Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1903)
- Date
- 1903-08-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1375 iteie Lebenslaufbahn vollendet hast, der Du eingezogen bist in dem pv p wo Du den wohlverdienten Platz unter den opnx einnimmst. Möge jedes Samenkorn des Guten und Edlen, das Du ausgestreut hast, aufgehen und sich Dir hieraus erheben ein unvergängliches Denkmal für ewige Zeiten! 7:212b pnx 12, «roufr non 162 Juowrazlaw. Ueber den Begriff „Eigenthumsrecht" herrschen Meinungsverschiedenheiten zwischen den jüdischen Gemeindemitgliedern und dem Synagogenvorstande. Schon seit langen Jahren gehen Vorstand und Repräsentanten-Kollegium mit der Absicht uni, eine neue Synagoge zu erbauen. Aus diesem Grunde wurden von diesen Körperschaften schon eine Menge Sitzungen abgehalten und Beschlüsse gefaßt. Die allzu große Baufälligkeit der alten Synagoge zwingt den Vorstand, dem Projekte näher zu treten. Tie Inhaber von Sitzplätzen in der Synagoge verlangen, daß auch ihr Eigenthumsrecht ihrer Sitzplätze auf die neu zu erbauende Synagoge übergehe. Der Vorstand ist anderer Ansicht, er behauptet, daß das Eigenihumsrecht der Sitzplätze in der Synagoge den Inhabern solange gesichert bleibt, wie die Synagoge benutzt wird, mit dem Augenblick aber, wenn diese niedergerissen, aush'öre. Wan ist aber der Zuversicht, daß eine Einigkeit zwischen den Parteien erzielt werden wird. Rußland. Kischinew. Jetzt endlich ist es gelungen, den „Ritualmord" von Dubossary, der von Kruschewan in seinem „Pessar abetz" zu den wüthigsten Verhetzungen ousgeschlachtet wurde und in allererster Reihe die Vlutthaten von Kischinew zur Folge gehabt hat, aufzuhellen und die Mörder zur Verhaftung zu bringen. Ende Februar d. % wurde zu Dubossary, einem kleinen Städtchen im Gouvernement Cherson, im Garten eines gewissen Scholubow, der Leichnam eines 14jährigen Knaben Namens Michael Rybatschenko aufgefunden. Der Körper wies viele von einem spitzen Instrument herrührende. Wunden auf. Sofort verbreitete sich in Dubossary und im benachbarten Vessarabien das Gerücht. „die Juden hätten den Christenknaben zu Ritual- Zwecken ermordet." Den Gerichten und den Behörden gab der Fall viel zu schaffen. Der Ober-Staatsanwalt des Odessaer Appellationsgerichts A. I. Pollan, der Staatsanwalt des Odessaer Bezirksgerichts N. M. Lcwtschenko und der Chersoner Gouverneur Wirklich. Staatsrath W. A. Lewaschew, aber auch die Polizei der Residenzstadt Petersburg interessirten sich angelegentlichst für das Verbrechen und schickten einige ihrer gewiegtesten Vertreter nach Dubossary. Doch der in tiefes Dunkel gehüllte Mord war nicht aufzuklären. Der Gouverneur hatte den Gehilfen des Chefs der Detektiv-Abtheilung, W. K. Matwejew, nach Dubossary geschickt. Matwejew ließ sich dort, als Berufsloser nieder. Des jüdischen Jargons vollkommen mächtig,, lebte er drei Wochen lang unter den Juden und kam dabei zu der Ueberzeugung. daß der gegen die Juden ausgestreute Verdacht absolut grundlos sei. Er kehrte nach Cherson zurück und wurde erst nach einiger Zeit vom Oberstaatsanwalt mit weiteren Recherchen unter der christlichen Bevölkerung beauftragt. Der außerordentlich tüchtige Beamte wandte die verschiedensten Mittel an, um die Wahrheit zu ergründen. Er verkleidete sich zuerst als Bettler, alsdann als Feldarbeiter und lebte so vier Wochen in der Umgebung von Dubossary. Unterdessen machte er die Bekanntschaft der Familie Rybatschenko und näherte sich einem jungen Mädchen dieser Familie, mit dem er ein Liöbesverhältniß einging. Er erzählte dem Mädchen, daß er an den Ausschreitungen in Kischinew theilgenommen und sehr viel Geld erbeutet habe, aber aus Furcht vor Bestrafung den Bettler spiele. Seine Angaben fanden - Glauben, zumal da er dieselben durch werthvölle Geschenke und Trinkgelage bekräftigte. Von diesem Mäd-. chen nun erfuhr Matwejew, daß der Onkel des ermordeten Knaben Rybatschenko, Michael Timoschtschuk»-- mit Hilfe des Gärtners Anton Tischtschenko, der bei' dem Juden Josef Filer als Gartenaufseher beschäftigte war. den Mord begangen habe. Matwejew fand auch den Schafpelz, den Timoschtschuck während des Verbrechens angehabt und den er wegen der Blutflecke vergraben hatte. Von dem Gärtner Tischtschenko,; mitdem er tagelang zechte, erfuhr der Beamte weitere Ein-" zelheiten, .vor allem, daß der Großvater des Er-, mordeten, Kanon Rybatschenko, zum. großen Aerger seines Schwiegersohnes Michael Timoschtschuk. den Knaben vermittelst eines notariellen Testaments : zum: Erben des größeren Theiles seines Vermögens einge-,.: setzt habe. Damit war auch das Motiv des Verbrechens gefunden. Nach zweimonatlichem Aufenthalt in Dubossary verschwand Matwejew am 6. d. M. plötzlich, um am 9. d. M. in Begleitung mehrerer Polizisten wieder daselbst einzutreffen.' Noch am ■ selben Tage wurde Timoschtschuk, zwei Tage später Tischtschenko und dessen Frau verhaftet. Nach kurzem Leugnen gestand Tischtschenko. daß er am 21. Februar auf dem großen Bazar zu Dubossary mit dem Timoscht-' schuk zusammentraf, der ihn zu einem Glase Wein einlud. Sie begaben sich nach der Schankwirthschaft des Jankel Fischmann, und beim Leeren der achten Flasche raunte ihm Timoschtschuk in's Ohr. er möge ihm bei der Ermordung des Knaben behilflich sein, wofür er 60 Rubel erhalten sollte. Als er sich weigerte, suchte ihn Timoschtschuk zwei Wochen hindurch jeden Tag auf, bis Tischtschenko sich endlich, gegen die Zusicherung, daß er die Hälfte der Erbschaft erhalten solle, bereit erklärte, ihm zu Willen zu sein. Zugleich gestattete er dem Timoschtschuk, den Mord in seiner