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Der Israelit · 1903-08-10 · Heft 63 (10.8.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 63 (10.8.1903)
Date
1903-08-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1389 Eydtkuhnen, 5. Aug. Heute Vormittag passirte hier der erste Vorsteher des Kaiserl. Ruff? Allgcm. Instituts der Pathologie und Experimental-Medizin, der Erfinder der Radii-Strahtcn. ' des bisherigen »alleinigen Mittels gegen äußeren Krebs. Prof. Dr. Efim S. L o n d o n aus St. Petersburg, hier durch. Herr London wird in ganz. Europa Vorträge über seine große Erfindung auf dem Gebiete der ärztlichen Wissenschaft halten. Er ist zu diesem Zwecke von der russischen Regierung entsandt worden. Der Professor Lukjanoff. der frühere Direktor des pathologischen Instituts, jetziger Gehilfe des russischen Ministers für Volksaufklärung, hatte London in Warschau, wo er Hörer von Lukjar war. als Student kennen gelernt, und berief London von dem kleinen Städtchen Wischey bei Calvary, wo dieser praktizirte, dorthin. London hält auch in St. Petersburg Vorlesungen in Physiologie und gerichtlicher Medizin an einer Hochschule, wo der höchste russische Adel hi den kameralistischen Wissenschaften ausgebildet wird. Der berühmte Arzt steht erst im Alter von 33 Jahren, ist der Sohn armer, jüdischer Eltern in Kalvary, Gouv. Suwalki, selbst sehr religiös und ist bereits mehrmals vom Zaren in Audienz empfangen und ausgezeichnet worden Eduard Segall. Oesterreich. Wien. Das Kuratorium der „Baronin Klara von Hirsch Kaiser-Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich" erstattet Bericht über seine behufs Erfüllung der im Art. 2 angegebenen vier Stiftungszwecke entfaltete Thätigkeit: A. Für den im Art. 2, lit. n der Statuten bezeichneten Zweck der Bekleidung und Beköstigung, wurden verausgabt: 101,328.68 Kronen, und sind an Spenden für die Schulküche ca. 600 Kronen eingclaufen. 11. Diesem im Art. 2. lit. h der Stiftungsstatuten bezerchneten Zwecke wurde in folgender Weise Rechnung getragen: a) Mädchenschulen. Wie bereits im Vorjahre berichtet wurde, sind zu den schon vorhandenen vier Mädchenschulen in Buczacz. Kolomea, Stanislau und Tarnow drei weitere, und zwar in Bohorodczany, Vursztyn und Zaleßczyki hinzugekommen. Auch in diesem Berichtsjahre haben die Mädchenschulen von Kolomea, Stanislau und Tarnow im Sinne der wiederholt ausgesprochenen Wünsche der Stifterin, der sel. Frau Baronin von Hirsch-Gereuth, ihr Hauptaugenmerk auf Heranbildung tüchtiger jüdischer Dienstboten gerichtet, während die anderen Schulen mehr die Heranbildung tüchtiger Näherinnen und die Verbreitung von Hausindustrien kultivirten. Die in den einzelnen Orten wirkenden Damenlomitees haben mit anerkennenswerihem Eifer sich die Verwirklichung der Aufgabe der Erwerbsfähigmachung armer jüdischer Mädchen angelegen sein lassen. - b) Vertheilung von Stipendien. Im Hinblicke auf die weitere im Art. 2 lit. b der Statuten vorgesehene Bestimmung der Stiftung, israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhaften Mädchen durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewährung von Unterstützungen, die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftigung zu ermöglichen, hat das Kuratorium weitere größere Subventionen bewilligt. So wurden dem in Wien begründeten Hilfsvereine für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" anläßlich seiner Aktion zur Einführung der Haarnetz-Industrie in Galizien während der Ferien in einer Reihe von Schulgebäuden die notwendigen Räume zur Ertheilung des Unterrichts im Haarnetzen unentgeltlich zur Verfügung gestellt und unseren Schulleitern bis auf weiteres die Erlaubnitz ertheilt, so weit dies ohne Beeinträchtigung ihres Berufes möglich ist, diese Aktion zu fördern. Außerdem hat das Kuratorium einen Betrag von 6000 Kr. dem genannten Vereine zu dem Zwecke zur Verfügung gestellt, dieselben als Prämien für die fleißigsten und tüchtigsten Arbeiterinnen zu vertheilen. Durch die gemeinsame Förderung dieser Bestrebungen ist angesichts der zum Theile vollständigen Erwerbslosigkeit galizischer Mädchen, der immerhin bedeutende Erfolg zu verzeichnen, daß derzeit 3082 Mädchen und Frauen durch die Haarnetzerei monatlich ca. 20,000 Kr. verdienen. * <•) Gewährung von Unterstützungen. Außer den vorstehend angeführten Unterstützungen hat das Kuratorium für mehrere Bittstellerinnen Ringschiffmaschinen angeschafft. Diese Maschinen wurden den Petenten gegen Ausstellung eines Reverses zur Benützung leihweise überlassen. Bei Erledigung dieser Gesuche konnte natürlich nur auf die allerdürftigsten Mädchen, zunächst auf die gewesenen Schülerinnen unserer Mädchenschulen Rücksicht genommen werden. Jnsgesammt wurden für Mädchen verausgabt im 'abgelaufenen Schuljahre 71,113.06 Kr. gegenüber 41.304.60 im Vorjahre. C. In dem Matze, als die Zahl der von der Baron Hirsch-Stiftung beim Handwerke untergebrachten Knaben stetig zunimmt, steigt auch die Anzahl der freigesprochenen Gesellen, welche angesichts der Schwierigkeit, immer in der Heimath Arbeit zu finden, sich mn Gewährung von Reisestipendien an das Kuratorium lucitbet. Das Kurai/mum hat solche in vielen Fällen nach London, Paris, Offenbach. Berlin, Stuttgart, Frankfurt a. M., Turin, Mailand u. a. gesendet | und für diesen Zweck 10,247.86 Kr. (gegen 3760.69 Kr. im Vorjahre) verausgabt.

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