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Der Israelit · 1903-08-10 · Heft 63 (10.8.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 63 (10.8.1903)
Date
1903-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton. g® . «lüg Moses von Mevilla. KrzäMmg aus der Zeit der Inquisition. 61 /.Darüber können wir ja auch noch reden," versetzte Don Manuel, „zunächst will ich dafür sorgen, daß alles zur Weiterreise gerichtet wird, daß wir sofort bei Tagesanbruch aufbrechen können, es ist wirklich höchste Zeit, bis dahin wollen wir aber noch ein wenig ruhen, denn es stehen uns sicherlich große Strapazen bevor." Seinem Wunsche wurde auch entsprochen und bald herrschte an dem Orte vorher so bewegter Szenen wieder tiefes Schweigen. Unterdeß war auch im Gefängniß die Flucht Manuels entdeckt worden. Niemand anders als der angebliche Mönch konnte der Netter gewesen sein, doch blieben alle in derselben Nacht noch erfolgten Nachforschungen erfolglos. Die weitere Verfolgung mußte auf den folgenden Tag verschoben werden. Kaum graute der Tag, da waren auch schon Alle auf den Beinen. Bald war unter Manuel's und Josrsis Leitung alles zur Flucht bereit. Das Gepäck war auf Pferde geschnallt, für jeden der Flüchtlinge, fünfzehn an der Zahl, stand ein Pferd zur Verfügung und nichts hinderte mehr an einer raschen Flucht. Alles flüssige. Geld hatte Manuel's Gattin bei der Flucht aus ihrem Hause mitgenommen. Endlich brach man auf. Josef und Elieser. schlossen sich dem Zuge an und ließen für ihre abwesenden Genossen die Weisung zurück, ihre Freunde in drei Wochen wieder in der Ruine zu versammeln, in welcher Zeit sie zuriick zu sein hofften. Unaufhaltsam ging die Fluch! weiter in der Richtung auf Malaga zu, wo sie Schiffsgelegenheit zu bekommen hofften. Nur wenig Rast wurde gemacht, und als der erste Tag ihrer Flucht zur Neige ging, waren sie ein gutes Stück vorwärts gekommen. — Zu. ihrem Glücke. Wie Josef es vorausgesagt hatte, strengte sich diesmal die Hermandad ungeheuer an, um die Flüchtlinge einzuholcn. Eine große Summe wurde auf Manuel und seinen Befreier ausgeseht und nach allen Richtungen sprengten Reiter, um sie zu suchen. Sie waren wie verschwunden. Niemand hatte sie gesehen, und erfolglos kehrten die Reiter wieder nach Sevilla zurück. Die Flüchtlinge waren und blieben für sie verschwunden. Diese setzten unterdessen unangefochten ihre Flucht fort und gelangten schon nach einigen Tagen in die Gegend von Malaga. Auf den Rath Josef's blieben für alle bei einem bekannten Marannen in einem Dorfe vor Malaga zurück, während er sich allein nach Malaga begab, um hier zu sehen, ob kein Schiff hier liege, das nach Holland oder Deutschland wollte. Schon an demselben Tage kam er freudestrahlend wieder zurück und erzählte. im Hafen liege ein Schiff, das schon morgen nach Amsterdam unter Segel ging, und daß sie damit fahren konnten. Es war keine Zeit zu verlieren; die Pferde, außer j denen Josef's und seiner beiden Genossen, wurden j verkauft, sowie überhaupt alles, was ihrer Flncht! hinderlich sein konnte.! Endlich ging es an's Abschiednehmcn. Vergebens waren die. Bitten Manuel's, seiner Gattin und Sel-! nm's, Josef von seinem gefaßten Entschlüsse abzu- .bringen, nichts konnte ihn bestimmen, sich den Flüchtlingen anzuschließen und seine Genossen zu verlassen. So gerne er auch ihnen gefolgt wäre, schon um Selma's willen, für die er, wie er sich gestehen mußte, große Neigung empfand, so mußte er sich doch sagen, daß er unmöglich jetzt seine Freunde, deren Oberhaupt er sozusagen war, verlassen konnte und durfte. Wäre es nicht ein Verbrechen gewesen, sein ihnen gegebenes Wort zu brechen? Nein, er durfte es nicht, vielleicht sollte er doch noch mit den Flüchtlingen Zusammenkommen. Konnte nicht auch ihre Vereinigung durch Verrath gewaltsam aufgelöst werden? Was er seit einiger Zeit zu seiner Aufgabe gemacht hatte, die Vereinigung gleichgesinnter Jünglinge zur Befreiung von armen, eingekerkertew Glaubensgenossen, er wünschte in diesem Augenblick, der Traum seiner Jugend wäre wirklich nur ein Traum, der beim Erwachen zergeht. Aber es war die Wirklichkeit: und er durfte sich nicht losreißen. Zum ersten Male empfand er die sich gestellte Aufgabe als eine Last. Aber nicht lange gab er sich dieser Schwäche hin. Don Manuel hatte sich bereits mit seinen Begleitern eingcschifft. Soeben zog das Schiss seinen Anker in die Höhe und vom Winde begünstigt, schoß dasselbe aus dem Hafen. Lange stand Josef an dem Strande und schaute sinnend, wie sich das Schiff immer weiter entfernte; wchmüthig sah er es jetzt am Horizont verschwinden. „Lebt wohl! Leb wohl, Geliebte!" rief er ihnen zum letzten Male nach. . . * Jetzt war er wieder der Alte. „Auf. zurück nach Sevilla." rief er seinen Gefährten zu, und wie der Wind jagten die drei Pferde mit ihren Reitern landeinwärts.

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