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Der Israelit · 1903-08-17 · Heft 65 (17.8.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 65 (17.8.1903)
Date
1903-08-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Wesen?! Mit feinem Körper und seinem Geist?! Mit seinen irdischen und himmlischen Kräften!? Mit seinen menschlichen und göttlichen Eigenschaften! Mit seinen thierischen Lüsten und Begierden und mit seinen von Gottähnlichkeit zeugenden Gefühlen und Empfindungen?! Mit seinen Höhen und Tiefen!? Mit seiner Erhebung und Erniedrigung!? Mit seinem hellen, klaren, alles durchstrahlenden Lichte und seiner dichten, undurchdringlichen Finsterniß!? Was ist dieses wunderbare, räthselhafte Leben des Menschen!? Was anders, als eine Leiter, deren Fuß auf der Erde steht, deren Spitze aber bis an den Himmel reicht. Die Engel Gottes, d. h. die irdischen und geistigen Kräfte des Menschen, steigen auf dieser Leiter auf und nieder, die geistigen immer aufwärts, die irdischen. physischen immer abwärts; Gott aber steht oben, an der Spitze dieser Leiter, von Ihm wird das Leben des Menschen gelenkt und geleitet, die Kräfte des Menschen geschaffen und gebildet, entfaltet und entwickelt, gestärkt und gestählt, und wenn der einmal aus seinem Schlafe zur Hellen Einsicht und Erkenntniß erwacht, alles überblickt und überschaut, die Erde und alles, was da vorgeht, in's Auge faßt, dann muß er unwillkürlich mit Jakob ausrufen: Wir furchtbar ist dieser Ort! Wie ehrfnrchtgebietend der Schauplatz des menschlichen Lebens! Wahrlich, die Erde ist ein Gotteshaus, ja, die Pforte zum Himmel, und wir Menschen müssen unser Leben würdig dieses Gotteshauses gestalten, und auf der Erde unten erzittern und erbeben vor Dem, Der da ist im Himmel oben! Diese Engel, m. F., die auf der Leiter des Lebens auf- und niedersteigen, d. h. die physischen und geistigen Kräfte des Menschen, sind in ewigem Kampfe miteinander begriffen. Die physischen Kräfte wollen den Menschen nach unten, in den Abgrund, in die Tiefen der Sünde stürzen, die geistigen Kräfte ihn zu den Hohen des Himmels, zu den Höhen der Vollkommenheit, der Gottheit emportragen, das Niedrige im Menschen sucht den Menschen unablässig zu erniedrigen, zu entwürdigen; das Hohe und Erhabene im Menschen trachtet, den Menschen zu erheben, zu heiligen, zu versittlichen. Ein ewiger Streit, ein ewiger Kampf und Krieg im Innern des Menschen selber! Zwischen diesen zwei einander bekämpfenden Elementen Frieden zu stiften, zwischen Körper und Geist Harmonie und Eintracht zu schaffen, daß sich Beide miteinander vereinigen und versöhnen und zum Heile der Menschheit und zur Ehre der Gottheit miteinander einen Bund schließen, das ist die eigentliche Aufgabe des Menschen, das eigentliche Ziel des menschlichen Lebens! Diese Versöhnung und Vereinigung der verschiedenen, einander bekämpfenden Kräfte im Menschen, ist der Grundstein aller Religion, alles Glaubens, und wer diesen Grundstein in die Tiefen seines Herzens senket, in dessen Innern erhebt sich ein Tempel voll Weihe und Heiligkeit, voll Hoheit und Erhabenheit, voll Harmonie und Einheit, und aus diesem Tempel heraus ruft eine Stimme, mächtig und weithintönend: Wie ehrfurchtgebietend ist das Weltall! Wie. ehrfurchtgebietend der Schauplatz des menschlichen Lebens! Wahrlich, die Erde ist rin Gotteshaus, ja, die Pforte Zum Himmel, und wir Menschen müssen die Weihe und Heiligkeit dieses Gotteshauses zu heben und zu fördern suchen, indem, wir mit dem frommen König sprechen: n bvb w *ntoi '2^. „Mein Herz und mein Fleisch, d. h. Körper und Geist, beide vereint, sollen in Harmonie und Eintracht dem lebendigen Gottezujauchzen!" (Psalm.84, 3.) M. F.! Die Tradition berichtet: Das Del, das Jakob auf den Stein gegossen, war vom Himmel gekommen, denn wo sollte Jakob da auf freiem Felde, in öder Fremde. Oel hergenommen haben?! Das Del floß also vom Himmel herab und damit weihte er den Grundstein, der ein Gotteshaus werden sollte. Ein sinniges, tiefes Wort das. m. F.! das Oel war schon im grauen Alterthum das Symbol des Friedens, der Harmonie und Eintracht; Frieden aber. Harmonie und Eintracht zwischen Körper und Geist, zwischen unseren irdischen und himmlischen Kräften, sagten wir. ist der Grundstein aller Religion. Ziel und Zweck alles Glaubens, und diesen himmlischen Frieden gewinnen wir nur im Aufblick zu Gott, im Glauben an Gott, in Ehrfurcht und Demüth vor Gott! Wer an Gott glaubt, glaubt, daß Er. der Allmächtige, an der Spitze der Leiter steht, für den fließt das Oel himmlischen Friedens aus den Höhen des Himmels in die Tiefen der Seele, in dessen Herzen ruht jener hehre Grundstein, der, berührt von jenem himmlischen Oel, sich zu einem inneren, idealen Gotteshause gestaltet! M. g. F.! Es gibt in' der Welt verschiedene Menschen, verschiedene Stämme. Völker, Zungen. Religionen, Konfessionen; aber darin ist die ganze Menschheit einig, daß Harmonie und Eintracht zwischen Körper und Geist, Friede zwischen, den himmlischen und irdischen Kräften des Menschen, den Grundstein aller Religion, alles Glaubens bilde, und wenn heute die zwar kleine, aber altehrwürdige und stets opferwillige Gemeinde Pakosch den Grundstein zu einem Gotteshause legt, im Angesicht dieser hochachtbaren Versammlung, im Angesicht der hochachtbaren Männer, die an der Spitze der Stadi, der Gemeinde, des Kreises stehen, dann bekundet sie dadurch, daß sie das himnilische Oel des Friedens für den Grundstein ihres Gotteshauses vom himmlischen Vater erflehet, dann bekundet sie, daß sie nicht nur materielles, irdisches Glück wünscht und anstrebt, sondern die idealen Güterdes Lebens. Gottesfurcht und Frömmigkeit, Wahrheit und Weisheit, Reinheit und Lauterkeit, Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit als die edelsten und kostbarsten Güter des Lebens betrachtet, dann

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