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Der Israelit · 1903-08-06 · Heft 62 (6.8.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 62 (6.8.1903)
Date
1903-08-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Werk den herzlichsten Dank ausspreche, mögen mir alle Leser diese Pietät gestatten. Es möge zur Ehre und Freude dieser Männer gereichen, wenn wir unsern Gefühlen freien Lauf lassen, denn ..Wovon das Herz voll ist. geht der Mund über." Besonders richte ich an alle Gönner die herzliche Bitte, auch fernerhin dem Krankenhaus in Gailingen ihr Schärflein beizutragen. Jeder wird doppelt gerne geben, wenn er steht, daß seine Gabe wirklich gut angewendet ist. Es ist wohl ein Fonds da. er reicht jedoch bei weitem nicht, um Unbemittelte kostenfrei zu halten. Der Hauptleiter ist der israelit. Arzt Dr. Heilb r o n n,' ein Mann von größter Gewissenhaftigkeit und unermüdlicher Thatkraft. Durch seine glückliche Praxis weiß er die Frequenz des Krankenhauses zu vermehren und zu erhalten, was zum finanziellen Wohl der Anstalt nicht unerheblich beiträgt. Dieser Arzt besucht bei jedem Wetter und trotz des weiten Weges, oft 2-^3 mal täglich seine Patienten, gleichviel, ob dieselben hoch- oder niedriggestellt seien. Wie viele, die nach menschlicher Berechnung keinen Anspruch auf Wiedergenesung machen konnten, wieder gesund und munter das Krankenhaus verließen, darüber gibt die Statistik von Berlin und Roßbach Aufschluß. Kürzlich war ein kleiner Junge da; anhaltendes Fieber machte seinen Zustand überaus hoffnungslos. Nebst Gottes Hilfe ist es dem tüchtigen Arzte zu verdanken, daß der Junge schon nach zwei Monaten gesund das Krankenhaus verlassen konnte. Mit welch' freudestrahlendem Antlitz die Eltern ihren Liebling hcimführten, mögen die Leser und besonders die Familienväter sich vorstellen. Eine schwerkranke Frau von 72 Jahren nahm ihre Zuflucht in dies Krankenhaus. Bei ihrer Ankunft war sie so erschöpft, daß man jeden Augenblick ihr Hinscheiden befürchtete. Durch die Mühe und den bestniöglichen Aufwand von Seite des Arztes war dieselbe schon nach drei Monaten so frisch und munter, daß sie dauernd leichtere Arbeiten berichtete und häufig korresvondiren konnte. Auch meine Mutter war 2XI- Jahre dort, denn ein hartnäckiges Leiden, von dem sie nicht wieder befreit werden sollte, veranlaßtc sie zu diesem Schritte. Obwohl sie nicht auf Genesung hoffen konnte, wurde ihr doch in dieser Anstalt das Leben um §wei Jahre verlängert und ihr Leiden bedeutend erleichtert. Wenige Tage vor ihrem .Hinscheiden erklärte sie: „Die Schwestern dieses Hauses verdienen den Himmel auf dieser Erde." Solche Worte aus dem Munde eines Kranken sind beZeichnend. Nicht unbemerkt bleibe, daß selbst di? Frau Dr. Heilbronn am Liebeswerke innigen Antbeil nimmt, der sich dadurch bekundet, daß sie jegliche Fürsorge zur Linderung der Leidenden zu treffen weiß. Sie ist Präsidentin des Frauenvereins und geht mit dem guten Beispiel voran. Das Krankenhaus ist tolerant und nimmt Andersgläubige auf ohne spez. Kosten; der Preisunterschied besteht nur darin, ob einer ein Zimmer für sich allein beansprucht oder nicht. Jeder Kranke, ob erster oder dritter Klasse, wird mit derselben Gewissenhaftigkeit und Güte behandelt. Einst kam ein Handwerksbursche, er konnte sich kaum noch aufrecht halten; hier fand er bereitwillig Aufnahme und Verpflegung. Da angenommen wurde, derselbe sei reformirter Konfession, ließ man den. eine Stunde weit entfernten Pfarrer holen. Nach achttägigem Leiden verschied der Kranke. Man berichtete an Hand des Heimathscheines seinen Verwandten, diese wollten jedoch in ihm keinen Angehörigen erkennen, er wurde photographirt unti ohne Namen beigesetzt. Das jüdische Gesetz wird strenge innegehalten. Die Mahlzeiten, besonders an den Feiertagen, sind reichhaltig und mit passender Abwechslung. Kurz, man fühlt sich wie im Familienkreise und wir empfehlen jedcul Leidenden eine solche Pflege. Die Küche steht unter spezieller Aufsicht. Von Seiten des ganzen Vorstandes wird dem Kranken Linderung und Trost gebracht. So möge die Saat dieses Werkes gedeihen und. heranblühen zum Tröste der Mitmenschen und zur Ehre der Leiter. . Gießen, Z. Aug. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Zu dein Berichte Ihres geschätzten Blattes aus Gießen, enthaltend die Erklärung des hiesigen Oberbürgermeisters, Herr Mecum, in den Gießener Zeitungen: „Der neue Friedhof und seine Weihe".'muß ich berichtigend bemerken: Bei allen Verhandlungen mit der Stadtvertretung seitens des Vorstandes und des Rabbiners der Religions gemeinde ist die Bedingung gestellt worden, daß für jüdische Gräber gesonderte Felder bestimmt werden. In diesem Punkte hat niemals eine Verschiedenheit zwischen den beiden Religionsgemeinschaften und Rabbinern bestanden, zumal uns dieses Recht von Anfang an eingeräumt worden ist/ bevor noch „in Folge eines Versehens die Friedhofskapelle mit dem Kreuzeszeichen versehen" worden ivar. Von zuständiger Seite ist also die von j Herrn Oberbürgermeister Mecum angeführte Versicherung niemals abgegeben worden, vielmehr handelt es sich nur um eine persönliche Meinung eines der jüdischen Stadtverordneten, die dieser, wie ich bestimmt weiß, auch nur htivothetisch geäußert hat: wenn nämlich die jüdischen Gräber nicht der Wiederbelegung entzogen lverden müßten, dann bestünde kein Hinderniß, jüdische Leichen mitten unter die christlichen zu bestatten. Uebrigens hat dieser Herr sich auch belehren lassen, daß seine Meinung irrig gewesen sei. Betreffs der Friedhofshalle bestand allerdings die Absicht, sie vollständig konfessionslos zu gestalten, in diesem Falle

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