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Der Israelit · 1903-08-03 · Heft 61 (3.8.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 61 (3.8.1903)
Date
1903-08-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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*-: H - r.- ‘ 1845 Gründung eines Altenheims angelegen sein lassen. In unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge ist ein Gebäude errichtet worden, das in seiner Ausstattung allen neuesten Anforderungen entspricht. Von der Einrichtung einer Zentralheizung hat man Abstand genommen — wie anderwärts auch — weil die Insassen eines Altenheims erfahrungsgemäß individuell sehr verschiedene Wärmebed.ürfniffe haben. Die Heizung der Zimmer soll von den Korridoren aus erfolgen. Ein rituelles Bad ist mit dem Heim verbunden, eine stattliche Laubhütte angelegt. Das Kuratorium der Anstalt hat dem Rabbiner, als geborenem Mitglied. die Befugniß alleiniger Entscheidung in allen religiösen Fragen und auch darüber eingeräumt, was als religiöse Frage zu behandeln ist. Ungarn. Budapest. Jüngst unterbreitete Ministerialrath K a f f k a. der zur Prüfung der Maramaroscher Komitatsverwaltung entsendet wurde, wie gemeldet wird, einen Bericht, dem wir nach „Egyenlös<:g" folgendes entnehmen: Thatsächlich erfährt man. daß ein großer Theil der Juden dort von seiner Körperkraft lebt. Sie arbeiten theils in Wäldern, theils mit ihren Familien auf Feldern, auf eigenen Feldern oder auf fremden im Taglohn; sie mähen und Häuseln, sie hämmern in Werkstätten und spannen sich vor kleine Lastwagen. Die schwere Fuhrwesenarbeit — Bretter- und Schindelverfrachtung ist unter ihnen sehr bedeutend — bildet fast ausschließlich der Juden Erwerbsquelle. Der Maramaroscher Jude würde sich schämen, mit dem Hausierbuckel wie der Jude des ungarischen Tieflandes herumzugehen, da dies -darauf Hinweisen würde, daß er vermögenslos und die Arbeit scheue. Ihre körverliche Kraft konnten sie um so eher zur Grundlage ihres Erwerbes nehmen, als ihre Lebensbedürfnisse — und dies ist ein sehr wichtiges ökonomisches Moment — so gering sind, daß nach dieser Richtung hin mit ihnen nur der chinesische Kuli konkurriren könne. Die körperliche Arbeit bietet, besonders hier, keinen Wohlstand, keinen Ueberflutz, 'kein Vermögen; dennoch entschließt -sich der Jude sehr leicht dazu, da sein nüchternes Leben — wer hat schon einen maramaroschen Juden betrunken gesehen? — seine Ansprüche hinsichtlich der Wohnung, Kleidung und Verpflegung geringer, als die der russischen und rumänischen Dorfbewohner sind. Der Slatinaer jüdische Arbeiter in der Dampfsägemühle bekommt für sechs Arbeitstage sechs Kronen Wochenlohn, und daraus erhält er sich und seine aus fünf bis sechs, < zuweilen auch aus mehr Köpfen bestehende Familie. Nur Samstag essen sie Fleisch. Kukurybrod, Zwiebeln, Bohnen und Haidekorn geben den täglichen Speisezettel ab. Das Weib kocht einen Topf Bohnen von sechs bis acht Litern, seiht sie ab, worauf die Familie über den Topf hergeht, jeder ein bis zwei Tage daraus löffelt, bis er leer wird, dann folgt Buchweizen oder Erdäpfel. Dabei wird, lvenn das Kind krank wird, der Arzt sofrt gerufen, und die beste Pflege wird ihm zu theil, wenngleich es schon der 34. oder 15. Sprößling ist, denn in der Fürsorge um die Kinder und auch in der Reinheit des Familienlebens kann der Jude jeder vaterländischen Volksfamilie immer als Muster dienen.' — Der Zionismus, dessen österreichische Führer schon vor Jahren ihre Fühlhörner auch nach Ungarn, ausstreckten und in einem Budapester Zweigverein einen Ableger auszustecken versuchten, will bei uns nicht, recht prosperiren. Der berühmt fruchtbare Boden Ungarns ist dazu eben ungeeignet, und auch die freie Luft, die wir dank der stets liberalen Negierung seit einigen Jahrzehnten genießen, ist der Entfaltung dieser utopistischen Schwärmerei nicht günstig. Eigenthümlicherweise gab sich dafür bisher nur unter den in den peripherischen Gegenden des Landes (Preßburg, Verbo, Munkacs, Siebenbürgen) wohnenden Juden etwas mehr Neigung zum Zionismus kund'und dort hatten sich auch unter der Patronanz des vegetirenden Budapester Vereins einige Filialen gebildet. Nun wurde allen diesen Vereinen vor kurzem bei uns auch die letzte Lebensader durchschnitten. Ihre Statuten wurden nämlich vom Minister des Innern nicht genehmigt mit der Motivirung, daß die Vereinsthätigkeit, welche auf das im Statntenentwurf ausgesteckte Ziel hinwirkt, zur unzulässigen Einmengung in die Verfügungen und Institutionen fremder Staaten führen könnte,- andererseits aber weder die vaterländischen Behörden, noch die Negierung in der Lage wären, die Verwendung der durch den Verein im Auslände auszubrauchenden Gelder vom Gesichtspunkte des Vermcgensinteresses der Vereinsmitglieder kontrollircn zu können. Frankreich. Paris, 30. Juli. Hier gibt es eine polnische Schule, die von den polnischen Flüchtlingen nach dem mißglückten Aufstand gegründet worden ist. Die Zöglinge dieser Schule sind auch zum größten Tbeil die Söhne und Enkel dieser Flüchtlinge, die im gastlichen Frankreich eine neue Heimath suchten. Vor einiger Zeit ist ein junger, jüdischer Mann aus Warschau, der übriger^ perfekt polnisch spricht und ganz im polnischen Geiste erzogen wurde, in diese Schule eingetreten, um sich in derselben für die Reifeprüfung vorzubereiten, da in dieser Schule neben polnischer Gerichte und Litteratur, auch die allgemeinen Bildungsfächer gelehrt werden. Und dieser junge Jude, der bei weitem mehr Pole, als Jude ist, de^von Judenthum keine blasse Anhuung hat und dagegen bei jeder Gelegenheit „Noch ist Polen nicht verloren!" singt, er wurde von seinen polnischen Mitschülern seiner juoi-

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