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Der Israelit · 1903-08-06 · Heft 62 (6.8.1903) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 62 (6.8.1903)
Date
1903-08-06
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1376 Wohnung, die in einer Ecke des dem Juden Filer gehörenden Garten lag, auszufül-ren. Eine Stunde später kehrte Timoschtschuk mit seinem Neffen zurück, traktirte feinen Cumpan mit mehreren Flaschen Schnaps, dann stieß er den Knaben in den Keller, sprang ihm nach und schlug mit einem Stück Holz auf ihn ein, bis er bewußtlos zusammenbrach. Hierauf zog er ein scharfes Messer hervor, durchschnitt den Hals des Knaben und brachte ihm mehrere tiefe Stiche in der Vrustgegend bei. Auf die Frage Tischtschenko's. weßhalb er den Leichnam derart zurichte, erwiderte er, das geschehe, um die Schuld desto leichter auf die Juden lenken zu können. Der Gärtner half den Knaben entkleiden und abwaschen, worauf sie die Leiche über den Zaun in den Garten Scholubow's warfen. Nachdem Tischtschenko sein Geständniß am 13. Juli vor dem Untersuchungsrichter wiederholt hatte, trafen der Oberstaatsanwalt und der Staatsanwalt des Qdessaer Bezirksgerichts in Dubossary zur Besichtigung des Thatortes ein. Tischtschenlo zeigte die Stelle, wo der Mord ausgeführt wurde, sowie diejenige, wo das dem Knaben abgezapfte Blut vergraben wurde, und die Holzspähne. an denen sie ihre Hände abgewischt hatten. Daß unter unseren Glaubensgenossen über die kaum mehr erhoffte Entdeckung' des Verbrechens große Freude herrscht, ist begreiflich. Dieser Tage hat in der Synagoge zu Dubossary. das nur vier Meilen von Kischknew entfernt ist, ein Dankgottesdienst stattgefunden. Kischinew, im Juli. Der neue Gouverneur, Fürst Urussow, hat in Folge der vollständigen Beruhigung der Gemiither das seit dem Massakre angeordnete ständige Abpatrouilliren der Straßen durch Militär wieder aufgehoben. Dieser Umstand, sowie die persönliche Inspizierung der Ordnung in der Stadt durch den Gouverneur hat einen vortrefflichen Eindruck auf die Bewohner gemacht, die während der militärischen Maßnahmen immer in der Besorgniß lebten, daß weitere Unruhen bevorständen. Vermischtes Karlsruhe. Freifrau Adclbcid von Rothschild, die in Paris verheirathete Tochter des vor 2 Jahren in Frankfurt verstorbenen Barons Wilh. v. Rothschild, hat für die Errichtung einer Lungenheilstätte für Israeliten in Adelshcim eine halbe Mill'vn Mark gespendet. Die Anstalt heißt ,M. A. v. Rothsckildsche Lungenheilanstalt". Vorsitzender dcS Ausfchttsscs ist Nabh. Dr. L. Löwen st ein» MoSbach. Kolberg, 28. Juli. Am vergangenen Sonnabend beging das jüdische Kurbospital sein 29. Stiftungsfest. Zur Feier dieses TageS wurde am Vormittag in Verbindung mit der Sabbatandacht ein Festgottesdienst in der AnstaltSsiinagoge abgchaltcn. Wie in früheren Jahren, so findet auch dieses Mal das Stiftungsfest seinen Abschluß durch cm heute im Strandschloß stattsindendeS Wohlthätigkeitskonzert. Neu cingegangme Mcher. (Besprechung Vorbehalten.) Farbstein, David Dr.jur.Der Zionismus und die ZudenfrLge.29 S. Pr. Mk. 0.50Bern.Scheitlin, Sprin g u. Co. Norden, Dr. I.. Rabbiner in Myslowitz. David Deutsch (1810—73) Rabbiner in Myslowitz u. Sohrau O.-S. Ein Lebensbild. 45 S. Hcrausgcgeben vom Verein für jüd. Geschichte und Litteratur in Myslowitz. Rechenschaftsberichte des Vereins des jüd. Lehrer, seminares im Rheinland zu Köln für 1901/1903. Das 35. u. 36. Jahr seines Bestehens. Köln 1903. Bericht des Kuratoriums über die Baronin Clara von Hirsch-Kais e r-J u b il ä u m s-S ti ft u n a. sür die Zeit vom 1. September 190l bis 31 August 1902. 