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Der Israelit · 1903-08-10 · Heft 63 (10.8.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 63 (10.8.1903)
Date
1903-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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f>. Dem im Art. 2 Nt. 6 angegebenen Zwecke, israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines \ Handwerkes körperlich untauglich sind, durch Erthei-! lung von Stipendien die Erlernung eines anderen Be- - rufszweiges zu ermöglichen, hat das Kuratorium den! Betrag von 31,016.92 Kr. (gegen 22,452.84 Kr. im j Vorjahre) zugewendet. Es wurden dadurch nicht allein; solche Personen unterstützt, welche wegen körperlicher i Schwäche ,;um Handwerk ungeeignet, Handels-, Gewerbe- oder Mittelschulen etc. besuchten, auch einer größeren Anzahl unglücklicher, verkrüppelter, blinder { oder schwachsinniger Bittsteller konnte durch Anschaffung eigens konstruirter Strickmaschinen, Schreibmaschinen. Stipendien bei Erlernung von irgend einer Thätigkeit die Möglichkeit eines Erwerbes geschaffen werden. Frankreich. Paris, 5. Aug. Das große Drama, von dem man wohl sagen kann, daß es die größte Tragödie des verflossenen Jahrhunderts ist und bleibt, ist immer noch lebend und hat noch ein fruchtbares Werk gezeitigt, da es die Freunde der Gerechtigkeit vereinigt und die schlummernden Gewissen ermuntert hatte. Dies wiederholt in ausgezeichneter Weise im „Journal de Dimanche" Herr Edouard d'Entopol, der den kürzlich erschienenen dritten Band von Jos. Neinach „Historie de l'affaire Dreyfus" bespricht. Der geistreiche Kritiker hat mit der ihm eigenen Prägnanz die großen Resultate dieses großen, klaren und streng-wissenschaftlichen Werkes gezeichnet. Joseph Reinach ist einer der Männer. die in einem Zeitraum von drei Monaten die ganze Welt für die Sache der Wahrheit zu begeistern verstanden. Und mit einer bewundernswerthen Rübe und einer tiefen Verachtung der gemeinsten Beleidigungen richtet er der Wahrheit ein schönes und dauerndes Denkmal auf. Und da er überzeugt ist. daß Denkmäler mit Steinen und nicht mit Schmutz gebaut werden, weist er weit von sich all diese schmutzigen Geschichten. die im Augenblicke der Revision gang und gäbe waren. Mit einer veinlichen Unparteilichkeit berichtet der Historiker „der größten Ungerechtigkeit des Jahrhunderts" über das große Werk der Lüge und Verleumdung, das gewissenlose Demagogen geschaffen haben, um einem Unschuldigen sein Leben und seine Ehre zu nehmen. Und dann als Gegenreaktion die flammende Begeisterung aller der Männer, in deren Herzen der letzte Funke von Gerechtigkeitsliebe und Menschlichkeit noch nicht erloschen war. Mit Freuden wiederholen wir diese energischen und edlen Worte. Sie sind nothwendig und können nicht oft genug gehört werden. Pi. Paris, 7. Aug. Die Franzosen haben aus Riicksickll auf die Allianz mit Rußland so manche Opfer gebracht, sowohl materieller Natur, als auch des Intellekts und der Selbstachtung. Auch anläßlich der Kischinewer Metzeleien wagten sie sich nicht so recht mit der Sprache heraus, wie dies doch in fast allen zivilisirten Ländern geschehen ist. Schließlich hat man doch in Paris angefangen, dieser Haltung sich zu schämen und so hat. wie aus einem im Pariser „L'Euroveen" erschienenen Artikel Björnstierne Björnsons hervorgeht, eine Versammlung, in welcher hervorragende Redner sprachen, gegen die unablässige Verfolgung der Juden in Rußland und besonders gegen die schweren und ungesühnten Verbrechen von Kischinew protestirt. Palästina. Jerusalem. Seitdem der deutsche Kaiser in Palästina gewesen ist, hat Rußland dem heiligen Land erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Seine Wirksamkeit wurde dort nicht offen zur Schau getragen, sondern versteckte sich hinter einer eifrigen Missionsthätigkeit.' Es gibt jetzt in Syrien und Palästina 155 russische Schulen mit 15,000 Schülern, vor drei Jahren hatten sie nur 9000 Kinder zu unterrichten. Ihr Hauptaugenmerk haben die Russen auf Jerusalem gerichtet. Hier kaufen sie Land und errichten Gebäude jeder Art, Missionshäuser, Schulen, Krankenhäuser und Klöster. Das russische „Neu-Jerusalem" bildet fast eine Stadt für sich und ist thatsächlich eine kleine Festung, die, von einer Mauer umgeben, das alte Jerusalem beherrscht. Frankreich hat seine historische Stellung als Beschützer des Christenthums im Orient an Rußland abgegeben; von der deutschen Regierung werden starke Versuche gemacht, eine ähnliche Stellung wenigstens in Bezug auf die protestantischen Gemeinden zu erlangen. Da Deutschland Ehrgeiz sich aber nicht auf das religiöse Gebiet beschränkt, sondern auch Einfluß auf den Handel in Syrien gewinnen, und dies durch die Förderung der Bagdadbahn zum Theil erreicht hat, wird Rußlands dringender Wunsch, in Syrien festen Fuß zu fassen, noch bedeutend verschärft. Die Begründung von Schulen zur Erziehung der eingeborenen Kinder scheint der russischen Regierung ein vortreffliches Mittel zur Befestigung des russischen Einflusses. Es wird kein Geld gespart. Die begabjesten arabischen Schüler werden zur Vervollkommnung ihrer Erziehung nach Rußland geschickt. Sie kommen mit russischen Gattinnen zurück, werden Lehrer an den palästinensischen Schulen, und da sie mit russischen Anschauungen großgezogen sind, thun sie ihr Bestes, diese russischen Gedanken auch in ihrem Heimathlande zu verbreiten. Rußlands großes Ziel ist jetzt, auch auf die historischen Stätten in Jerusalem die Hand zu legen, an denen es jetzt noch keinen Antheil hatte. Es scheint aber nur eine Frage der Zeit, wann Rußland seine Pläne in Jerusalem erreicht hat. Für die Juden sind alle diese Thatsachen von äußerster Wichtigkeit.

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