Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 64 (13.8.1903)
- Date
- 1903-08-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Menschengeschlecht nicht einen Augenblick vor dem Throne des allgerechten Richters hätte Bestand haben können. (Vergl. Rasch! zu 1. B. M., Cap. 1, D. 1.) Mit dieser Erklärung unserer Weisen sind alle Schwierigkeiten geebnet und bis in's Einzelnste läßt sich darnach darthun, warum der eine oder der andere Gottesname oder beide zusammen angewendet werden. Bei dieser Gelegenheit möge es uns vergönnt sein, eine schwierige Talmudstelle zu erklären. Als einst Rabbi Akiba, einer der größten und edelsten Menschen, zugleich der Umfasser der gesammten Thorawissenschaft, den schrecklichsten Mätyrertod sterben mußte, da wurde an Gott die Frage gerichtet: mw m min n „Ist das der Lohn für das Thorastudium und die Erfüllung ihrer Gebote?" Und Gott antwortete: ':zb nwnos nby “p „So stieg es auf im Gedanken vor mir." Diese Antwort ist unverständlich. Erst wenn wir damit den obenerwähnten Ausspruch des Talmuds vergleichen, werden wir den Sinn der Antwort verstehen. Derselbe lautet vollständig: ndnb'nnw?'i rr">2 ick xbi ö'p^x k*is twk'o cnpm Q«pnc cbiyn psw r»w pn otmvwo^ ncerncs nwp mn pm nn'cb nen»i jyva c*ovn px B'pbx „Anfangs hatte Gott hie Absicht (es stieg auf der Gedanke nwncc nSy) die strenge Gerechtigkeit walten zu lassen; dann aber verband Gott das Erbarmen der Gerechtigkeit und schickte es derselben voraus." Dieser Grundsatz gilt für das Verfahren Gottes gegenüber den gewöhnlichen, sündigen Menschen; aber die vollkommen Frommen richtet Gott mit strenger Gerechtigkeit und läßt sie in dieser Welt auch für geringe Vergehen büßen, um ihnen die ewige Seligkeit im vollkommensten Maße zu Theil werden zu lassen. So verfuhr Gott gegen Abraham, Jizchak und Jakob, gegen Nadab und Abihu, gegen Moscheh, Aron und Miriam, gegen David, Chiskijahu, gegen Ioschiahu und viele andere vollkommen Fromme, und so erging es dem großen, erhabenen Rabbi Akiba. Die strenge Gerechtigkeit Gottes ließ es zu. daß er hienieden eines gewaltsamen Todes starb, damit er das ewige Leben ungeschmälert erlange. ’jbS nwea my -p gerade so. wie Gott es der ganzen Welt gegenüber im Sinne gehabt, ehe Er der strengen Gerechtigkeit Sein unendliches Erbarmen nicht allein vereint, sondern vorausgeschickt hat. Unsere geehrten Leser ersehen demnach, daß das in Rede stehende Ergebniß der sogenannten Bibelkritik in nichts zerfällt und nur aus der Unkenntniß der Eigenthümlichkeit 'und Tiefe unserer heiligen Sprache entsvrinat. (Fortsetzung folgt.) ZerkmgskrschriHterr «Kd Ssnespsyderrzerr. Deutschland. Berlin, 11. Aug. Aus Anlaß des sechzigsten Geburtstages Peter Roseggers machten die antisemitischen Blätter den Versuch, den Dichter zum Antisemiten zu stempeln, weil er s. Z. dem Heine-Denkmalprojekt gegenüber sich insofern ablehnend verhielt, als er erklärte, er kenne Heine zu wenig. Betrachten wir uns nun den „Antisemiten" Rosegger etwas genauer. In den „Bergpredigten" Peter Roseggers liest man unter der Ueberschrift: „Von der Hohlheit unserer Vaterlandsliebe" unter Anderem Nachstehendes: „Wenn ich mit diesen Zuständen (auf dem Lande) nun das städtische Leben vergleichen wollte, das Leben Jener, die unablässig das Wort „deutsch" im Munde führen, die nur mit schönen Worten deutsche Ehre und Größe machen wollen, die da wähnen, in der deutschen Sprache allein liege das ganze Deutschthum, oder höchstens dasselbe noch bethätigen wollen im Absingen von Kampf- und Schlachtliedern, als wären fremde Nationen nur dafür da, um von den Deutschen bevormundet oder todtgeschlagen zu werden — es wäre dieser Vergleich fast boshaft." In der „Wahrheit" (1897) hat Rosegger, in einem veherzigenswerthen Aufsatz „Den Deutschen auf dem Stammtisch" tüchtig in's Gewissen geredet. In seiner zornigen Epistel wider das Trinken findet sich folgende launige Bemerkung: „Der „ewige Jude" ist nur als Sohn des enthaltsamen Semiten denkbar. Ein „ewiger Deutscher" wäre undenkbar. Der Deutsche, wenn er sonst nicht sterben könnte, tränke sich zu Tode. Mich wundert nur, daß bisher kein deutscher Antisemit noch auf den Argwohn verfallen ist. der mosaische Mythen-Jude Noah habe das Alkoholgetränk nur erfunden, um damit andere Völker, besonders die Deutschen, zu Grunde zu richten. Das ließe sich ja so hübsch sagen, wenn man nicht selber so gerne söffe!" In einer Novelle ..Christvesper", welche eine steirische Sage vom Städtchen Judenburg behandelt, wollte Rosegger (nach seinen eigenen Worten) die „Bestialität der Judenverfolgung" zeigen. Endlich ist Rosegger Ehrenmitglied des (inzwischen eingegangenen) österreichischen Vereins zur Abwehr des Antisemitismus gewesen. Auf die ihm zugegangene Mittheilung von seiner Ernennung antwortete er s. Z. Folgendes: „Verehrliches Präsidium! Dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus danke ich für die Auszeichnung, deren er durch Ernennung zu seinem Ehrenmitgliede mich gewürdigt hat. Bei rechtzeitiger Kenntnitz