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Der Israelit · 1903-08-13 · Heft 64 (13.8.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 64 (13.8.1903)
Date
1903-08-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Weniger erfreulich ist das Bild, welches Mr. Booth von der übrigen nichtjüdischen Bevölkerung Londons entwirft. Trunksucht und Laster, Armuth und Brutalität, das sind die Charakterzüge. welche sich wie ein rother Faden durch das ganze Buch ziehen. Unwillkürlich drängt sich bei der Lektüre des Buches einem der trübe und für die Hoffnung auf eine schönere Zukunft der Menschheit wenig ermuthigende Gedanke auf: Wenn selbst in London, diesem Brennpunkt der modernen Kultur, „bie Trunkenheit mit dem Laster, die Armuth mit der Rohheit wetteifert," 'wie muß es erst in den anderen europäischen Großstädten aussehen? Wenn die Leute in London schon eine solche herbe Censur erhalten, wie roh und gemein müssen sie erst in Petersburg, Bukarest, Moskau und Kischinew sein! — Mr. Booth beklagt sehr die schlimme Wirkung, welche das böse Beispiel in London hervorruft. „Der Anblick eines einzigen trunkenen Weibes auf offener Straße verleitet alle anderen Frauen zur Trunksucht." Die Anwesenheit der Juden in London, mit ihrer Nüchternheit und dem musterhaften Familienleben, müßte daher als ein wahres Glück für die Bevölkerung angesehen werden, die sich an ihnen ein gutes Beispiel nehmen könnte. Die von den Antialienisten heuchlerisch zur Schau getragene Ansicht, wonach die „Fremden" das Lebensniveau und die „Moral" der Londoner Bevölkerung Herabdrücken, ist durch Mr. Vooths Darstellung gründlich widerlegt. Es war daher auch von Mr. Booth im hohen Grade inkonsequent, wenn er, der in seinem klassischen Buche den Juden ein glänzendes Zeugniß ausstellt, vor der Fremdenkommission sich zu Gunsten einer Beschränkung der Fremdeneinwanderung aussprach. Es ist dies umso befremdlicher, als selbst der einzige Vorwurf, den man den einwandernden Juden bisher mit einem Schimmer von Recht machen konnte, nämlich, daß durch ihre Anwesenheit in einigen Stadttheilen Londons eine Wohnungsnot^ entstanden ist, durch das Buch M. Booths gründlich widerlegt ist. Diese Wohnungsnoth ist seit 1891 im raschen Schwinden begriffen. Die. Zahl der Wohnungen ist in dem Jahrzehnt 1891—1901 um 8,7 pCt. gewachsen, während die Bevölkerungszunahme für den gleichen Zeitraum nur 7.3 pCt. betrug. Daneben ist in den einzelnen Wohnungen auch die Zahl der Zimmer gewachsen, so daß die Zahl der Londoner, welche sich den Luxus eines eigenen Zimmers für sich allein gestatten konnten, sehr wesentlich gewachsen ist. Das letzte Band des „Leben und Arbeit in London" hat. vielleicht gegen den Willen seines berühmten Autors, den .Beweis erbracht, daß die von den Antialienisten in England entfachte Bewegung nicht allein ungerecht und zwecklos, sondern den eigenen Interessen des englischen Volkes selbst direkt zuwider ist. A m e r i t a Nelv-Aork, 5. Aug. (Das israelitische Seminar in New- Jork.) Der aus Fokfcham (Rumänien) gebürtige Professor Dr. Salomon Schächter, ein berühmter Hebraist, der früher an der theologischen Fakultät in Cambridge als Professor wirkte, und vor Kurzem zum Direktor des israelitischen theologischen Seminars in New-Aork mit einem Jahresgehalte von 12,000 Dollars engagirt wurde, befindet sich gegenwärtig auf der Reise durch Europa, um Professoren für dieses Seminar zu engagiren. Dr. Schächter weilt gegenwärtig in Frankfurt. Neu-Seeland. Dunedin, (Neu-Seeland). 29. Juni. Herr Dr. W. Heinemann wurde in die Prüfungs-Kommission der hiesigen Universität gewählt. Es ist dies gewiß eine schöne Anerkennung seiner früheren Dienste an der Otago-Universität. Ich weiß nicht, ob es den Lesern des „Israelit" bekannt ist, daß es den Bemühungen des Herrn Dr. Heinemann vor ungefähr fünf Jahren schon gelungen ist. Hebräisch als Prüfungsgegenstand für das sogenannte B. A. M. A. und Honors-Examen der hiesigen Universität einzuführen. — Auch hier hat man gegen die Greuel von Kischinew in Wort und Schrift von jüdischer und nichtjüdischer Seite energisch protestirt und auch größere Summen für die Glaubensgenossen daselbst gesammelt. Näheres über die Verhältnisse, innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde in einem meiner nächsten Briefe. M. M. H. Feuilleton. Moses von Erzählung aus der Zeit der Inquisition. 7t (Schluß.) Mit Schrecken horte es das Volk, es war fast geneigt. an Hexerei zu glauben. Die Wachen an allen Gefängnissen wurden verdoppelt und verdreifacht. Eine Zeitlang war es wieder still, wie die Stille vor dem Sturm, um mit doppelter Gewalt zu beginnen. Wieder wurde das Volk von jenen unheimlichen Gesellen in Aufregung gesetzt, wieder war keiner von ihnen festzunehmen gewesen. Da hörte Josef, daß auch in der Nähe von Malaga mehrere Juden gefangen genommen worden waren, und

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