Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1903)
- Date
- 1903-08-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Schnepper. -Gymnastalprofeffor a. D. und Lehrer Ludwig Wild den Ingenieur und Redakteur der „Christlich-Sozialen Zeitung", C. Ä. Kuhn, von sich abschüttelten und eine eigene Zeitung gründen wollen. Kuhn gibt dem in Aussicht stehenden Konkurrenzblatt folgendes Geleitswort: „Herr Schnepper als geistlicher Herr wird die Artikel über Sittlichkeit, Keuschheit, Gottesfurcht und Frömmigkeit entweder im Caf6 Perzl oder in einer Animirkneipe schreiben, die er häufig als gerngesehener Stammgast besucht. Wild wird soziale Bilder aus dem modernen Eheleben und aus den Irrenhäusern bringen." „Eine nette Gesellschaft, die Antisemiten." schreiben die „M. N. N." „Das sind also die Koryphäen, die mit frommem Augenaufschlag und moralischer Entrüstung über die angebliche Sittenverderbniß des Judenthums langathmige Artikel schreiben. „Man sucht keinen hinterm Busch, wenn man selber noch nicht dahinter," bestätigt sich bei den meisten Führern dieser edlen Partei." F. Rheinbischofsheim, 12. Aug. Herr Kantor Daniel Levy und dessen Gattin Hannchen geb. Cahnmann dahier, begehen am 14. ds. Mts. im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Levy, der nunmehr im 40. Amtsjahre steht, ist ein Schüler des seeligen Lehrers Eppstein aus Saarwellingen und dessen erst im vorigen Jahre verstorbenen Schwagers, Jsac Levy in Merzig, bei dem er seine Eisbildung im Hebräischen erhielt. Nachdem er zunächst in verschiedenen Orten des Großherzogthums Baden seine Lehr- und Amtsthätigkeit ausgeübt hatte, folgte er vor nunmehr fast 21 Jahren einem Rufe hierher. Hier hat er sich in langjähriger Thätigkeit als Lehrer und Kantor, wie auch als wohlthätiger und edler Menschenfreund allgemeine Achtung und Liebe erworben. Er ist der Verfasser des auch in weiteren Kreisen bekannten jüdischen AVC.-VLchleins. Nicht nur von seinen Gemeindeanaehörigen, sondern auch von christlicher Seite sind ihm aus diesem Anlasse zahlreiche ehrende Beweise von Anhänglichkeit und Verehrung zu Theil geworden. (Auch wir senden herzlichste Wünsche für weiteres Wohlergehen dem edlen Paare und seiner Familie. Red. d. „Jsr.") O e st e r r e ich. Wien, 10. Aug. Eine Wiener Firma, die eine Niederlassung in Kiew hat, erhielt von ihrem dortigen Vertreter ein Schreiben mit folgenden Mitiheilungen: Die Lebensmittelpreise steigen in Folge des Streiks stündlich, sechs Pfund Schwarzbrod kosten bereits zwölf Kopeken. Viele Fabrikanten sind durch den Streik ruinirt, so die große Tabakfabrik Kogan. die Pianosortefabrik des Oesierreichers Strobl und die große Dampfmühle Vrodski. In den Straßen finden u fortwährend Kämpfe zwischen Soldaten und Arbeitern statt. Die elektrische Beleuchtung fehlt in der ganzen Stadt; ein Theil des Röhrennetzes der Wasserleitung ist verstopft. Auch alle Dienstboten beabsichtigen zu streiken. 'Man befürchtet auch eine Judenhetze. Palästina. Jerusalem. Das durch Oberrabbiner I. L. Diskin gegründete Waisenhaus hatte laut uns gesandtem Berichte von Nissan bis Tamus ein weiteres Defizit von 8310 Piastern, und beläuft sich seine Schuldenlast auf 61.310 P. Es wird dringend um reichlichere Unterstützung gebeten. Eydtkuhnen, den 9. August. Gestern Vormittag 10 Uhr kam im großen Goldbergischen Holzwohnhause in Kurbarty wahrend sich die Bewohner desselben in der Synagoge befanden Feuer aus, welcher schnell um sich griff und das ganze Gebäude einäscherte. Zehn große Familien, leider nicht versichert, verlieren ihr Hab und Gut. — Gestern am .Trost-Sabbat/ sprach hier Herr Dr. S ilb erb erg—Königsberg über „Nachwu ami' und fesselte durch seinen schönen Vortrag die zahlreich erschienene Ge» meinde. Eduard Segall. Budapest, 5. August. Peinliches Aufsehen erregt es hier in weiten Kreisen, daß ein Herr Dr. Heinrich Bloch, Professor am hiesigen Rabbinerseminar und Sohn des Seminardirectors MoseS Bloch im „Psester Lloyd" ein Feuilleton mit der Ueberschrift: „Der heilige Augustinus" zum Abdruck brachte, in welchem das Christenthum verherrlicht und gefeiert wird. Nom, 9. August. Der neue Papst war sehr beliebt bei den Juden von Venedig. Ein Jude war Lieferant für seine Schw stern. Ein Mal traf er denselben am Sabbat . mit Maaren und sagte ihm: Wenn Du am Sabbat auch verkaufst, so darfst Du nicht mehr zu uns kommen. Lissa, 2. August. Bei dem beabsichtigten Umbau der hiesigen Synagoge ist im Kuppelbau' ein Raum für die Ausstattung einer anzuschaffenden Orgel vorgesehen!!! Briefkasten der Nedaetto«. M. 68: Reisebrief erwünscht. L ans Wldmann. MarieEugenie delle Grazie. Aua N A. Dreitner's .Randglossen zur deutschen Literatur- und Kunst- ® geschichte. Fortsetzung der Literaturbllder Sa Sssiecie. Achtes Bändchen. Wien.1903. , ” Delle Grazie, die aedankemnächtige und emvsindunqSzarte österreichische Poetin, nt m der glücklichen Lage, auf derlei'äußere •öc-uautne einer überragenden, literarischen Bedeutung Hinweisen zu tonnen. Kurz bintereinmider sind zwei Schriften erschienen, welche.sich auLicklie^ich mit ihr beschästigen. Beide widmen ihrer dichterischen Thatigkeit eme sorgfältige und liebevolle Untersuchung, und beide sind Eins m der hohen Werthschätzung dieser Thatigkeit. deren.Vrovucte sie mit vollem Rechte zu den vortrefflichsten Erzeugnmen der neueren deutschen Literatur zählen. Das eine, betrachtlich kleinere Werkchen. hat der Verfasser, Hans Widmann. als achtes Hert ln Weitner'3 .Randglossen zur deutschen Literatur- und Kunstgeschichte" veroffentliwr. „ t Widmann bringt belle Grazie schon deßhalb besonderes Berstandmtz entgegen, well er offenbar ihre Weltanschauung thellt. Daraus quillt eine Sympathie, durch die natürlicherweise sein Blick geickarst wird. Er schilderten dem Tone fast glühender Begeisterung, die Paetm und ihre Werke, mrd isdem der zu ihrem ausgedehnten nhangerkrelS zahlt, kann das Buch aufs beste empfohlen werden. » - aBBaB9W