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Der Israelit · 1903-08-03 · Heft 61 (3.8.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 61 (3.8.1903)
Date
1903-08-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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erforderlichen Mittel noch nicht verwirklichen lassen und bitten wir wiederholt alle unsere Freunde, durch höhere Jahresbeiträge, sowie durch Zuwendungen bei freudigen und" traurigen Veranlassungen uns in den Stand zu setzen, unsere Ausgaben stets in verbessertem Maße auszuführen. Auch in den Jahren 1901 und 1902 hat sich das ehrende Vertrauen, welches unserer Anstalt als eine Pflege- und Pflanzstätte altjüdischer Glaubenswissenschaft und treuer Pflichterfüllung von Nah und Fern entgegengebracht wird, wieder durch die ihr zugewandten frommen Stiftungen bei Lebzeiten und für das Seelenheil theurer Heimgegangenen in erfreulicher Weise zu erkennen gegeben; dieselben erreichten im Jahre 1901 die Höhe von Mk. 7700, und im Jahre 1902 die Höhe von Mk. 8410; für das laufende Jahr — 1903 — sind auch schon einige Stiftungen bei uns errichtet resp. zugesagt. Unsere Anstalt ist in den Berichtsjahren 1901 und 1902 von 34 Zöglingen besucht worden. Allen unseren Freunden und Gönnern, die uns durch ihre Jahres- und momentane Beiträge unterstützten, herzlichsten, innigsten Dank, insbesondere auch den Herren, welche sich der Mühewaltung der Jncassi in ihren Orten in unserem Interesse unterzogen; wir verbinden damit die herzliche, dringende Bitte, weiter für uns zu wirken; denn, so lange sich noch kein Mäcen gefunden hat, der uns durch einmalige Zuwendung in großem Maße in den Stand setzt, unsere Anstalt dauernd fest zu fundiren — ein Wunsch, welcher allerdings unser Ideal wäre — sind wir genöthigt, jedes Jahr von Neuem an unsere Freunde heranzutreten. Wir haben immer noch damit zu kämpfen, daß die Betriebs-Ausgaben einen Fehlbetrag ergeben und stehen dabei fortwährend vor größeren Ausgaben. Wir bitten daher alle unsere Freunde sehr, uns, ein Jeder in seinem Kreise, weitere Freunde zuzuführen; insbesondere ergeht auch unsere Bitte an die aus unserer Anstalt hervorgegangenen Lehrer, daß Jeder selbst uns sein Scherflein beitrage, sowie daß Jeder in seiner Gemeinde uns Jahresbeiträge schaffe und bei freudigen wie traurigen Veranlassungen Sammlungen für uns veranstalte; gerade die Lehrer haben doch die erste Veranlassung dazu, dadurch ihren Zoll der Dankbarkeit zu bekunden und gerade sie wissen doch auch, wie dringend wir der Mittel bedürfen, um unsere Aufgaben zu erfüllen. Stuttgart, Ende Juli. Am Freitag, 24. d. M., war eine ungewöhnlich große Trauerversammlung aus dem hiesigen jüdischen Friedhofe vereinigt. Es galt, dem Herrn Emanuel C a r l e b a ch die letzte Ehre zu erweisen. Wenn ich in Ihrem geschätzten Blatte über diesen Trauerfall berichte, so geschieht es nicht, weil der Verewigte so ganz auf dem gesetzestreuen Standpunkte lebte, sondern weil er trotzdem sich ein wesentliches Verdienst um die Erstarkung des religiösen Lebens in Stuttgart und dem Schwabenland erworben hat. Als vor mehreren Jahrzehnten des Heimgegangenen Brüder, die jetzt in Frankfurt a. M. leben, mit anderen Gesinnungsgenossen die orthodoxe Religionsgesellschaft in Stuttgart in's Leben riefen, schloß sich Emanuel Carlebach den Bestrebungen dieser kleinen opferwilligen Schaar nicht an, aber er freute sich doch im Herzen, daß die Notwendigkeit eines regeren, religiösen Geistes dadurch Allen nahegelegt war. Es dauerte auch nicht lange und die konservative Richtung innerhalb der Gemeinde gewann so sehr anEinfluß, daß sie bei einer Vorstandswahl den Sieg errang. Emanuel Carlebach-trat in den Vorstand ein. gerade zu der Zeit, als es sich um die wichtige Frage handelte, für den Kirchenrath Dr. Wassermann einen Nachfolger auf den Rabbinersitz in Stuttgart zu finden. Dem Verstorbenen in erster Linie ist es zu danken, daß trotz aller Machenschaften Rabbiner Dr. Kroner gewählt wurde. Ist es Dr. Kroner bis jetzt auch noch nicht gelungen, die Spuren der Thätigkeit seiner Vorgänger zu verwischen, so ist es doch bekannt, daß seither ein anderer Wind weht in der Oberkirchenbehörde. Emanuel Carlebach stand dem neuen Rabbiner in allen Bestrebungen treu zur Seite und aufrichtige Freundschaft verband ihn mit dem Seelenhirten. In seiner ergreifenden Rede hob der Herr Kirchenrath die Vorzüge des Verstorbenen als Familienvater, als geachteter Kaufmann, als treuer Staatsbürger und als Mitglied des Vorstandes hervor und betonte wiederholt, daß die Nähe des Sabbat den Klageton des Schmerzes verbiete. Nach ihm nahmen noch drei Herren zu kurzen Ansprachen das Wort und legten, als Zeichen ihrer Anerkennung — nach nichtjüdischer Sitte —° je einen Lorbeerkranz auf den übrigens ganz schmucklosen Vrettersarg. Sie galten dem bis zu seinem Tode immer wieder gewählten verdienten Vorstandsmitglied, dem Anreger und eifrigen Förderer des Asylvereins, dem langjährigen Mitglied des der Geselligkeit dienenden jüd. Familienvereins. Der Verstorbene hat ein Alter von 66 Jahren erreicht und hinterläßt, außer der Wittwe noch drei Söhne, welche in Stuttgart.wohnen und zwei Töchter, welche an religiöse Männer in Mannheim und in Osfenbach verheirathet sind. Zu dem Leichenbegängniß hatten sich, außer den Brüdern, zu denen auch der Rabbiner von Lübeck gehört, noch eine ganze Reihe auswärtiger Freunde und Bekannte eingefunden, auch mehrere angesehene Christen wurden in dem Zuge bemerkt. Möchten die Hinterbliebenen in der Bethätigung echter Religiosität den besten Trost finden.

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