Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1903)
- Date
- 1903-08-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1894 Oesterreich. Wien, 4. Aug. Am Rosch-Chodesch Av verschied hier Herr I. Spitzer. Derselbe war ein frommer Jude in des Wortes wahrster Bedeutung. Von Hause aus kein nim p, suchte er sein jüdisches Wissen zu erweitern, indem er täglich die crm? des yod der Schiffschul besuchte. Wenn er auch nicht besonders bemittelt war, so ging dennoch kein Bittender unverrichteter Dinge von ihm weg. Seine Art und Weise, das Haus jüdisch zu erhalten, war mustergültig. Um irgend ein gottgefälliges Werk auszuüben, war ihm keine Mühe zu viel. An seinem Leichenbegängnisse betheiligte sick eine zahlreiche Schaar. Tiefempfundene Nachrufe widmeten der Sohn des Verstorbenen, Herr Dr. David Spitzer, Rabbiner in Dolna Tuzla (er weilt über die Ferien hier) und Rabbiner S. F ü r st (Schiffschul). Die Schiffschul verliert in ihm ein treues Mitglied. F. Wien. Das Kuratorium der „Baron Hirsch- Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogthume Krakau und im Herzogthume Bukowina" erstattet Bericht über die Thätigkeit dieser Stiftung im Schuljahre 1901/2. Es muß vorausgeschickt werden, daß das Kuratorium in Folge der im vorjährigen Berichte ausführlich dargelegten Umstände sich zu seinem lebhaftesten Bedauern gezwungen sah, auf manchen Gebieten der Stiftungsthätigkeit wesentliche Reduktionen eintreten zu lassen. Es ist bereits im Vorjahre darauf verwiesen worden, daß in den früheren Jahren außer dem fixen Erträgnisse des Stiftungsvermögens zur Bestreitung der laufenden Ausgaben und zur Errichtung eines Penstonsfonds noch ganz bedeutende Beträge zur Verfügung gestellt wurden. Der Ausfall solcher Zuschüsse, sowie die Reduktion der im Testamente der Frau Baronin Hirsch ursprünglich festgesetzten Legate um 6 Millionen Francs mußte nothwendigerweise umso erhöhte Bedeutung gewinnen, als durch die regulativmäßigen Avancements, Gehaltserhöhungen und Quinquenalzulagen, welche im abgelaufenen Jahre den Aufwand um ca. 32,000 Kr. erhöhten, durch die Miethzinssteigerungen bei gemietheten Häusern etc. der Ausgabenetat neuerlich wuchs, während die regulären Einnahmen gegenüber dem Vorjahre nur gleich geblieben sind und diirch die inzrvischen durchgeführte Rentenkonversion in Hinkunft wesentlich verringert werden. Es wurde deßhalb schon im vorjährigen Berichte darauf verwiesen, daß es nicht zu vermeiden sein werde. Schulen zu restringiren. event. ganz aufzulassen, zumal die Bemühungen, größere Beitragsleistunaen im Lande zu erhalten, bisher zu reinem günstigen Resultate führten. . . . * * .c... ,1a * , Wohl wurde auch im abgelaufenen Jahre an die Gemeindevorstehungen der größeren Orte, in welchen Schulen mit namhaften Kosten erhalten werden, um die Bewilligung bezw. Erhöhung einer Beitragsleistung eingeschritten. Von der Mehrzahl der Gemeinden erfolgte rundwegs eine Ablehnung, nur eine (Horodenka)' hat die Zuffcherung ertheilt. in das nächstjährige Budget eine entsprechende Post einstellen zu wollen und seither einen Beitrag von Kr. 1000 bewilligt. Angesichts der großen Armuth fast aller Eltern der schulbesuchenden Kinder mußte vielmehr neben den von der Jubiläums-Stiftung bestrittenen Unterstützungen durch Gewährung von über 10,000 Frühstücken, fast 200,000 Mittagessen, über 6000 Kleidungsstücken und Mützen aus den Mitteln der Baron Hirsch-Stiftung der Betrag von Kr. 15,624.66 für Bücher und Schulrequisiten bewilligt werden, für welchen Betrag ca. 35,000 Bücher, 100,000 Hefte und 25,000 sonstige Requisiten vertheilt wurden. Angesichts der geschilderten Verhältnisse blieb nichts anderes übrig, als die Stiftungsthätigkeit hinsichtlich der Volksschulen zu restringiren, und es ist sicherlich zu bedauern, daß auch in den nächsten Jahren daran wird festgehalten werden müssen. Wenn auch in Folge dieser schwierigen materiellen Situation Einschränkungen auf Gebieten nothwendig waren, die zweifellos eher eine Erweiterung wünschenswerth gemacht hätten, so bleiben doch noch sehr ansehnliche Leistungen zurück: Den Kindern israelitischer Eltern im Königreiche Galizien und im Herzogthume Bukowina den Volksschulunterricht mit Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften zu gewähren, was das Kuratorium durch die Erhaltung der 50 bestehenden Volksschulen, und zwar 48 in Galizien und 2 in der Bukowina, sowie der 39 Abendschulen zu entsprechen bestrebt. Schon in früheren Berichten wurde darauf verwiesen. daß dank der erziehlichen Thätigkeit der Baron Hirsch-Stiftung-Schulen bei einem großen Theile der Bevölkerung ein gründlicher Wechsel in der Anschauung über das Handwerk eingetreten ist, während früher große Opfer erforderlich waren. Knaben dem Handwerke zuzuführen, ist derzeit die Zahl der Petenten so groß, daß ihre Berücksichtigung selbst zu dem bedeutend verringerten Einzelkosten unmöglich ist. Da von den im Jahre 1901/2 im Status geführten 743 Lehrlingen am 31. August 1902 noch 430 verblieben und diese im Jahre 1902/3 Kr. 35,000, im Jahre 1903/4 weitere Kr. 25,000 erfordern, ist das Kuratorium zu seinem lebhaften Bedauern gezwungen, schon seit 1\A Jahren die Unterbringung von neuen Handwerkslehrlingen einzustellen und dieselbe erst dann wieder aufzunehmen, wenn , nach Freisprechung einer entsprechenden Anzahl von Lehrlingen wieder Mtiel für diese Zwecke verfügbar sein werden.