42 S. Wien 1903. Druck und Verlag von Moriz Waizner und Sohn. Bericht des Kuratorivms der B a r o n H i r s ch-S tiftun - zur Beförderung des VolkSschulunterrchtes für die Zeit vom l. «September 1901 dis 31. August 1902. 76 S., nebst Karten von Galizien u. Bukowina und Beilagen. Wien 1903. Druck und Verlag von Moriz Waizner und Sohn. Freytag. Gustav. Reichstags-Wahlkarte 1903. Pr. Mk. 0.65. Leipzig u. Wien. G. Freytag u. Berndt. Gurlitt, Dr. Ludwig. Der Deutsche und sein Vaterland. 145 S. Pr Mk. 150. VII. Ausl. Berlin 1903. Wiegandt ».Grieben. soeben ist im Verlage von Leonhard Simion in Berlin ein 3dm?td,eu (Preis 1 Mark) erschienen, das wohl Brach-»»lg verdient: „Moderne Erzichungsfragen.- Briefe einer Mutter. Bon Johanna Tb im in. Der Inhalt deckt sich vollständig mit dem Titel, da es sich um Erziehungsfragen handelt, die gerade die heutige Zeit aufgeworfen hat. In sechs Briefen spricht eine Mutter an ihre Freundin — ossenbar aus eigener Erfahrung heraus — über den Umgang von Eltern und Kindern in einer Zeit, in der die Jugend ldwn früh aus de» Schranken des Familienkreises heraus» itrcvt und die Eltern doch nicht ihren Einfluß auf sie anfgcdc» dürfen, über die religiöse und über die ütrliche Frage. Wenn die Schnlsrage kürzer behandelt ist. so liegt es wohl darin, daß hier nur die Frau und Mutter zu Worte kommt, die sich für eingehende Rcformvorschläge nicht kompetent fühlt.Mag man denvorgetragcncn Ansichten aber zustiinmen oder nicht, immer werden sic zir ernstem Nachdenken nnregen, und das ist. wie ans den Worten der Brief» ftcllerin selbst hervorgehr, auch der Hauptzweck des Schriftchcns. ^rlminal.Prorrist aller Zelten. Sammlung interessanter Prozesse «*• ans Vergangenheit und Gegenwart. Alle 4—« Wochen cm abgeschlossener, cmzeln känssicker Band von 160—192 Seiten zum Preise von 50 Pfennig. Bis jetzt find 5 Bände ausgegeben. (Otto Webcr's Verlag, Heilbronn a. Neckar.) In dieser eigenartigen, prächtig ansgenatteten Sammlung. die zu den interessanteuen Erschenningen auf dein literarüdicn Gebiete gezählt werden darf, lernen wir nicht nur eine Reihe der berühmtesten Prozesse aus den Zerren der Folter, der Inquisition u.,. io. kennen, sondern sie enthalt auch Slnmm.Ufattc aller Lander aus spätereil Epochen und ans der neueren Zeit. Tie. Darstellung der Prozesse ist lebendig und fesselnd, aber streng nn Rahmen der Wirklichkeit gehalten. Aus den vorliegenden Bänden seien die nachstehenden Hauptabschnitte genannt, die zur Genüge erkennen lassen, welch vielseitiges und hochinteressantes Unternehmen wir in den Kriminal» Prozencn aller Zeit vor uns haben: 1. Band: Die Folter. — Die Leides- und Lebensstrafen. — Die Heren-Prozesse. 2. Band' Der J nquintionsprozetz. Hierauf machen rvic besonders aufmerksam, da in diesem Ab,cvmtt die Ketzervrvzesse gegen die spamswen Juden geschildert werden. — Das »noderne Verbrechen. — 3. A"nd- Benihmte GiftmischerlNi^m' - Der Mordprozetz Seinze. 4. Band: Der Fall Nostm. Dec.Toulouser Justizmord. 5. Band: Mord- und Lnstmordorozesse. Berühmte Rauberyrozesse. — Weibliche Straßen» rauber. Weitere Bande. d,e ebenso interessante Fälle behandeln, dermden uch m .Vorbereitung. Alle . Buchhandlungen nehmen Bestellungen au, einzelne Bande sowie auf den Abonnementsbezua der ganzen Sammlung lederzcit entgegen.

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