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Der Israelit · 1903-08-10 · Heft 63 (10.8.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 63 (10.8.1903)
Date
1903-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kolonisten bezahlt werden müsien. haben die Schuldenlast derselben in's Enorme gesteigert. In Entrerios gibt es Kolonisten, welche der Gesellschaft 45,000 Mk. schulden, die Schuldenlast in Mauricio beträgt bei manchen Kolonisten 36,000 Mk. Zu der Ausgabe für Gemeindekosten in Höhe von 1425 Mk. kommt noch die alljährliche Schuldentilgung, . welche für die meisten Kolonisten eine jährliche Ausgabe von 3—4000 Mk. bedeutet. Für die 131 Kolonisten von Mauricio betrug 1901 die Gesammtquote für Schuldentilgung 222,000 Mk. — 1678 Mk. pro Kolonisten. Endlich tritt noch hinzu, daß die meisten Kolonisten noch Schulden an Privatpersonen haben, die weniger nachsichtig als die Gesellschaft sind und für ihr Geld außerdem 18 pCt. Zinsen nehmen. Solche Schulden haben die Kolonisten von Mosesville in Höhe von 50,000 Dollar (Bericht des Dr. Sonnenfeld). Nichtsdestoweniger darf die Lage der 138 Kolonisten von Mauricio als sehr günstig betrachtet werden. Die Anpflanzung der Luzerne bewirkt, daß sie weder von der Laune der Witterung, noch von dem guten Willen der Heuschrecken abhängen. Außer der Luzerne, die ihnen eine ausgedehnte Viehzucht ermöglicht und eine glänzende Zukunft verbürgt, haben sie 6664 Ha. mit Mais und 5559 Ha. mit Getreide bepflanzt, die in diesem Jahre eine glänzende Ernte ergeben haben. Die Kolonisten von Mauricio haben daher nicht nur pünktlich ihre Jahresrathen geleistet, viele von ihnen waren sogar in der Lage, jüdische Einwanderer aus Rußland als Arbeiter zu beschäftigen. Infolge dieser günstigen ökonomischen Situation ist die Administration auf einen Administrator nebst Gchülfen reduzirt und die ganze Verwaltung in die Hand der Kolonisten selbst gelegt worden. Nicht mehr so günstig ist die ökonomische Lage der Kolonisten von Mosesville. Diese älteste jüdische Kolonie in Argentinien hat in der letzten Zeit sowohl an Umfang ihrer Areals, wie an Zahl ihrer Bevölkerung ganz erheblich zugenommen. Aon 24,000 Ha. im Jahre 1899 ist sie auf 120,000 Ha. im Jahre 1902 gestiegen, während die Zahl ihrer Kolonisten durch starke Zuwanderung aus Rußland und Rumänien von 130 auf 251 mit 385 Familien und 2500 Einw. gewachsen ist. Leider erwies sich der Administrator dieser Vergrößerung der Zahl seiner Schutzbefohlenen gegenüber wenig gewachsen, so daß er abgesetzt werden mußte. Die Getreideernte hat in Folge der in dieser Gegend chronischen Dürre, welche die Provinz für Getreidebau wenig geeignet erscheinen läßt, ein ungünstiges Ergebniß gehabt. Die alten Kolonisten hotten noch an der Luzerne, die durch den günstigen Stand des Grundwassers im Norden von Santa-Fe vorzügglich gedeiht, einen Rückhalt gefunden. Ein Theil der Luzerne wird von den Kolonisten verfüttert, während der Rest in großen Ballen nach Buenos-Aires verkauft wird. Schlimmer daran waren aber die neuen, einstj weilen ausschließlich auf den Getreidebau angewiesenen Kolonisten. Diese mußten Vorschüsse aus Rumänien. sogar direkte monatliche Unterstützung in Anspruch j nehmen. Für die Zukunft wird beabsichtigt, nebst der ' Vergrößerung der Luzerneanpflanzungen mehr Maisj bau als bisher zu treiben. Im Jahre 1902 wurden i in Mosesville 18,341 Ha. bebaut, davon 5011 mit j Getreide, 3785 mit Flachs, 2285 mit Mais und 2691 mit neuen Luzerneanlagen. Dazu kommen noch 4568 I Ha. Luzernenfelder, die den alten Kolonisten gehören. I An Nutzvieh besaß die Kolonie 12,687 Stück, darunter 2659 Ochsen, 3558 Pferde und 6386 Kühe. Sehr schlecht geht es leider immer noch den jüdischen Kolonisten von Entre-Rios, welche mit 800 Familien und 4097 Seelen das Gros der jüdischen Kolonisten in Argentinien bilden. Die Ursache ihres Mißerfolges ist leicht begreiflich. Wegen des zu tiefen Standes des Grundwassers will die Luzerne nicht gedeihen. Das Terrain ist wellenförmig und der Getreidebau auf demselben schwierig. Nasse Jahre wechseln in Entre-Rios mit langwieriger Dürre ab. j Die Kolonisten haben fortwährend Enttäuschungen erlebt, denn bald wurde ihre Ernte von der Dürre ver-! nichtet, bald wurde sie von heftigem, unablässigem Regen erdrückt. Unverständlich bleibt nur, wie man gerade diese Provinz, in welcher es selbst der genügsamste Italiener und der so tüchtige Deutsche nicht lange aushält, speziell für jüdische Kolonisationsversuche wählen und den größten Theil aller jüdischen Kolonien Argentiniens ausgerechnet hierher verlegen konnte. Der Bodenbesitz der „I. .K. A." in! dieser von jedem anderen Menschen gemiedenen Provinz erstreckt sich auf über 200,000 Ha. (etwa 40 Quadratmeilen) von denen 100,000 Ha. zur Verfügung der bereits ansässigen Kolonisten steht. Dieselben haben davon 27,791 Ha., gegen 19,036 im Vorjahre, angebaut. darunter 14,638 mit Getreide, 8649 mit Flachs und 3060 mit Mais. Man sieht, die Kolonisten thun ihr Bestes und haben in diesem Jahre die Anbaufläche um nahezu 9000 Ha. vergrößert. — Ihr Viehbestand hat ebenfalls gegen das Vorjahr eine namhafte Vermehrung um 2625 Stück erfahren, und zählt jetzt 24,765 Köpfe. Aber aller Fleiß hilft nicht gegen eine schlechte Verwaltung und einem noch schlechteren Klima. Daher kommt es, daß die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den zwanzig Kolonien der Provinz Entre-Rios. trotz neuer Zuwanderung aus Rußland, stets zurückgeht und seit 1899 von 4982 auf 4097 gesunken ist. Die gegenwärtige Situation der Kolonisten ist kurz folgende: Kein einziger von ihnen ist in der Lage, irgend welche Rückzahlung zu machen, der größte Theil von ihnen ist mit Privatj schulden bebürdet. Die Kolonisten von Lucienville, Primero de Mayo und Basal Basalvilbaso bedürfen

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