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Der Israelit · 1903-08-13 · Heft 64 (13.8.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 64 (13.8.1903)
Date
1903-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1407 alsbald eilte er zu ihrer Rettung herbei. Doch vergeblich waren alle Anstrengungen; es war rein unmöglich, durch die zahlreichen Wachen an das Gefängniß heranzukomme», noch viel weniger, in dasselbe einzudringen und Gefangene zu befreien. Josef war fest entschlossen, auch das Aeußerste zu wagen, und als der Tag herannahte. an dem die Unglücklichen, verbrannt werden sollten, zögerte Josef nicht, die Gefangenen selbst aus den Flammen zu retten. Jauchzend wälzte sich das Volk nach dem Platze, auf dem das Auto-daf^ stattfinden sollte, um hier das so lange nicht gehabte Schauspiel zu genießen. Auch Josef mit vielen seiner Freunde hatten sich unter verschiedenen Verkleidungen unter das Volk gemischt. Dre Gefangenen waren auf dem Richtplatze angekommen und wurden nun unter dem Jubel des Volkes je zwei und zwei — es waren im Ganzen sechs — an einen aus dem Holzstoße hervorragenden Balken festgebunden. An allen Ecken züngelten Flämmchen auf. die immer mehr um sich fraßen und bald die Stelle erreichten, wo die Verurtheilten festgebunden waren. Immer höher schlugen die Flammen und drohten schon die Unglücklichen zu ersticken. Da geschah etwas, von Josef in's Werk gesetzt, das die ganze Aufmerksamkeit des Volkes auf sich lenkte. Aus den Flammen flog erst langsam flatternd, dann immer schneller werdend, eine blendend weiße Taube, die bald den Blicken der Zuschauer entschwunden war. Eine zweite und dritte folgte ihr, und mit abergläubigem Entsetzen sah das Volk dieses Ereigniß, und der Schrecken verwandelte sich in Furcht, als den drei Tauben weitere drei folgten und über den Dächern verschwanden; glaubten doch diese Abergläubigen, daß die Seelen der Verbrannten in Gestalt von Tauben in den Himmel flogen. Soweit war es mit den Verurtheilten doch noch nicht. Josef und seine Freunde, die sich sämmtlich in der Nähe des Scheiterhaufens aufgestellt hatten, benutzten die augenblickliche Verwirrung, um auf die Halberstickten nasse Tücher zu werfen und sie dann aus den Flammen herauszuziehen. Dieses Rettungswerk hatte sich in wenigen Sekunden vollzogen, so daß Niemand davon etwas merkte. Da alles Volk sehen wollte, wohin die Tauben flögen. Als sie ihren Blick wieder auf die Flammen wandten, war der Holzstoß fast niedergebrannt. und zweifelte Niemand, daß die sechs Verurtheilten bereits vollständig verkohlt seien. Wenige Sekunden genügten Josef, die Körper der Bewußtlosen mit Decken zu bedecken und darüber einige Balken zu legen, und hoffte er, nach Eintritt der Dunkelheit dieselben von hier holen zu können. Es kam jedoch anders. Der Großinquisitor war selbst bei dem Auto-daf^ anwesend. Dieser seltsame Vorgang war ihm doch etwas rathselhaft erschienen, und sein Argwohn wurde noch dadurch verstärkt, daß sich in dem Aschenhaufen keine Spur von menschlichen Gebeinen fand. Er ließ deßhalb nur einen Theil der anwesenden Soldaten abrücken, während die Uebrigen als Wache zurllckblieben, um den Platz scharf.zu bewachen. Mit Schrecken gewahrte Josef die Soldaten, als er bei Einbruch der Nacht sich dem Platze näherte, um zu erspähen, ob der geeignete Moment gekommen sei; leise schlich er sich wieder zu seinen Freunden zurück, um mit ihnen zu berathen. Was sollten sie jetzt thun? Sollten sie die fast Geretteten jetzt im Stiche lassen? Einige riethen dazu, doch war Josef, wie immer, nicht zu bewegen, seinen einmal gefaßten Plan aufzugeben. Seine Stimme gab den Ausschlag und das waghalsige Unternehmen wurde unternommen. Es galt deßhalb zunächst die Wachen von den Gefangenen abzulenken. Josef trat deßhalb mit noch zweien seiner Freunde aus der Seitenstraße heraus und ging geradewegs auf die Soldaten zu. „Nun, guter Freund," redete er den ersten davon an, „hast Du heute Nachmittag auch die weißen Tauben gesehen?" „Natürlich habe ich sie gesehen!" „Weißt Du denn auch, was die bedeuten sollen?" frug Josef weiter. „Es werden wohl die schwarzen Seelen der verdammten Juden gewesen sein!" entgegnete ihm lachend einer der Umstehenden; denn während dieses Gespräches waren alle Soldaten neugierig nähergetreten, um zu hören, was hier verhandelt wurde. Da gellte plötzlich ein Schrei durch die Nacht. „Halte sie! haltet die Räuber, die Hunde von Juden!" Alle wandten sich erschrocken um, während Josef erbleichte. Er wußte, was dieser Ruf zu bedeuten hatte, daß das Unternehmen seiner Genossen vereitelt worden war und sie selbst in der größten Gefahr schwebten. Die kaum dem Flammentod Entronnenen wurden, ehe sie sich noch der über ihnen liegenden Balken entledigt hatten, wieder gefesselt, und fluchend machte sich ein Theil der Soldaten an die Verfolgung der Flüchtenden. Diese hatten bereits ihre Pferde erreicht, auch Josef hatte sich zu ihnen gesellt und nun entspann sich eine Jagd auf Tod und Leben. Die Stadt war bald durchjagt, und nun konnten sich die Verfolger, die den Flüchtlingen an Zahl bei weitem überlegen waren, sich mehr ausbreiten, um dieselben so zu umzingeln. ' -- ' ‘ Immer kürzer wurde der Abstand zwischen Verfolgten und Verfolgern, und bald wurde einer nach dem anderen vom Pferde gerissen.

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