Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1903)
- Date
- 1903-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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V ■ * ■ *.mr 1485 derpolitik, vielmehr tm Ursprung und Ziel rein akadet misch, fallen freilich auch unter den Begriff „konfessionelle Verbindungen", sind aber ganz anderer Natur, als etwa die katholischen oder protestantischen Verbindungen. Sie entstanden als ein Produkt der Intoleranz. selbst nicht intolerant, während jene aus dem willkürlichen Willen herauswuchsen, ein Sonderdasein zu führen. Ich gebe dem Einsender vollständig recht, es ist ein Unglück, wenn man bei der Jugend liberale Gesinnung sucht und sie nicht findet; nur Engherzigkeit reißt sogar den Christen vom Christen. So bedauerlich derartige Erscheinungen im akademischen Leben sind, so sehr wird man jene konfessionellen Verbindungen begreifen und anerkennen, bei denen konfessionelle Begrenzung Bedingung des seiner selbst sich bewußten Charakters und der freien menschlichen Persönlichkeit ist. Dessau, 7. Aug. Nach der jetzt vollzogenen Regulierung des von der Baronin Cohn-Oppenheim hinterlassinen Vermögens verbleiben für die Stadt Dessau als eine Hälfie etwas über fünf Millionen Mark, die zweite Hälfte erhält die hiesige israelitische Kultusgemeinde. Von der genannten Summe sind, der „Saale-Zeitung" zufolge, die Beträge für Erbschaftssteuer etc. schon in Abzug gebracht. Der anhaltschen Staatskasse., sind allein an Erbschaftssteuer ca. 1,400,000 Mark zugeflossen. Pakosch, im Aug. Es gibt auch in unserer von Rassenhaß erfüllten und die Religion als Mittel zum Bruderhasse mißbrauchenden Zeit, noch Städte und Orte, wo Christen und Juden in Frieden und Eintracht miteinander leben, wo die Juden die ihnen gebührende Stellung einnehmen und die ihnen gebührende Achtung in vollem Maße genießen, wo nicht nur den Trägern und Vekennern der jüdischen Religion, sondern auch der Religion selber das höchste Maß an Ehrfurcht und Ehrerbietung, das sie ja vermöge ihres Alters und ihrer hehren Bedeutung für die Entwicklung der Menschheit beanspruchen kann, auch von Bekennern und Vertretern der christlichen Religion entgegengebracht wird. Dies zeigte sich gestern in herzerfreuender und der Stadt Pakosch wahrlich zur Ehre gereichender Weise, bei der Grundsteinlegung zum neuen Tempel, den die hiesige Gemeinde in seltener Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit erbauen läßt. An diesem religiösen Akte betheiligten sich in der freundlichsten und liebenswürdigsten Weise die ganze Stadt, ohne Unterschied und Ausnahme! Magistrat, Stadtverordnete, Geistlichkeit, Bevölkerung, alles war vertreten, und alles gab seiner Sympathie und seiner Theilnahme sichtbaren Ausdruck. Zuerst versaminelte sich die Gemeinde im Hause des Vorsitzenden und Magistratsmitgliedes Herrn H. Samelson, dorthin kamen auch die Herren Bürgermeister Krenia, Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Drescher, Assessor Oberleutnant Dr. Levy aus Jnowrazlaw, Stadtältester Altwasser, Mitglieder des Magistrats und des Stadtverordneten-Kollegiums u. s. w., und alle Anwesenden unterschrieben eine Urkunde, die eine ausführliche Schilderung der Verhältnisse der Stadt und Gemeinde Pakosch enthalten, und in die Tiefe der Erde gesenkt Werden sollte. Die Versammlung begab sich nach der Stätte, wo der Tempel aufgeführt werden soll, dort harrte schon die christliche Geistlichkeit und eine zahllose Menge der städtischen Bevölkerung, ohne - Unter-. schied der Religion. Die Baustätte, mit Blumen und Bäumen reich geschmückt, bot einen herrlichen Anblick, und Herr Rabbiner Dr. K o h n aus Jnowrazlaw hielt, nachdem er, den Psalm 84 „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Einziger der Heerschaaren" u. s. w. als Gebet vorgetragen, vor dieser zahlreichen Versammlung folgende Weiherede: \ Hochgeehrte Versammlung! Der erste Mensch, der einen Grundstein zu einem Gotteshause gelegt, war nach dem Zeugniß der heil. Schrift der Patriarch Jakob. Jakob ruft: rxn jawn opbx r\'z N'7!' n 22 TW „Und dieser Stein, den ich aufgerichtet zur Säule, soll ein Gotteshaus sein." (1. V. M., 28, 22.) Welch' edle, wunderbare Lehren, welch' erhabene, unvergängliche Wahrheiten entwickelt dieser Patriarch, ehe er daran geht, den Grundstein zu einem Gotteshaus zu legen!; Jakob, berichtet die Schrift, hatte einen Traum, in seinem Traume sah er eine Leiter, deren Fuß auf der Erde stand, deren Spitze aber bis in den Himmel reichte. Engel Gottes stiegen auf und nieder und hoch oben stand Gott der Herr selber. Als er aus dem Schlafe erwachte, da rief er: Wie furchtbar ist dieser Ort, das ist nichts anderes, als ein Gotteshaus, und das ist die Pforte des Himmels. — Und Jakob nahm den Stein, goß Oel auf seine Spitze und nannte den Ort Beth-El. d. h. Gotteshaus." (1. V. M.. 28, 12—18.) Ein wunderbarer Traum! Eine wunder- . bare Lehre! Alles, was die Menschheit seit Jahrtausenden an Wahrheit und Weisheit erforscht und erkämpft und errungen, an Heiligung und Versittlichung im harten, heißen Kampfe des Lebens sich angeeignet und erworben, alles das ist in diesem prophetischen Gesicht, in jenem unvergleichlichen Traume enthalten. Und wie wir noch nach Tausenden von Jahren dichten und^Irachten. sinnen und forschen, erwägen und überlegen, uns in die unermeßlichen Tiefen des Lebens . versenken und zu den unendlichen Höhen desselben - emporschwingen, wir werden das Leben, des Lebens.. Ziel und des Lebens Zweck nicht so wahr und treffend, , so schön und erhaben, so erschöpfend und vollendetdarstellen, schildern können, als es der-Patriarch Jakob in seinem herrlichen Traume thut! Was ist das Le-, ben des Menschen, m. F., mit seinem zwiefachen