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Der Israelit · 1903-08-13 · Heft 64 (13.8.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 64 (13.8.1903)
Date
1903-08-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1411 Zeitungsnachrichten und Corrcspondeuzen. Deutschland. Berlin, 11. Aug. Bekanntlich hat kürzlich der Hauptmann der 10. Kompagnie des 2. Schlesischen Grenadier-Regiments Nr. 11 die Einstellung eines Zweijährig-Freiwilligen wegen seines jüdischen Glaubens beanstandet. Der „Voss. Ztg." liegt jetzt der Wortlaut der Antwort vor, die das Kriegsministcrium auf eine erhobene Beschwerde ertheilt hat. Der Bescheid lautet: „Auf die Eingabe vom 19. Mai d. I. wird dein „Zentralverein" ergebenst erwidert...dass das Verfahren der 10. Kompagnie Grenadier-Regiments König! Friedrich III. (2. Schles.) Nr. 11 bezüglich Abweisung des Handlungskommis Ludwig Hans Hauptmann als Freiwilliger durchaus nicht gebilligt werden kann. Das Generalkommando VI. Armeekorps hat das Erforderliche veranlaßt. Eine von hier ausgehende allgemeine Verfügung ist nicht erforderlich. Allerhöchst mit der Vertretung des Kriegsministers beauftragt gez. v. Eine in. An den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Welche praktische Folgerung ist denn nun aus der Mißbilligung gezogen worden? Die Mißbilligung war zu selbstverständlich, denn das Verfahren des Hauptmanns war verfassungwidrig; die Frage ist daher, was denn gegen das verfassungswidrige Vorgehen geschehen ist. . Hamburg, 7. Aug. Seit kurzem weilt in seiner Vaterstadt Hamburg der in wissenschaftlichen Kreisen rühmlichst bekannte Herr Ahron Marcus aus Krakau, daselbst Ahron Hamburger genannt. Herr Marcus, der eine universelle Bildung besitzt, wie man sie heutzutage ln einer Person kaum noch vereint findet, ist ein hervorragender Talmudist und Kenner der hebr. und rabbinischen Litteratur. Orientalische Sprachen (Sanskrit, Arabisch) kennt er nicht minder, wie Latein und Griechisch, welche letztere ihm so geläufig, wie mehrere moderne Sprachen, die er vollkommen beherrscht. Von seiner umfassenden Kenntnis; aller philosophischen Systeme und der sie behandelnden Schriften, legen seine eigenen litterarischen Arbeiten auf diesem Gebiete beredtes Zeugniß ab (siehe sein Wert über Hartmann's induktive Philosophie). Seine über die Ausgrabungen in Babel sowohl wie im übrigen Morgenlande bereits in den Jahren 1896/97 in hebr. Sprache erschienenen Werke „Kadmaunijaus", worin der Verfasser sich auch als Kenner der Keilinschriften und ihres Systems zeigt, wären mehr wie irgend eine Streitschrift geeignet, die Behauptungen Delitzsch's über Bibel und Babel hinfällig erscheinen zu lassen. Im Interesse der Popularistik wäre es wünschenswerth, wenn dieses Werk recht bald in deutscher Sprache erschiene. Was Herrn Marcus besonders auszeichnet ist, daß er seine Kenntnisse niemals zur Erwerbsquelle gemacht hat, daß er vielmehr einem bürgerlichen Erwerbe (Buchhalter und kaufmännischer Sachverständiger) nachgegangen, von dem er sich und seine Familie bisher schlicht und recht ernährt hat. Die arg zerrütteten ökonomischen Verhältnisse namentlich der jüdischen Bevölkerung Galiziens zwingen jetzt Herrn Mhrcus. seine zweite Heimath zu verlassen und sich ein neues Domizil zu suchen. In Hamburg, wo Herr Marcus (geb. 1843), wenngleich er wohl an vierzig Jahre von der Heimath abwesend war, noch einige Jugenfreunde besitzt, sind diese bemüht, ihrem ebenso würdigen, wie streng-religiösen Freunde, eine seinen hohen Fähigkeiten angemessene Stellung zu verschaffen, die ihm auskömmliche Gelegenheit bietet, im Dienste der jüdischen Wissenschaft zum Wohle der Gesammtheit weiter zu wirken. Dazu wird ihm wissenschaftlich unser berühmter Herr Jsaac Halevy und materiell der Frankfurter Litteraturverein, dem durch das hiesige Lokalkomitee, insbesondere aber durch die unermüdlichen Bemühungen des Herrn Jacob Goldschmidt hier 3000 Mark jährliche eBiträge zufließen, hoffentlich kräftig zur Seite stehen. Momentan ist Herr Marcus in Frankfurt a. M., um seine neuesten litteratrischen Erzeugnisse dem gedachten Vereine zuzuführen. Der Hamburger Gemeinde gereicht es zur Ehre, daß ihr ein solch hervoragender Mann entsprossen, mehr aber noch, wenn sie jetzt die Gelegenheit ergreift, ihn dauernd an sich zu fesseln. H. B. Mannheim, 13. Aug. Vom 23. bis 28. August r findet in Basel der „VI. Zionistenkongreß" statt. Die Tagesordnung lautet: 1) Eröffnung des Kongresses durch Dr. Th. H e r z l- Wien. 2) Rechenschaftsbericht des Aktionskomitees: Archit. M a r m o r e ck - Wien luib Hof- und Gerichtsadvokat Dr. K o k e s ch - Wien. 3) Politisches Referat: Dr. Max N o r d.a u - Paris. 4) Ansiedlung: Dr. Franz Oppenheimer -Berlin. 5) Der Zionismus und die Wohlthätigkeitsanstalten: I. Zangwill - London und N. S o k o l o w - Warschau. 6) Bericht über den Nationalfond: I. Kreme n e h k y - Wien und Rechtsanwalt Dr. F a r b - stein-Zürich. 7) Organisation und Agitation: Sir Francis Montefiore - London. Rechtsanwalt Dr. Boden heim er - Köln und Dr. Klee- Berlin. 8) Bericht über die Jüdische Kolonialbank: D. Wolffsohn. 9) Initiativanträge und Wahlen. Auskünfte ertheilt das Distriktsbureau Mannheim der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Münliien, 7. Aug. (Die A n t k s e m i t e n unter sich.) Im christlich-sozialen Lager sind Dissidien ausgebrochen, indem die Herren Benesiziat

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