Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 62 (6.8.1903)
- Date
- 1903-08-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1S5s der Samstag ist den Juden geboten und nicht der Sonntag. (Luthers Werke. Th. 3. Seite 643.) Jahrhunderte hindurch haben nichtjüdische Konfessionen den Sabbat gefeiert, wie es auch noch heute nichtjüdische Sekten gibt, die den Sabbat als Ruhetag begeben. Haben doch große und gelehrte Männer (magui et literati viii) christlicher Religion ihren Glaubensgenossen die jüdische Sabbatfeier zur Pflicht gemacht.") Immer mehr und mehr bricht sich die Erkenntniß Bahn, daß die Verkürzung des Arbeitstages, welche zu den sozialen Forderungen der Neuzeit gehört, die volle Außerthätigkeitssetznng von der gewohnten Leistung für einen ganzen Tag niemals ersehen kann. Da tritt die hehre Gestalt des großen Nachum Gam su vor unser Auge, der nämlich dem römischen Kaiser im Namen Israels ein Geschenk von Perlen und Edelsteinen überbringen sollte, die jedoch, als er in einer Herberge übernachtete, von seinen Wirthsleuien aus dem hierzu bestimmten Behälter herausgenommen wurden, den sie hierauf mit Erde füllten. Als Nachum Gam su dies am anderen Morgen wahrnahm, sprach er „Gam su letoboh," reiste getrost weiter und überbrachte dem Kaiser das Geschenk im Namen seines Volkes. „Die Juden spotten meiner, Ihr seid des Todes" — rief der Kaiser erzürnt, als er beim Oeffnen des Behälters nichts weiter als Erde erblickte. Als jedoch hierauf der Prophet Eliah die Gestalt eines der kaiserlichen Räthe annahm und mit den Worten „vielleicht ist es von der Erde Abrahams, die zu Schwertern wird, wenn man sie gegen den Feind wirft," vor den Kaiser hintrat, da ließ derselbe, zumal er gerade in einem Kampf mit einer Provinz verwickelt war, die er nicht erobern konnte, mit der ihm überbrachten Erde einen Versuch anstellen und siehe da — der Feind wurde völlig geschlagen. In Ehren entlassen und reich beschenkt trat nun Nachum die Heimreise an, kehrte unterwegs in dieselbe Herberge ein, wie auf der Hinreise, und auf die Frage seiner Wirthsleute: „Was hast Du dem Kaiser Lberbracht, daß er Dir so große Ehre erwiesen?" antwortete er ihnen: „Was ich von hier mitgenommen." Darauf rissen sie ihr Haus ein. luden den Schutt auf einen Wagen, fuhren damit zum Kaiser und sprachen: Dies ist dasselbe, was Dir jener überbracht. Es wurde auch damit ein Versuch gemacht, doch als das Ergebnitz kein günstiges war, wurden die Ueberbringer hingerichtet.") So steht auch das jüdische Volk ruhmnmflossen da. Nachum, es kann Trost finden für all' das unsägliche Leid, das es im Laufe der Jahrhunderte erfahren, in dem . Bewußtsein, daß n w, daß auch das Goluth ihm und den Völkern, unter denen es seine Mission noch nicht vollendet hat, zum Segen und zum Heile gereicht. Liegt auch der Tempel in Trümmer, 12) S. Berg. Otto de Flumtne Sabbatico 8 10. 13) Tanith 21. ward auch Israel in der dunklen Nacht des Goluth „seiner Perlen und Edelsteine," seines äußeren Glanzes beraubt, so ist es doch noch reich genug, um selbst Kaiser und Könige, ja selbst ganze Völker zu beglücken mit den Lehren, die dem Boden seiner Gotteslehre entstammen. Nicht „auf dem Schutte eines Hauses," nicht auf den Trümmern eines von Menschen errichteten Lehrgebäudes, sondern auf der „Erde Abrahams", auf dem Boden des wahren, echten Judenthums werden die Feinde der Humanität und der Aufklärung in die Flucht geschlagen, feiert die Kultur und der Fortschritt die höchsten Triumphe. (Fts. folgt.) Zeitungsnachrichten und Coerespondeuzen. Deutschland. Aus Westfalen. Vermittelst Ihrer gesch. Zeitung möchte ich heute Ihrem werthen Leserpublikum über die Erfolge des „Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in Westfalen" ein gedrängtes Vild entwerfen. Wer sich je mit den intimeren Verhältnissen des Standes der orthodoxen Juden in Westfalen beschäftigt hat, dem wird es nicht entgangen sein, daß sich der Verein Aufgaben stellte, die fast die Grenzen des Möglichen überschreiten. Nachdem nun seit 1*4 Jahren Herr Rabbiner Dr. Ma r x an die Spitze dieser Bestrebungen getreten ist und die Errungenschaften des verehrten Herrn Rabbiners weit mehr als das Erhoffte bezeugen, dürfte es jedem Juden, der für die Interessen seines Glaubens weiter als bis an die Stadtgrenzx blickt, Werth haben, von diesem gottgefälligen Werke Kenntniß zu erlangen. So hat, um nur ein Beispiel aus vielen anzuführen, Herr Dr. Marx mit eiserner Ausdauer Monate lang daran gearbeitet, einen Rcligkonsbezirk für circa 36 schulpflichtige Kinder, die bis dahin ganz ohne irgend welchen Religionsunterricht heranwuchsen, zu schaffen. Das Werk ist ihm glänzend gelungen, und wenn je, so kann man hier die Worte anwenden: „Nicht durch Macht, sondern durch Geist", hat er die Eltern und Mitglieder für seine heilige Sache mit sortgerissen. Sieht man heute, mit welchem Eifer sich die Kinder in die Lehren unseres Glaubens vertiefen, dann erscheint das Werk in herrlicher Beleuchtung. In vielen anderen Gemeinden lagen die religiösen Institutionen arg darnieder; mit der sicheren ruhigen Hand eines Arztes geht Herr Dr. Marx an die Patienten heran, und richtet auf den Felsen unserer Religion die Trümmer wieder auf. An kleineren Plätzen, wo die christliche Bevölkerung eng mit der jüdischen zusammen lebt. r