Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1903)
- Date
- 1903-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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England. London, 12. Aug. Ueber die Vorschläge zur Erschwerung der Einwanderung wird gemeldet: Die Komiffion für Fremdeneinwanderung empfiehlt, daß die Einwanderung gewisser Klassen von Fremden unter staatliche Ueberwachung gestellt werde. Ein Einwanderungsamt soll errichtet werden, um den Zutritt von Personen mit schlechtem Leumund, die dem Staate lästig werden könnten, sowie von solchen, die an ekelerregenden und ansteckenden Krankheiten leiden, zu verhindern. Die Kommission stellt fest, daß die letzte Zunahme der Einwanderung hauptsächlich dem Zufluß russischer und polnischer Juden zuzuschreiben sei, und empfiehlt besonders die Ueberwachung der aus dem östlichen Europa kommenden Einwanderer. Die Schiffseigenthümer sollen gehalten sein. Einwanderer gegebenenfalls nach dem Einschiffungshafen zurückzubringen. Alle Einwanderer sollen, wenn fie irgend eines Vergehens schuldig erkannt sind, eingeschrieben werden. Der Richter soll befugt sein, ein Einwanderer zum Verlassen des Landes anzuhalten, und wenn dieser nicht gehorcht, soll er als Landstreicher bestraft werden. Amerika. Nelv-Nork, 10. Aug. (Unfall in einer Synagoge.) Panik und Schrecken herrschte dieser Tage unter den Andächtigen, welche sich in der Synagoge Nr. 62 Moore Str. zum Gebet versammelt hatten. Rabbiner Rosenberg leitete zur Zeit den Gottesdienst. Plötzlich während des Gebetes fiel aus irgend einem bis jetzt noch unaufgeklärten Grunde das Oberlicht im Dach der Synagoge, welches 4 Fuß lang und 6 Fuß breit ist, herunter, mitten unter die Andächtigen. Daß Niemand dabei getödtet wurde, ist als ein Wunder zu betrachten. Vier Personen wurden indessen ziemlich schwer durch die fallenden Glassplitter verletzt und mußten von zwei Ambulanzärzten in Behandlung genommen werden. $ e u i i l e i o n» strückgefunden ■gloDeffe von Babette Fried, Prag. Es war in der königlichen Kreisstadt Tabor an der Lucznitz. Wer diese schöne, im südlichen Theile Böhmens gelegene Stadl nicht kennt, dem diene zur Nachricht, daß sie nicht wie Rom auf sieben Hügeln erbaut ist, sondern auf einem einzigen, dafür aber recht hohen, gegenden Fluß zu steil abfallenden Berge. Die Stadt verdankt ihr Entstehen dem Hussitenführer Jan Zizka von Troenaw, der auf diesem damals unbezwinglichen Felsen im Jahre 1420 sein Lager aufschlug, es mit starken Wällen und Thürmen umgab und es seiner Gewohnheit gemäß mit einem biblischen Namen — Tabor — benannte, ebenso wie der neben der Stadt angelegte große Teich, welcher die Stadt mit Wasser versorgte, seit damals noch immer „Jordan" genannt wird. Zizka und seine Schaaren sind längst den Weg alles Fleisches gegangen, aber die Stadt Tabor besteht noch immer, dehnt und streckt sich nach der einen Seite hin, wo ihrer Ausbreitung kerne Terrainschwierigkeiten im Wege stehen. Gar vieles ließe sich zum Lobe dieser guten Stadt sagen, aber nur eine schöne Eigenschaft möge hier erwähnt werden: die opferwillige Dankbarkeit, welche sie beseelt, gegen ihrm Gründer und Erbauer. So ging sie daran, unterstützt von der ganzen slavischen Welt, demselben ein Monument zu stellen. Ein Monument im Herzen der Nachkommen, das genügte nicht. Denn was ist vergänglicher, als Dankbarkeit im menschlichen Herzen? Das weiche, veränderliche Herz ist kein Material, worin die Verdienste eines Städtegründers und Volksbefreiers eingegraben werden. Dem Manne aus Eisen mußte ein Denkmal aus Erz geschaffen werden, auf daß die staunende Mit- und bewundernde Nachwelt erfahre, von welcher Dankbarkeit die Stadt Tabor gegen ihren Gründer beseelt ist. Auf einem hohen Granitblocke, um und um von breiten Steinstufen umgeben, erhebt sich das stolze, aus Erz gegossene Vildniß des Taboriter Helden. Vom hohen Sockel herab blickt sein einziges Auge drohend und finster auf die Feinde des Vaterlandes, während die ausgestreckte Hand den Freunden desselben und seinen treuen Söhnen ermuthigend zuwinkt. Fest steht das Monument da. wie sein Urbild einst gestanden, in seiner Ausführung den Wahlspruch des Helden versinnbildlichend: dem Freunde zum Schutze, dem Feinde zum Trutze! Im Sommer des Jahres 1877 war das große Werk vollendet, und ungeduldig harrte die Bevölkerung der Stadt des Tages, an welchem die Hülle fallen und es in seiner ganzen Pracht den Blicken Aller zugänglich sein würde. Ein Festtag sollte dies werden für die gesammte, slavische Welt. Einladungen waren ergangen an alle Communen, an die größeren Sokol-*) und Gesangvereine der großen, slavischen Nation. Vom hohen Norden Rußland bis zum sonnigen Süden des Reiches waren Deputationen erschienen. um das große, allslavische Verbrüderungsfest mitzufeiern und demselben einen erhöhten Glanz zu verleihen. *) Czechische. bezw. slavische Turnvereine.