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Der Israelit · 1903-08-06 · Heft 62 (6.8.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 62 (6.8.1903)
Date
1903-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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läge für mich kein Grund vor. auf die Benutzung zu verzichten, — wenn ich nicht Kohen wäre. Mit dem früheren Oberbürgermeister, jetzigem hessischem Finanzminister. Herrn Dr. Gnauth, habe ich sogar darüber verhandelt, welche Einrichtung mir die Mitbenutzung ermöglicht hätte, und hätte die Ausführung bei der Größe des Gebäudes nicht allzuviele Schwierigkeiten verursacht, dann wäre sicherlich auch diesem Umstande Rechnung getragen worden. Gegenwärtig liegen die Pläne für den Bau einer entsprechenden Halle für die Israeliten — sowohl für die Religionsgemeinde, als auch für die Religionsgesellschaft — auf Kosten der Stadt vor. bei denen ein so großer, besonderer Anbau vorgesehen ist, daß darin nicht nur die Kanzel, sondern auch die Kohanim unter den Gemeindemitgliedern Platz finden können. / Bedauerlicherweise haben sich bei unserer Friedhofsangelegneheit Einflüsse geltend gemacht von verschiedener Seite, die mit viel weniger Recht noch als die von Herrn Oberbürgermeister Gnauth angeführte, als zuständig bezeichnet werden dürften. Dadurch sind für die wirklich zuständige Seite die Verhandlungen unnöthigerweise erschwert und ist manches Saatkorn der Zwietracht ausgestreut worden, das glücklicherweise hier — trotz der Spaltung der Gemeinde — keinen günstigen Nährboden gefunden hat. Hochachtungsvoll Dr. Sander, Großherz. Provinzialrabbiner. Ungar n. Budapest, .28. Juli. Die Temesvarer Kronenbank hat unter Mitwirkung des Oberrabbiners Dr. Jacob Singer und des Generaldirektors Herrn Fenyves Miksa unter den Mitgliedern der israelit. Statusquo-Gemeinde Temesvar Fabrik 367 Kronen, Gemeinde - Präsident Herr M. Moskovitz in Eperies hat unter den israelitischen orthodoxen Gemeindemitgliedern 162 Kronen gesammelt und für die unglücklichen Juden in Kischinew eingesendet. — In Bielek, Bosnien, ist ein verhängnißvolles Manöverunglück passirt und sind von den zur Waffenübung eingerückten Reserve-Infanteristen 15 Todte, darunter 3 Juden. 9 Tobsüchtige, 27 lebensgefährlich und 97 Marode zu verzeichnen. Beim Einrücken nach Vieleck überraschte in der Nähe der Stadt ein plötzlicher Wetterumschlag die Truppen. Die Temperatur stieg auf 53 Grad Celsius. In Folge dieser enormen Hitze stürzten die Soldaten zusammen. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Soma Visontai interpellirte den Ministerpräsidenten in dieser Angelegneheit und forderte denselben auf, in der Zukunft Maßregeln zu treffen, damit solche Unglücksfälle nicht Vorkommen sollen. — Am 13. August l. I. werden es 25 Jahre, daß Ungarn Bosnien und die Herzegovina okkupirt und beim Städten Ravnica die erste Schlacht zwischen dem Budapester Hausregiment und den bosnischen Insurgenten stattgesunden hat. Aus diesem Anlaß wird eine würdige Feier in Budapest veranstaltet und in Ravnica und Stolac die Bekränzung der Grabstätte der gefallenen Helden, darunter zahlreiche Juden, vorgenemmen werden. In Sarajewo wird in der großen Synagoge ein Trauergottesdienst abgehalten. In Budapest hat das Vorbereitungskomitee den jüdischen Hauptmann Herrn Peter Stein zum Vicepräfidenten gewählt. In Sarajewo wird unser Glaubensgenosse, Herr Oberleutnant Hugo Schönfeld die Trauerrede halten. — Herr Soma Roenberg, Advokaturskandidat und Fachschriftteller in Budapest, hat ein Buch in ungarischer Sprache veröffentlicht unter dem Titel: „Jean de Lafontaine und die Weltliteratur." — Seine Majestät hat den jüdischen Ministerialrath im Justizministerium, Herrn Dr. Michael Szanio und seinen gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung feiner langjährigen, eifrigen und erfolgreichen Dienste den ungarischen Adel mit dem Prädikate „de N^m et teere" verliehen. Der ungarische Juristenverein wird Herrn Szanto zum Ehrenmitglied wählen. Joseph Spitzer. Feuilleton. Äosef von Sevilla. Erzählung aus der Zeit der Inquisition. 5! X Der alte Gefängnißauffeher hatte seinen letzten Rundgang durch die verschiedenen Zellen beendet; es war alles in Ordnung und ruhig konnte er sich jetzt zu einer kleinen Arbeit niedersetzen. Da pochte es an die Thür. „Wer ist da?" rief der Alte. „Ein müder Mönch, der noch keine Zuflucht für die Nacht gefunden hat," antwortete eine tiefe Stimme von außen. , Der Aufseher beeilte sich die Thüre zu öffnen und herein trat, auf einen Stock gestützt, ein alter, würdig aussehender Mönck, mit langem weißen Barte. ..Seid mir gegrüßt, ehrwürdiger Vater, was ist Dein Begehr?" * „2üfj mich erst ein wenig Platz nehmen, ehe ich Dir antworte, mein Sohn." Nach einigen Minuten schien er sich so weit erholt zu haben, um die Frage des Aufsehers beantworten zu ' können.

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