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Der Israelit · 1903-08-17 · Heft 65 (17.8.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 65 (17.8.1903)
Date
1903-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Juden, verpachtet. 121 an 84 Griechen vermiethet und 157 in eigener Regie bearbeitet. Die Ackerbau-; schule von Or Jehudah zählt jetzt 64 Zöglinge. Domaine und Schule haben im Vorjahre 241.806 Mk. erfordert. VII. Rußland. Nebst den Kolonien in Argentinien wendet die „I. C. 91." mit vollem Recht ihr Interesse den Juden Rußlands zu. Ein mit großen Kosten (im vorigen Jahre 65,000 Mk.) in Petersburg unterhaltenes Central-Komitee dient dem Verwaltungsrath gleichzeitig als berathende Körperschaft und ausführendes Organ. In erster Reihe fördert die „I. C. A." in Rußland 1) Das Unterrichtswesen, wobei sie, auf dieser Bahn weiter schreitend, sich jetzt nicht mehr mit Erziehungsanstalten begnügt, sondern auch immer mehr reine Bildungsanstalten zu fördern beginnt. In diesem Jahre wurden unterstützt resp. vollständig unterhalten 5 Acker- und 2 Garten- resp. vollständig unterhalten 5 Acker- und 2 G a r - tenbauschulen mit einem Landbesitz von 1188 Ha., 20 Lehrern und 163 Schülern. Ferner zählen wir 13 Handwerkerschulen mit 1400 Zöglingen, 7 I n d u st r i e s ch u l e n für M ä d ch e n mit 998 Schülerinnen und zwei gemischte Anstalten mit 300 Knaben und 328 Mädchen. Im Ganzen werden also in Rußland nicht weniger als 3241 jüdische Kinder zu tüchtigen Landwirthen und modernen Handwerkern erzogen. Dazu kommen noch zwei einfache Arbeitsst u b e n , in den 52 Mädchen nützliche Handarbeiten erlernen. Die Zahl der Arbeitsstuben ist in Wirklichkeit bei weitem größer, da die meisten Handwerks- und Industrieschulen solche Arbeitsstuben zur praktischen Erlernung zahlreicher Berufe aufwcisen. So zählen wir im Berichte nicht weniger als 20 solche Werkstätten, in den 1953 Knaben und Mädchen einen Beruf erlernten. Leider wird die Wirkung dieser mit großen -Kosten verbundenen Anstalten — im Jahre 1901 wurden für Unterrichiszwecke 446,321 Mk. verausgabt — dürch die große Ärmuth der Juden wieder illusorisch gemacht. Von 550 Zöglingen, die im Berichtsjahre die Anstals verlassen haben, haben nur 205 den ganzen llnterrichtskursus durchgemacht. 345 — 63 pCt. aller Zöglinge m u ß t e n d e7l Unterricht vorzeitig unterbrechen, da ihre nothleidenden Angehörigen sie nicht länger ernähren konnten, resp. auf die Kinderarbeit angewiesen waren. Diese Zahlen sollen denl Verwaltungsrath der „I. C. A." zu denken geben und seine Aufmerksamkeit auf die Pflege der Abend- und-Samstagschulen für Erwachsene lenken. Einstweilen schreitet die „I. C. A." auf der. nach unserer Ansicht, falschen Bahn weiter und hat sich von dem unter Vorsitz des Baron Horaz Günzburg wirkenden „Verein zur Verbreitung - - . i i von Bildung unter den russischen Juden" immer mehr * zur Unterhaltung von reinen Bildungsanstalten verleiten lassen. Die Zahl der von der „I. E. A." alljährlich in Primärschulen unterrichteten jüdischen Kinder ist von 1760 im Jahre 1901 auf 5560 im Berichtsjahre angeschwollen und soll im nächsten Jahre noch eine weiter Verdoppelung erfahren. 2) Die jüdischen Kolonien erfreuen sich nach wie vor der sorgfältigen Beachtung der Gesellschaft. Namentlich wendet sie ihr Interesse seit einigen Jahren den Äotonien in den sechs Gouvernements des Nord westen des Ansiedlungsrayon zu. Es handelt sich hier um nicht weniger als 1984 Kolonisten, d. h. um nahenzu doppelt so viel, als in sämmtlichen Kolonien Argentiniens. Die in den früheren schöneren Zeiten begründeten jüdischen Dörfer leiden jetzt sehr an Landknappheit: es besitzen 253 Kolonisten gar kein Land mehr, während 616 weniger als 5 Ha. besitzen. Es können demnach 859, d. h. 43,7 pCt. aller Kolonisten sich von dem Ertrage ihres Bodens nicht mehr ernähren. Da an einen Zukauf von Land unter der Herrschaft der Maigesetze nicht zu denken ist. wird versucht, das Einkommen der jüdischen Ackerbauer durch Jntensivwirtschaft zu steigern. Obstkultur, Gemüsebau und künstlicher Dünger sollen den Kolonisten auf die Beine helfen. Dasselbe geschieht in den zahlreichen jüdischen landwirtschaftlichen Niederlassungen der Gouvernements Bessarabien und Podoli e n . wo zu den Obst- und Weingärten seit 1901 die Herstellung landwirthschaftlicher Conserven hinzukamen. Jntensivkultur und Vorschußkassen sollen auch die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bauern im Gouvernement Cherson verbessern helfen. 3) Darlehenskassen. Das unter den russischen Juden erwachte Bestreben, durch auf genossenschaftlicher Basis errichtete Darlehenskassen die trostlose Lage der Handwerker und der zahllosen „Kaufleute ohne einen Pfg. Kapital" zu heben, findet an der „I. C. A." eine kräftige Stütze. 13 solche Kassen mit 7600 Mitgliedern haben von der Gesellschaft Darlehen erhalten. 4) Die billigen Wohnungen in Wilna sind beider jüdischen Bevölkerung noch immer. wenig beliebt. Trotz aller gebotenen Bequemlichkeit sind von den mit einem Kostenaufwand von etwa 620,000 Mk. 1903 errichteten in Wilna aufgeführten zwei Häusern zur Bermiethung verfügbarer 194 Wohnungen 21 noch immer unvermietet. Solche Wohnungen sollen nunmehr in größerer Anzahl in dem im vorigen Jahre abgebrannten V o b r u i s k i errichtet werden. Bis jetzt sind da zwei große Häuser aufgeführt worden. Die Institution wird von einer Aktiengesellschaft unter Vorsitz des Baron Günzburg geleitet. (Weßhalb die „billigen Wohnungen" bei der jüdischen Bevölkerung in Rußland nicht beliebt sind, daj

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