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Der Israelit · 1903-08-17 · Heft 65 (17.8.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 65 (17.8.1903)
Date
1903-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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'v;y? -r py r-y ^' ** »:*'*."??&*? 'frr.*>\ :^„'Mlf.<r.ä..lX'rVv^. nyn**y 14B7 bekundet sie. daß sie die Jugend, das Heranwachsende Geschlecht im Geiste der Religion, d. i. im Geiste der Frömmigkeit, der Rechtschaffenheit, der Liebe und Treue gegen König und Vaterland erziehen und bilden will, dann bekundet sie, daß sie. wie Jakob, Gott an der Spitze der Leiter sieht, und Ihm zu Ehren ein Gotteshaus erbauen will, in dem sie den Namen Gottes anrufen und heiligen, zu Ihm beten und flehen, vor Ihm ihr Herz ausschütten und in Ehrfurcht und Demuth Haupt und Knie beugen wolle! Und so wollen wir den Segen Gottes auf's Haupt der gotesfürchtigen Gemeinde herabflehen, auf's Haupt ihres Vorstandes, der in freudiger Begeisterung kein Opfer, keine Mühe scheute, um zur Ehre Gottes dieses Haus zu erbauen, auf's Haupt all der Wohlthäter, die den Bau des Heiligthums mit ihrer besten Kraft fördern, auf's Haupt der hohen Behörde, unter deren Schutz das Heiligthum aufgeführt und aufgerichtet wird! Und so schließen wir mit dem Gebet des frommen Königs: cw?n. „Und so sei die Huld des Herrn, unseres Gottes, auf uns und unserer Hände Werk, o fördere es bei uns, ja, unserer Hände Werk, o fördere es, Herr, in Deiner Gnade und Barmherzigkeit (Psalm 90. 17). Amen! Und so lasset uns denn zur Grundsteinlegung schreiten, indem wir diese Urkunde in die Tiefen der Erde senken und unseren Blick zu den Höhen des Himmels erheben! Es folgten die drei üblichen Hammerschläge von Seiten des Rabbiners, begleitet von dem Schriftwort: „Und dieser Stein, den wir zu Ehren des Herrn aufgerichtet, soll ein Gotteshaus sein!" Herr Bürgermeister, Herr Pastor Frebig. Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Drescher, Oberleutnant Dr. Levn, der überaus verdienstvolle Vorsitzende der Gemeinde Herr Samelson u. s. w.. alle begleiteten ihre Hammerschläge mit sinnigen Sprüchen, und bei einem Glase Wein gab später Alles seiner Freude Ausdruck ob der gelungenen und unvergeßlichen Feier. Rußland. Äischinew. Die Beerdigung der Thorarollen, welche während des Krawalles von den Barfüßlern entweiht worden, sind, fand unter Betheiligung fast der gesummten trauernde^ Kischinewer jüdischen Gemeinde am 9. Aw, dem Tage der Tempelzerstörung, in überaus feierlicher Weise statt. In einem dicht bei der Grabstätte der jüd. Märtyrer gelegenen Terrain wurde ein weites und tiefes Grab ausgehobcn und mit Cement ausgclegt. Die Thörarollen wurden einzeln in Urnen gethon und diele dann geschlossen und versiegelt in's Grab gelegt. Auf jeder einzelnen Urne wurde in erhabener Schrift^die näheren Umstände angegeben, unter den die sich in ihr befindende Thorarolle geschändet wurde. — Nebst dem Herrn v. Raaben und dem Bicegouverneur, dem. verruchten Organisator des Kischi- . newer Krawalls, Ustrugow, werden noch eine große Anzahl anderer pflichtvergessener Polizeibeamten demnächst Kischinew unfreiwillig verlassen müssen. So der Polizeimeister Chanshenko, der Gendarmerieoberst Branikowski nebst seinem Gehilfen Dowgall, sowie der Jsprawnik Sikow. Ebenso wird eine Anzahl kleinere Diebe bestraft, darunter der famose Pristaw Dobroselski, in dessen Wohnung man ein ganzes Waarenlager während der Krawalle gestohlener Sachen fand; ferner der Pristawgehilfe Sadoroshni, der auf die Aufforderung des Juden Berljant. sein Haus gegen die Einbrecher zu schützen, ganz laut und mit weit vernehmbarer Stimme erwiderte: „Ich werde wegen der verf.Juden mich nicht hineinmengen. Wenn cs euch hier nicht gefällt, so geht doch nach Palästina!" Endlich wird auch der elende Pristaw Solowin fliegen, weil er persönlich und in voller Uniform eine Räuberbande angeführt hat. Mit dieser Entfernung weniger Beamten, die ihn gar zu sehr comprimitirt haben, glaubt Herr v. Plehwe kür die Juden genug gethan zu haben. .Jedenfalls weist er jedes Ansinnen, die geplünderten Juden zu entschädigen, weit von sich, und hat er diese seine Ansicht einem jüdischen Kischinewer Anwalt, der ein diesbezüalichen Gesuch an ihn richtete, in einer abschlägigen Antwort offiziell bekundet. Nebst diesem gescheiterten Versuch auf adminstrativem Wege zu einer Entschädigung zu gelangen, wurde auch der gerichtliche Weg betreten. Zwei ausgeplünderte Juden haben die Herren v. Raaben und Ustrugow beim Senat auf Schadenersatz verklagt. Die Kläaer berufen sich auf die bekannte Mittheilung im „Negierungsboten." in welchem den Kischinewer Behörden offiziell Nachlässigkeit im Amte vorgeworfen wird. Dem Ausgang des Prozesses mirb in Kischinew begreiflicherweise mit großer Spannung entgegengesehen. — . Die Voruntersuchungen für den Kischinewer Krawall sind zum großen Theil beendet und die Ergebnisse dem Gerichtshöfe in Odessa zugestellt, lieber die Vorgänge in den Kischinewer Vorstädten, wo be- * kanntlich weniger geraubt als gemordet wurde, und wo das jüdische Blut in Strömen geflossen ist, sind die Voruntersuchungen noch zwar nicht abgeschlossen, dürften aber bis Mitte Sept. ebenfalls zum Abschluß gelangen. Zu diesem Termin sollen nämlich die Schwurgerichtsverhandlungen beginnen. Bezeichnenderweise werden diese nicht in Kischinew, sondern in dem im Gouvernement Cherson belcgenen Orte Tiraspol stattfinden. Offenbar traut man weder dem Kischinewer Pöbel, noch auch den Geschworenen die nöthige Ruhe und Objektivität zu.

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