michelsohn hielt einen Vortrag, in welchem er zuerst Namens der Spender, Frau Seeliger und ihrer Söhne die Gasbeleuchtung der Gemeinde übergab, dann dankte er dem Gasmeister, den Handwerkern und allen Arbeitern für die schöne, schnelle und saubere Ausführung, und hauptsächlich dem Bürgermeister Zages dankte er für sein warmes Interesse, welches er an der Herstellung der neuen Einrichtung bezeugt hat, und endlich dankte er allen anwesenden Gästen für ihr Erscheinen u. s. w. Dann betrat Rabbiner Dr. W e y l die Kanzel und sprach sich lobend über die schöne Einrichtung aus, auch dankte er in sehr warmen Worten den Spendern für Herstellung der Beleuchtung und hob noch ganz besonders hervor, daß die Familie Seeliger sich schon öfters durch Spenden an unserer Kultusgemeinde her-, vorgcthan hat; so hatten die Söhne aus Adlaß der vor drei Jahren gefeierten' goldenen Hochzeit ihrer Eltern eine Thorarolle mit schwerer, silberner Krone und ebensolchem Schild für die hiesige Synagoge gespendet etc. Sowohl der Herr Bürgermeister, wie auch die anderen christlichen Herren blieben bis zum Schluß der Andacht in der Synagoge. Die noch sehr gut erhaltenen Petroleumlampen sollen an eine kleinere jüdische Gemeinde für ihr Gotteshaus verschenkt werden. Zaber» (Elsaß), 18. Aug. Einer der eifrigsten Vorkämpfer für das gesetzestreue Judenthum in den Reichslanden, unser allverehrter Herr Rabbiner Dr. Max Staripolsky, begeht am 23. d. Mts. sein fünfnndzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Herr Rabbiner Staripolsky befand sich fast während seiner ganzen Thätigkeit auf exponirtem Posten, und für die Reform und den Unglauben war er immer der bestgehaßte Mann im ganzen Elsaß. Bon der Religions- Gesellschaft in Stuttgart an die neugegründete Ez- ' Ehajim-Gemeinde in Straßburg berufen, war es sein Erstes, hier eine Religionsschule zu errichten, hie sich

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