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Der Israelit · 1903-08-17 · Heft 65 (17.8.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 65 (17.8.1903)
Date
1903-08-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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u«?y MM '««RKÄS KN^WZM ^aaaass^ ■■t-jtJSZ? k. rüber erhalten wir aus Wilna erklärende Mittheilungen: Der Fehler liegt an dem System der „I. C. Unter allen Umständen dürften die Wohnungen nicht den beschämenden Titel „Armenwohnungen" tragen, denn trotz allem Elend und aller Roth besitzt die jüdische Bevölkerung Rußlands noch so viel Selbstbewußtsein, daß sie — wenigstens so lange sie sich selbstständig ernährt — nicht als offizielle Arme siigmatisirt sein wollen. Für diejenigen aber, bei denen auch dieser Stolz schon gebrochen, sind die „Armenwohnungen". viel zu theuer. Für zwei Zimmer und Küche kann diese Schichte der Bevölkerung keine sechzig Rubel per Jahr — denn so viel kosten sie — zahlen, und die sogenannten „besseren" Leute wollen sich von der „I. C. A." nichts schenken lassen. Red. d. „Jsr.") 5) Die Fabrik inDubrowno. Die von der Dnjeperschen Spinnereigesellschaft (Vorsitzender Lazar Poliakow) mit Vetheiligung der „I. C. A." mit einem Kostenaufwand von etwa 700,000 Mt. aufgeführte Spinnerei und Weberei in Dubrowno hat den Zweck, den dortigen berühmten jüdischen Talliswebern eine bessere Existenz zu verschaffen. Das Fabrikgebäude ist fertiggestellt und 224 Arbeiter sind bereits in Thätigkeit. Die Fabrik wird auch Seidenweberei betreiben. VIII. Rumänien. In Rumänien betreibt die Gesellschaft seit drei Jahren eine weise und planvolle Auswanderungspoli- Pnlitik. Dann aber werden da von ihr eine Reihe von Bildungsanstalten unterhalten. 1) DasSchulwesen. Die „I. C. A." unterhält in 16 Städten 35 Schulen mit 7624 Zöglingen. Darunter befinden sich nur sechs Erziehungsanstalten und zwar eine Handwerkerschule, eine Industrieschule für Mädchen, zwei Handelsschulen und zwei HauShaltungsschulen. Alle übrigen Anstalten sind Bildungsanstalten, in denen 4329 Knaben und 2399 Mädchen, denen die barbarische Regierung die allgemeine Volksschulen versperrt, eine primäre Schulbildung erhalten. Bezeichnend für die unter den rumänischen Juden herrschende Armuth ist die Thatsache, daß 15 pCt. aller Kinder die Schulen vorzeitig verlassen müssen. Die brodlosen Eltern sind nicht im Stande die Kinder über die Schulzeit zu ernähren und nehmen sie vorzeitig aus der Schule, damit sie ihnen verdienen helfen. J.n manchen Schulen bleiben die Kinder während der Winterzeit massenhaft weg, >"eil es ihnen an warmer Kleidung fehlt und sie sich in der Kälte nicht aus dem Hause wagen. Weit bessere Erfolge als mit den Schulen hat die Gesellschaft mit dem 2) Auswanderungswesen erzielt. Die Leitung dieser wichtigen Angelegenheit ist in die Hand des Herrn Ad. S a l o m o n, einem Vukarester Industriellen, gelegt worden, der mit Hilfe der Bnai- Brith-Logen über ganz Rumänien ein Netz von Auswanderungsbureaus organisirt hat. In Folge dessen geht die Auswanderung glatt, geräuschlos und überaus wirksam von statten. Es wandern zunächst die Junggeselle^ resp. solche Familienväter aus, die in der Lage sind, ihre Angehörigen für einige Zeit, die sie brauchen, um sich drüben eine Existenz zu schaffen, zu Hause zurück zu lassen. In zweiter Reihe wandern Frauen. Kinder und Greise aus, um ihren Ernährern, in die weite Ferne zu folgen. Endlich kommt noch eine dritte Kategorie von Auswanderern hinzu, die zwar auf eigene Kosten reisen, die aber von der „I. C. A." durch Rath und moralische Hilfe unterstützt werden. Auf diese Weise haben ohne wesentlichen Lärm im Berichtsjahre nicht weniger als 7800 Personen das Land Sodom verlassen, um jenseits des Meeres eine bessere Heimath zu finden.; XI. Galizien. Nebst einer kleinen Tischlerwerkstätte mit elf Schülern in Tarnow, der hundert Personen beschäftigenden Puppenfabrik ebendaselbst und dem.Atelier für Tricotarbeiterinnen, unterhält die Gesellschaft in Galizien die Domäne und Ackerbauschule in Slobodka- Lesna und sechs Vorschußkassen. 1) Slobodka-Lesna. Das 16 Km. von Kolomea entfernte Gut umfaßt 872 Ha., von denen 360 an 40 Personen verpachtet sind, während der Rest direkt bewirthschaftet wird. Die Ackerbauschule unterrichtet 68 Zöglinge. 2) Vorschußkassen. Glänzende Resultate hat die „I. C. A." mit den Vorschußkassen erzielt, die in kurzer Zeit bei den galizischen Juden sehr populär geworden sind. Die bis jetzt errichteten sechs Kassen zählen 3912 Mitglieder, welche 7929 Antheilscheine für 78,791 Kronen erworben haben. Seit drei Jahren haben die Kassen zusammen 1,197,665 Kronen ausaeliehen und von den Darlehen 901,974 Kr. zurückerhalten, während der Rest am Ende des Berichtsjahres sich noch in Circulation befand. Der gesammte Reservefond belief sich zur selben Zeit auf 12,952 Kr. So werden die kleinen Leute in Galizien zur Selbsthilfe erzogen und gleichzeitig wird in ihnen das Gefühl erweckt, daß für sie noch lange nicht alles verloren ist, daß sie vielmehr mit vereinten Kräften für sich selber noch sehr viel thun könnten. X. Diverses. Die Unterstützung, welche die „I. C. A." der „Alliance" gewährte, soll im Jahre 1901 den Betrag von 465,000 Mk. erreicht haben. Der „Deutsch- Israelitische Gemeindebund" hat. das zur Errichtung der Arbeitskolonie in Weißcnsee erhaltene Darlehen von 160,000 Mk. zurückgezahlt. Daneben hat die Gesellschaft einige Institutionen in Deutschland, Enqj land und der Türkei zum Theil mit namhaften Beträgen unterstützt. Wir heben aus diesen hervor: Den Board of Guardians zu London zur Unterstützung

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