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Der Israelit · 1903-08-03 · Heft 61 (3.8.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 61 (3.8.1903)
Date
1903-08-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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schen Abstammung wegen in geradezu skandalöser Weise verfolgt. „Jude, Jude!" bekam der arme Junge fortwährend zu hören. Es ist immer schmutzig, wenn man einen Kameraden seiner Abstammung oder seines Glaubens wegen verfolgt. Dies ist noch schmutziger und schrecklicher, wenn die Verfolger die Söhne von Männern sind, die selbst für ihre Abstammung und ihre Nationalität gelitten und geblutet haben. Dieses Verhalten ist übrigens nicht nur schmutzig, es ist auch höchst thöricht. Die Polen bemühen sich, überall in Europa für sich Sympathien zu gewinnen. Und die junge polnische Generation, die Vlüthe und die Hoffnung der Nation, gibt in Paris, im Herzen Europas, ein so elendes Beispiel von Engherzigkeit. Kleinlichkeit und Unduldsamkeit. Ist denn das eine Art, Sympathien zu gewinnen?!. Das Betragen der jungen Polen dem Juden gegenüber ist also dumm und niederträchtig zugleich. Pfui! Pi. 'Amerika Nelvyork. (Die Petition der Amerikaner an den Zaren.) Die russische Regierung hat sich geweigert, die Petition amerikanischer Bürger in Sachen der Greuel in Kischinew entgegenzunehmen. Um unrichtigen Auffassungen vorzubeugen, fei erwähnt, daß dies keine Petition hiesiger Israeliten war, sondern eine, von amerikanischen Bürgern ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses Unterzeichnete ist. Unter den Unterzeichnern sind fast alle Mitglieder beider Zweige des Kongresses, die Oberrichter aller Staaten und alle Mitglieder des Bundes-Obergerichts, die erreicht werden konnten, säst alle Staats-Gouverneure, die Mayors von 60 der bedeutendsten Städte der Union, eine lange Reihe hervorragender Geistlicher aller Konfessionen und viele Schriftsteller, Aerzte, Schulmänner und Fabrikanten. Im Einzelnen mögen nochmals folgende Unterzeichner erwähnt werden: Carl Schurz, die früheren Gesandten in St. Petersburg Clifton V. Vreckinridge und Andrew D. White, der frühere Schatzsekretär John G. Carlisle und die ganze Legislatur von Georgia (andere Staats-Legislaturen sind gegenwärtig nicht in Sitzung.) Wenngleich die Petition nicht an ihre Adresse gelangen konnte, unterliegt es keinem Zweifel, daß sie viel Gutes wirken wird. Sie muß in den Archiven des Staats-Departements begraben werden, aber ihr Einfluß dürfte selbst in Rußland ein weitreichender sein. Es ist der Ausdruck der Ansichten eines ganzen Volkes, der sich in diesem Dokument kundgibt, denn hierzulande hat religiöse Unduldsamkeit keine Stätte. Schon die mächtige Agitation.^ die dieser Petition voraufging Und die erst dieses Dokument zeitigte, muß und wird eine weittragende Wirkung ausüben. Feuilleton. osef von Wevilla. ßrzähkmg aus der Zeit der Inquisition. 41 Keiner antwortete. So lag der Schreck über das eben Vernommene auf ihnen. Das hätten sie von Juda nicht geglaubt. „Er muß hierher," rief endlich einer. > „Das soll er," riefen alle. „Er wird sterben," entschied jetzt Josef. „Ich weiß, wo er zu treffen ist. Morgen gegen die zehnte Stunde kommt er in das Haus Manuelas, aus welchem Grunde, das werde ich Euch später mittheilen; da werden vier von Euch in dem vordersten Zimmer versteckt sein, und ihn. sobald er kommt, gefangen nehmen. Ihr bindet ihn und bringt ihn hierher. Wir werden zu Gericht über ihn sitzen. Wehe dem aber, der ihn vorher verletzt, meine Hand wird das vergossene Blut sühnen." „Ich werde dabei sein, Josef, verlasse Dich auf mich." entgegnete ihm Elieser. „Der Hauptpunkt unserer Versammlung," nahm Josef wieder das Wort, „ist, wie Ihr wißt, ein Mittel zu finden, Don Manuel zu befreien. Ich werde es zunächst allein versuchen, und wenn das nicht gelingt, und wenn es überhaupt unmöglich ist, ihn aus dem Gefängniß zu bringen, müssen wir selbst das Aeußerste versuchen und. wenn sonst kein Weg zur Rettung offen steht, so werden wir ihn aus den Flammen herausreißen; doch sind wir ja noch nicht so weit. Ich werde also morgen versuchen, unter einer Verkleidung in das Gefängniß ein.zudringen und Don Manuel zu befreien. Sollte dies mißlingen, so werden wir wieder gemeinschaftlich darüber berathen, und bitte ich Euch deßhalb, liebe Freunde, morgen Nacht zu der gleichen Stunde hier zu sein. Wir werden auch dann über den Verräther Juda zu Gericht sitzen. Seid Ihr damit einverstanden?" „Wir werden kommen." „Also auf Wiedersehen! morgen, und hoffentlich kann ich Euch eine frohe Mittheilung Lberbringen. Jetzt ist es aber Zeit zum Aufbruch." Mit diesen Worten verließ Josef, gefolgt von seinen Genossen, die Ruine und bald waren die dunklen Gestalten nach allen Richtungen hin verschwunden. viii. Pünktlich am anderen Tage zur verabredeten Stunde stellte sich Elieser mit drei seiner Freunde im verlassenen Hause Don Manuels ein. Gut geeignete

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